Volltext : Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen

18 BEZIEHUNG ZWISCHEN BAUTEN, MONUMENTEN UND PLÄTZEN.
haupt der Verkehr gerade dort, wo er im Alterthume am
regsten gewesen ist, nämlich bei den öffentlichen Monumentalbauten.
 Es fehlt also nachgerade Alles, was bisher als
Merkmal alter Platzherrlichkeit hervorgehoben werden konnte.
In ganz ähnlicher Weise hat sich auch in Bezug auf die
figurale Ausschmückung der Plätze das Verhältniss genau ins
Gegentheil verkehrt, und zwar nicht zum Vortheile der neuen
Anlagen. Der Reichthum antiker Formen an Statuen wurde
schon erwähnt; dass sich von dieser Art Kunstliebe grossen
Styles ein gut Theil noch weiter erhielt, bestätigt ein einziger
Blick auf das bereits vorgeführte Bild der Signoria von Florenz
und der Loggia dei Lanzi an demselben Platze.
Speciell in Wien blüht zur Zeit eine hervorragende Bildhauerschule,
 und die Zahl bedeutender Werke, welche aus derselben
 hervorgegangen, ist wahrlich keine geringe; aber
wenige ausgenommen, von denen noch zu sprechen sein wird,
zieren sie nicht die öffentlichen Plätze, sondern nur die öffentlichen
 Bauten. Reich und kostbar ist der Figurenschmuck
der beiden Hofmuseen, ebenso das in dieser Richtung bereits
Ausgeführte und nicht minder das noch Auszuführende am
Parlamentsgebäude. Die beiden Hoftheater, das Wiener Rathhaus,
 die neue Universität, die Votivkirche erhielten zahlreiche
 vorzügliche Werke der figuralen Plastik. Die Votivkirche
 soll allmälig gefüllt werden mit einer Reihe grabmalähnlicher
 Monumente nach dem Muster der alten Dome.
Auch an der Universität und am Österreichischen Museum
wurde hiemit bereits begonnen. Wo bleiben aber die öffentlichen
 Plätze? — Da verkehrt sich sofort das gewonnene
erfreuliche Bild in sein gerades Gegentheil und so verhält es
sich nicht nur in Wien, sondern mehr weniger überall.
Während bei Monumentalbauten so viel Platz für figurale
Ausstattung sich ergibt, dass Commissionen zusammenberufen
werden müssen, um nur ausfindig zu machen, was man da
Alles hinstellen soll, findet sich oft nach jahrelangem Suchen
in einer ganzen Stadt kein Platz, auf dem auch nur eine einzige
 Statue nach Wunsch untergebracht werden könnte, ob-
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.