Volltext: Für Bauplatz und Werkstatt / Mitteilungen der Kgl. Württemberg. Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1906, Bd. 1, Heft 1/12)

II. 
Durch wen sollen die billigen Familienwohnungen 
erstellt werden? 
Viele werden diese Frage für eine sehr müssige halten, sie 
werden denken, dass es ganz gleichgiltig sei, wer den Bau von 
billigen Wohnungen unternimmt, wenn überhaupt nur etwas ge- 
schieht und gut und praktisch durchgeführt und in gemein- 
nütziger Weise verwaltet wird. Ich gestehe, dass auch ich 
diese Ansicht teile, und dass ich der Meinung bin, es sei auf 
diesem Gebiete ein so umfassendes Feld der Thätigkeit gegeben, 
dass Alle Raum finden für nützliche Wirksamkeit und dass Jeder 
willkommen sein sollte, der Lust und Beruf zeigt mitzuarbeiten 
an der grossen Aufgabe, welche hier gestellt ist. 
So selbstverständlich dies klingen mag, so wenig wird es 
doch im praktischen Leben allgemein anerkannt. Sehr häufig 
wird die Sache von einem beschränkten, einseitigen Partei- 
standpunkt aus angesehen und es knüpfen sich die lebhaftesten 
Controversen gerade an die Frage, wer den Bau billiger 
Wohnungen in die Hand nehmen soll und so entsteht an 
vielen Orten schon über diese erste Frage ein heftiger Streit, 
der von Anfang an eine gedeihliche Entwicklung hintertreibt 
oder zum mindesten sehr erschwert. 
Die beste und natürlichste Lösung der oben gestellten 
Frage wäre es wohl, wenn jeder Arbeitgeber gute und aus- 
reichende Wohnungen für sämtliche Arbeiter, die er beschäftigt, 
erstellen würde. Damit wäre für das Wohnungsbedürfnis der 
Mehrzahl von Familien gesorgt. 
Bei grösseren gewerblichen Unternehmungen die auf dem 
Lande oder an einem kleineren Orte entstehen, würden die
	        
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