Volltext : Für Bauplatz und Werkstatt / Mitteilungen der Kgl. Württemberg. Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1912, Sonderheft)

Eine Wiederholung dieses Kurses ward ein Jahr später nötig. Der Eisenbetonkurs
 1908/09, der das gleiche Programm hatte, war von 25 Teilnehmern
besucht. Eine weitere Wiederholung ermöglichte sich anfangs 1912 mit einer
Teilnehmerzahl von 28.

Bauhandwerkerschulen
Wenn irgend etwas neben der Verbildung der Architekten selbst den
Niedergang unserer baulichen Leistungen veranlaßt hatte, so war es die
mangelhafte handwerkliche Ausbildung unserer Bauhandwerker. Dem abzuhelfen
 war der Zweck der eben geschilderten Kurse. Sie durften aber
nicht das einzige Mittel bleiben. Für Bauhandwerker wie Maurer, Steinhauer
 und Zimmerleute mußte noch besondere Fürsorge getroffen werden,
da die Entwicklung bei diesen Gewerben aus ehemals selbständigen Handwerkern
 immer mehr und mehr unselbständige Bauarbeiter gemacht hatte.
Daran änderten auch die Meisterprüfungsordnungen nichts, solange eine
ernsten Ansprüchen gerecht werdende Meisterprüfung wegen der ungenügenden
 Ausbildung in der Lehrlings- und Gesellenzeit unmöglich war. Diese
Erkenntnis führte die Zentralstelle für Gewerbe und Handel bald zu der
Errichtung ständiger Bauhandwerkerschulen. Diese stehen als solche
allerdings nicht in unmittelbarer Verbindung mit der Beratungsstelle. Da
sie jedoch eine wichtige Ergänzung derjenigen Bestrebungen bilden, in deren
Dienst die Beratungsstelle steht, da dem Vorstand der Beratungsstelle die
technischen Schulbesichtigungen sowie die technische Beratung der Zentralstelle
 in Schulsachen übertragen sind und da die Lehrkräfte der Schulen in
gewissem Umfange auch für Zwecke der Beratungsstelle herangezogen werden,
sei hier folgendes mitgeteilt :
[Das Ziel dieser Schulen ist nicht etwa die Ausbildung mittlerer Techniker
 — dafür ist die Baugewerkeschule da —, sondern lediglich die theoretische
 Ausbildung von Bauhandwerkern (Maurern, Steinhauern und Zimmerleuten)
 in dem Umfang, 'daß ihnen die Erstehung einer wirklich ernst genommenen
 Meisterprüfung möglich wird. Hierzu sollen sie so weit gefördert
werden, daß sie ein einfaches ländliches Haus mit Einzelheiten zeichnen
können. Nicht aber sollen sie im eigentlichen Entwerfen unterwiesen werden.
Das Lehrziel soll in zwei fünfmonatlichen Winterkursen erreicht werden.
Aller Unterricht in wissenschaftlichen Hilfsfächern (Mathematik) und im
Freihandzeichnen soll im Gegensatz zu anderwärts bestehenden ähnlichen
Schulen vermieden werden, da bei der Kürze der Zeit befriedigende Ergebnisse
 doch nicht zu erzielen wären. Vielmehr soll nur den unmittelbaren

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