an die bodenständige Bauweise wurde nicht Bedacht ge⸗
nommen. Die Beratungsstelle für das Baugewerbe aber
und die Heimatschutzorganisationen haben es sich zur Huf⸗
gabe gemacht, schöne, heimische CLandschafts- und Dorfbilder
zu erhalten. Es wurden deshalb für den Bau von guten
Umformerhäusern Vorschläge ausgearbeitet und die Ge⸗
meindeverwaliungen darauf aufmerksam gemacht, daß bei
Erstellung von Umformerhäusern von der Beratungsstelle
und von dem Bunde für heimatschutz jeweils passende
Vorschläge eingeholt
werden können. Er⸗
freulich ist es zu
jehen, wie in den
letzten Jahren durch
Mitwirkung oben⸗
genannter Organe
gute Vorbilder ge—
schaffen worden sind.
Beistehender Ent⸗
wurf der Beratungs⸗
stelle für das Bauge⸗
werbe zeigt die An⸗
lage eines Umfor—⸗
merhauses in Ver—⸗
bdindung mit einer
kleinen Brücke. Vor
alter Zeit stand hier
eine Bogenbrücke,
welche jedoch im
Caufe der Jahre
durch Verwitterung
und Baufälligkeit
durch eine neue er⸗
setzt werden mußte.
Das Wahrzeichen der
Brücke war eine alte
Cinde. Bei dem Bau
der Brücke wurde
das Umformerhaus
unmittelbar als so⸗
genannter Brücken⸗
kopf angegliedert.
Die alte Linde wurde
erhalten und mit
einer erhöhten Ter⸗
rasse umgeben. Auf
dieser wurde eine
sitzgelegenheit an⸗
geordnet, um dem
ermüdeten Wanderer
im Schatten der Linde
Ruhe und Ausblick
ins Tal zu gönnen.
Das Umformerhaus
wie auch die Brücke
ist in schlichten, ein⸗
fachen Formen ge⸗
halten, und beide
fügen sich dem Land⸗
schaftsbild harmonisch ein. Die Ausführung der Brücke
ist in Beton mit Vorsatzbeton gedacht, die des Umformer—
hauses in Ziegelmauerwerk mit Verputz. Die Dachdeckung
des häuschens soll mit Biberschwänzen ausgeführt werden.
Die kleine Gebäudegruppe kündet dem Wanderer aus der
Ferne die willkommene Nähe des Dörfchens, das er als Ziel⸗
punkt seines Marsches oder Ausfluges auserwählt hat.
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ausinschruten und Gildezeichen.
Wenn wir offenen Huges die Straßen, Gassen und
Plätze alter Ortschaften und Landstädte durchwandern und
nit Freude das überkommene Erbe der Väter genießen,
o bannen uns zunächst nur die wuchtigen, größeren Grup—
zierungen und Bewegungen, d. h. die Modellierung der Bau⸗
nassen selbst.
Ist es uns vergönnt, länger zu verweilen, so erschließen
ich uns bei liebevollem Versenken erst die intimeren Reize
er einzelnen Bauten und Bauteile. Bei Betrachtung der
Fform und Farbe der Details versetzen wir uns gerne zurück
n die Zeit der Entstehung dieser Bauten. Dabei kommt
uns die schöne Sitte
unserer Vorfahren
zu Hilfe, auf viele
ihrer Werke den
Zeitstempel aufge⸗
drückt zu haben.
Wir meinen dabei
nicht nur die Ge—
oflogenheit, die ein⸗
zelnen Bauten und
Details aktenmäßig
mit der Jahreszahl
der Entstehung zu
versehen. Wir den⸗
ken dabei vielmehr
noch an die einzelnen
Zeitumstände wäh—
rend des Baues, an
die Leiden und Freu⸗
den, die Bauherrn
und Baumeister be⸗
timmten, bleibende
zffentlicheUrkunden
n Form von Namen,
sprüchen, Zeichen,
Wappen und Zahlen
in die Bauten ein⸗
zufügen. Sehen wir
genauer zu hierüber
einer Türe lesen wir,
wie und wann ein
'unger Bürger und
eine „ehrsame haus⸗
frau“ ihren Haus—
tand gegründet und
dies Hhaus bezogen
daben. Selbstver⸗
tändlich ist das Hand⸗
werkszeichen seiner
zunft schmückend
beigefügt. Dort be⸗
richten ernste Worte
von allgemeinen Nö⸗
ten, von Brand⸗,
Wasser-, Einsturz⸗
und Erdbebenscha—
den, Kriegsgefahren,
Teuerungen, him—
melserscheinungen,
Funden, ortsge⸗
chichtlichen und politischen Creignissen. Auch freudige Ereignisse
ind verzeichnet: Hohe Besuche, reiche Ernten, gute Wein⸗
ahre usw. Manch kKöstliche Perle findet sich in Sprüchen,
die ernst und heiter, trotzig, ja bisweilen resolut und derb
zehalten sind. So lesen wir „Wer Gott vertraut, hat wohl
gebaut im himmel und auf Erden“; „Mein Nest ist das
»est“; „Klein aber mein“. Malitiös klingt: „Ich wünsche
edem, der mich kennt, zehnmal mehr, als er mir gönnt.“
Mit Bezug auf die Vergänglichkeit alles Irdischen lesen
vir an anderer Stelle „Genug für einen, der sterben will“;
Wir haben hier keine bleibende Statt“, oder in zuver—
——— ——
Ansicht.
—
Lageplan.
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