204
der Herr Professor, dem sein ganzes System in die Brüche zu
gehen droht; dieser Stein kann nicht aus dem Weißen Jura seim“
Der Mann aber beharrt darauf und beschwört es mit einem Eid,
daß er das Stück selbst oben abgeschlagen habe. Da läßt Ouen—
stedt einspannen und fährt stehenden Fußes mit ihm nach Hech⸗
ingen, eilt auf den Berg, um das Unbegreifliche an Ort und
Stelle sich anzusehen: in der Steinblock ist noch vorhanden,
aus dem jener seinen Schnecken herausgeklopft hatte auf der
Spitze des Zollern, aber er ist einer von den Brocken, die zum
Bau des Schlosses vom Thal heraufgeführt worden waren. 'So
hatten also beide recht, der Dußlinger und sein Herr Professor;
aber freudestrahlend machte sich letzterer auf den Heimweg! das
Syostem war gerettet!
Soll noch einiges Geschichtliche über das Geschlecht ge—
sagt werden, das dieser Burg seinen Namen verdankt und heute
an der Spitze eines der mächtigsten Reiche der Welt steht, so
fassen wir das Wichtigste kurz in folgendem zusammen.
Das Haus der Hohenzollern geht auf die Burkhardinger
zurück, deren Stammvater von Karl dem Gr. zum Grafen bvon
Istrien und Rhätien erhoben ward und von dessen Nachkommen
namentlich zwei Burkhard“, im Lauf des 10. Jahrhunderts
als Herzoge von Schwaben sich einen Namen erwarben, der zweite
der Gemahl der aus Scheffels „Ekkehardt“ bekannten Hadwig
auf Hohentwiel. Sie beherrschten damals den alten Scherrae
gauß ein Gebiet, dessen Grenzen zwischen 1000 und 1160 etwa
durch die Orte Tuttlingen, Sigmaringen, Engstingen, Genkingen,
Dußlingen und Entringen bezeichnet sein mögen. Im Jahr 1166
fand eine Teilung statk, indem sich von jeßt an die eine Linie
Grafen von Hohenberg, die andere Grafen von Zollern nannten;
jene hatten auf dem Sberhohenberg, diese auf Zollern ihren Sitz.
Darnach gilt der als erster Graf von Zollern“ 1160 auftretende
Friedrich als der Stammoater der eigentlichen Linie Zollern,
obwohl der Name „Zollern“ erstmals schön 100 Jahre vorher in
der Geschichte erscheint (10601). Jener Graf Friedrich (1160 bis
1227) bekam nun um 1190 durch Heirat die Burggräfschaft
Nürnberg, was zur Folge hatte, daß nach seinem Tod das
Geschlecht sich abermals keilte. Die eine, die schwäbische Linie,
blieb auf Zollern und hatte im Lauf der Jahrhunderte die wechsel⸗
vollsten Schicksale. Zerstörung (1423) und Wiederaufbau (1434)
der Stammburg, verschiedene Teilungen, Erwerbungen und Ver—
äußerungen führten endlich dahin, daß der Besitz der im Jahr
1623 und 1661 in den Fürstenstand erhobeneuͤ zwei Linien
Hechingen und Sigmaringen (letzteres von 1634 an 'mit Haiger-—DD