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Wie köstlich ists, wenn schon im ersten Frühling der ganze
Bergwald mit den blauen Blüten der Leberblümchen sich bedeckt,
und auch später manch seltenes Kräutlein dem Pflanzenfreund
winkt, der dieses Gelände durchstöbert. Zeichnet sich doch ge—
rade der Rosenstein noch einmal ganz besonders aus durch eine
hervorragende und seltlene Flor ax) (Rumex scutatus L.,
Thalictrum minus L., Laserpitium Siler L., Globularia vulgaris
L., Allium fallax L., Saxifraga caespitosa L., Jris
germanica L., letztere unter der Ruine und daher vielleicht
Flüchtling aus dem ehemaligen Schloßgarten), so daß dem Bo—
taniker der Besuch des Berges ganz besonders zu empfehlen ist.
Auch findet sich ein Reichtum von Felsenspalten und
Höhlen da oben, wie sie gtrn in solcher Zahl und so nahe zu—
sammen gedrängt sind. Gleich unter dem Schloß in dem ge—
waltigen Felsen, auf dem jenes erbaut ist, wölbt sich ein mäch—
tiges Portal zu einer Grolite, in der mindestens 40 Leute Platz
haben. Es ist das Kleine Haus“, so genannt zum Unter—
schied von dem „Großen“, daͤs auf der anderen Seite des
Bergs (gegen Lautern) neben der „Scheuer“ zu suchen ist.
Hier in dieser „lieblichen Grotte“ hat einst auch Uhland ge—
kräumt, und an sie hat er angeknüpft, wenn er die „Ge—
schichte der mittelalterlichen Dichtkunst', die er in Tübingen
vortrug, einst mit den Worten einleitete: „Am östlichen Ende
unserer Alb springt der Rosenstein gIepet. ein sagenreicher Berg,
frisch bewaldet und mit wilden Rosen bekränzt. Auf seinem
Rücken zieht sich eine Bergwiese hin, wo die Jugend der Um—
gegend ihre Maienfeste feiert. Am Rande des Berges ragen die
Trümmer einer Burg, durch deren Fensterhöhlen die Vögel strei⸗—
chen. Gegenüber schwingt sich der schlanke Berg empor, auf dessen
Gipfel sich einst das Stammschloß der Hohenstaufen erhoben.
Weithin bis zum fernen Horizont überschaut man das gesegnete
Schwaben. In der schroffen Felswand aber, die aus der bu—
schigen Bergseite aufschießend die Burgreste des Rosenstein trägt.
öffnet sich nach jener Gegend hin eine hochgewölbte Grotte. In
der Mitte grünt ein Strauch und blühen wilde Blumen, von
den Tropfen des Gesteins sich nährend. An den Seiten liegen
breite Felsstufen, von der Ratur zu Sitzen gufgerichtet. — Hier
dachte ich mir oft, möchte ich, mit einigen Freünden gelagert, die
Dichtergebilde der vergangenen Zeit farbenhell, wie sie mir vor
der Seele schwebten, voruͤberführen.“
Wir brauchen diesen Worien, mit denen zugleich die schönsten
Stellen beschrieben sind, die ein Gang über den Bergkamm des
*) Vgl. Alb. Ver.Bl. 1893, 78 ff.