Da man mit Bindemitteln auf Kaseinbasis
nicht nur auf Untergründen arbeiten will, die
frischen Kalk enthalten, verarbeitet man Kaseinleime
mit fetten Bindemitteln, trocknenden
Oelen, Oellacken, Wachsseifen usw. zu Emulsionen,
deren wichtigste Handelssorten unten
genannt sind,
NormalrezeptfürKaseinlösung.
100 Teile laugenlösliches Kasein werden mit
250 Teilen Wasser angerührt, 10 Teile käuflicher
starker Salmiakgeist wird zugesetzt und
durchgerührt, bis ein glatter Brei entsteht. Zum
Gebrauch wird auf die doppelte Menge Wasser
verdünnt. Soll die Lösung längere Zeit aufbewahrt
werden, so sind einige Tropfen Karbolsäure
oder besser Preventol (I. G, Farbenindustrie)
hinzuzufügen.
Normalrezept für Kaseinemulsion.
Die nach obiger Vorschrift bereitete
Kaseinlösung wird unverdünnt mit 35—70 Teilen
Lein- oder Holzöl tüchtig verrührt und zum
Gebrauch, wie oben angegeben, verdünnt.
Im allgemeinen ist es nicht ratsam, Kaseinoder
Emulsionsbindemittel selbst herzustellen,
Nur im Notfall, wenn keine bewährten Handelsbindemittel
zur Verfügung stehen, sollte von
der Möglichkeit der Selbstherstellung solcher
Bindemittel Gebrauch gemacht werden, Die
Zahl der Handels-Emulsionsbindemittel ist ungeheuer
groß, und wenn auch die Emulsionstechnik
an sich in ihrer Anwendung für Dauerwerke
beschränkt ist, so gibt es doch im Rahmen
dessen, was diese Technik zu leisten vermag,
eine Menge bewährter Bindemittel, Sie sind
fast durchweg auf Kaseinbasis gewonnen und
enthalten neben Leinöl, Standöl; Holzöl, Dicköl
auch zuweilen Harzseifen, Schellackseifen,
Kunstharzlösungen, Wachsseifen, Kautschuk,
Bitumen und Nitrozelluloselacke in emulgiertem
Zustande,
a) Emulsionen mit fetten Oelen
auf Stärkebasis. Sie sind für außen nur
als Grundiermittel geeignet, scheinen sich aber
als solche für nachfolgende Oel- und Lackanstriche
gut bewährt zu haben, Bekanntestes
Handelspräparat: Grundin,
b) Emulsionen mit fetten Oelen
auf Kaseinbasis, Sie sind weitaus die
bekanntesten. Man findet sie im Handel in drei
Formen, als dünnflüssige gebrauchsfertige, als
dickflüssige bis teigige konzentrierte Emulsion
und als Pasten,
Die gebrauchsfertigen Produkte
(Demiol, Kaparol, Rockenit, GF usw.), haben
den Vorzug, daß sie ohne Verdünnung verwendet
werden können. Sie werden direkt mit der
Trockenfarbe verarbeitet (Farbe also vorher
nicht einweichen), Man kann an sie die Anforderung
stellen, daß sie beim Aufbewahren
innerhalb Jahresfrist Konsistenz, Farbe und Geruch
nicht wesentlich wechseln, also sich nicht
entmischen, nicht dick werden, keinen festen
Bodensatz geben, nicht dunkelbraun werden
und keinen fauligen Geruch annehmen, Leichte
Abscheidungen, sei es oben oder auf dem Ge-'3ßboden,
sind dann unbedenklich, wenn sich
las Präparat durch leichtes Schütteln oder
Verrühren in den ursprünglichen Zustand versetzen
1äßt,
Die konzentrierten, dickflüssigen
Bindemittel (Richards und Antonys
Kasein, Lukol, Rockenit KWL, ABC - Kasein,
D. S. - Bindepaste usw.) sind genau
ler Vorschrift entsprechend zu verwenden,
3ei den dickflüssigen Präparaten in der
Art von Antonys und Richards Kasein
wird das Bindemittel ohne Verdünnen der
n Wasser eingeweichten Farbe zugefügt. Bei
len stark konzentrierten Produkten in der Art
von Rockenit KWL wird es entsprechend Anweisung
verdünnt, Ueber etwaigen Oelzusatz
s, die Gebrauchsanweisung. Man kann an die
Handelspräparate etwa folgende Anforderungen
stellen: Sie sollen zugig und nicht gallertig sein
ınd sich mit Wasser leicht zu einem einheitichen
dünnen Brei verrühren lassen, In den Ge-‘äßen
sollen sie innerhalb Jahresfrist die Kon-‚istenz,
Aussehen und Geruch nicht wesentlich
indern, also weder gallertig noch dünnflüssig
werden, sich nicht entmischen, nicht dunkel-)raun
werden und keinen fauligen Geruch anıehmen,
Hautbildung an der Oberfläche läßt
sich besonders bei Gefäßen, die zeitweilig ge-;ffnet
werden, nicht ganz vermeiden. Die Masse
ınter der Haut darf jedoch die Konsistenz nicht
indern. Leichte Entmischungen, die sich durch
Jmrühren sofort wieder beheben lassen, sind
ınbedenklich, Voraussetzung für die Haltbarzeit
der flüssigen und konzentrierten Produkte
st natürlich, daß die Gefäße sofort nach Ge-»rauch
wieder gut verschlossen werden,
Die pastenförmigen Produkte (Nobels
Kasinat-Extrakt, Rockenit WWL usw.) sind
noch keine Emulsionen, sondern nur Mischungen
von Alkalikaseinen mit Oel. Sie sollen
sich jedoch durch Verarbeitung mit heißem
Wasser nach Vorschrift leicht in eine helle,
zugige Emulsion verwandeln lassen,
c) Emulsionen mit Harzen und
Wachsenauf Kaseinbasis (z. B. Neotemp:
harzhaltig, Cirine - Oelwachskasein:
wachshaltig). Die Gegenwart von Wachs ergibt
lie Möglichkeit, durch mechanische Nachbeı1andlung
den Anstrich zu glätten und wasserıbstoßend
zu machen, Die Bewertung solcher
Präparate für die Außentechnik ist aber nicht
zinheitlich, Mancherseits werden für einen sehr
jut wetterfesten, ausgesprochen matten Außenanstrich,
Mattölpräparate auf Oelbasis den
Kaseinwachspräparaten vorgezogen.
d) Emulsionen mit anderweitisenZusätzen,.
Zur Erzielung sehr gut wetterfester,
wasserabstoßender Außenanstriche
hat man neuerdings versucht, in Stärke-, Kazsein-
und anderen Leimen harzartige, bitumi-2öse
und ähnliche schwer emulgierbare Stoffe
zu emulgieren, Die bisherigen Erfahrungen mit
diesen Bindemitteln sind wohl ganz günstig in
bezug auf Haltbarkeit, weit weniger günstig
aber in bezug auf ihre Verarbeitungsfähigkeit,