sichtlichem Gottvertrauen „Der herr behüte Deinen Auszang
und Eingang“. Von der Sonnenseite eines gastlichen,
grünumrankten Hauses winkt eine Sonnenuhr. Sie ist das
Werk eines stillen, grübelnden Meisters, eines Sonderlings.
Darunter steht tiefsinnig und gottergeben „Meine Zeit
stehet in Deinen händen“, oder „Die trüben Stunden zeig'
ich nicht“. Wappen weitlicher und geistlicher Herrschaft
verkünden uns zuweilen an Torbögen und Portalen das
einstige Regiment.
Man sieht, Bauherr und Baumeister wollten sich durch
diese Inschrifien nicht nur selbst genügen, sondern auch die
Vorübergehenden zur Aufnahme und zum Weiterspinnen
ihrer Gedanken anregen.
Handwerkstechnisch genommen finden wir der Möglich⸗
keiten, Inschriften passend anzubringen, viele, z. B. in Stein,
Hholz, Eisen, Blech und Putz, bemalt, ausgehauen, erhaben
und durchsichtig. Der Zimmermann schmückte damit meist
die Eck- und Pundpfosten, Türsturzriegel, Konsolen, Brü—
stungen, Balkenköpfe und Schwellen, welch letztere er oft
als Spruchband benützte. Der Steinmetz ersah sich dazu
u. a. Stürze, Schlußsteine, Friese, Dorment, Bänke, Gebäude—
ecken und Konsolen. Bei wichtigen Anlässen fügte er auch
besondere Schriftplatten in die Mauern ein, 3. B. beim
Wiederaufbau nach Bränden usw. Vom Schreiner ein—
geschnitzt, aufgesetzt und ausgesägt finden sich Inschriften,
zahlen usw. an Toren, Türen, Läden, Blumenbrettern,
Füllungen, Oberlichtgittern. Im Schnörkelwerk von Toren,
Türen, Fenster- und Türgittern, Oberlichtern, Aushänge⸗
schildern, Balken⸗- und Treppengeländern, Blechtüren, Sier⸗
schlaudern, Wetterfahnen usw. suchte der Schlosser und
Schmied geschichtliche Daten usw. einzuflechten. Diese Be—
schriftung machte aber am üußeren nicht halt, sondern er—
streckte sich auch auf den Ausbau, auf Getäfel, Wände,
Decken, Türen, Fenster, Ofen, wie auf Möbel- und Ge—
brauchsgegenstände.
Alle die Schriften, Monogramme, Zeichen usw. wirken
an sich schmückend in Form und Farbe und bilden nicht
selten einen Bestandteil des Ornaments selbst, weshalb sie
oft neckisch versteckt sind.
Ziehen wir aus all dem eine Nutzanwendung für uns,
so müssen wir folgendes beachten:
Wir dürfen unsere Arbeiten nicht namenlos der Nach—
welt überlassen, oder etwa nur durch Anheften eines ärm—⸗
lichen, leicht zerstörbaren Emailleschildes benamsen, sondern
es muß das Bestreben der Baumeister wie der Handwerker
sein, ihren Arbeiten, aber nur den guten, tüchtigen, Name,
Baujahr, Geschichtliches usp. unvergänglich einzufügen, wo
dies technisch nur möglich und sachlich angebracht ist. Neuer⸗
dings wird auch behördlicherseits darauf gedrungen, das
Jahr der Erbauung von Gebäuden an deutlich sichtbarer
Stelle dort anzubringen.
Unsere Aufforderung richtet sich nicht etwa bloß an
die oben erwähnten handwerker der Stein-, Zimmer⸗,
Schmied⸗ und Schlosserzunft, sondern an alle Baumeister
und handwerker, die berufen sind, beim Roh- und Einbau
von Gebäuden und baulichen Anlagen des Hoch- und Tief—⸗
baues in Garten, Wald und Feld mitzuwirken, insbesondere
noch an die Maler, Flaschner und Metalltreiber, Gürtler.
Gipser und Stukkateure, hafner usw.
In Erfüllung dieser Pflichten mögen sie aber beachten,
für Schriften, Zahlen usw. nur geeignete Stellen auszu—
wählen, im Streben nach Deutlichkeit und Leserlichkeit den
chmückenden Zweck, Form und Sarbe nicht zu vernach—
ässigen, nicht planlos das Alte nachzuahmen, aber auch
nicht um jeden Preis Neues bei den haaren herbeizuschleppen.
And vor allem: Deutsch sei das Wort und die Schrift und
zlar der Sinn. Aber auch die Bauherren, hoch und nieder,
HPrivate und Geschäftsleute, Fabrikanten und Industrielle,
Tandwirte und hausbesitzer, ebenso wie Beamte, Korpo—⸗
ationen und staatliche Behörden können zur Wiederbelebung
dieser schönen Sitte durch geeignete Aufträge beitragen und
jo die modernen Gebäude, Straßen, Platzwände usw. wert—
voll bereichern.
In den katholischen Gegenden des Landes, namentlich
im Oberland, finden wir erfreulicherweise vielfach an den
Jäusern Heiligenbilder, Statuen usw. mit zierendem Bei—
verk und Blumen geschmückt. Die häuser der evangelischen
kandesteile dagegen entbehren dieses Schmuckes und sehen
deshalb oft etwas nüchtern drein. Könnten wir sie nicht
zurch volkstümliche Kern⸗ und Bibelsprüche in geschmack—
»oller Anordnung und je nach Mitteln auch mit Zeichen
ind Bildwerk versehen! Solche gut angeordneten Sprüche
ind, rein äußerlich betrachtet, schon besser, als die heute
o aufdringliche und häßliche Reklame. Dies trifft umso⸗
nehr zu, wenn das Gebäude mit seinem Betrieb in gar
zeinem Zusammenhang mit der Reklame steht. 3. B. sei
nur auf die Plakate an Bauernhäusern verwiesen. Aber
auch Bilder weltlichen oder geistigen Stoffes könnten er—
zieherisch und veredelnd wirken.
Und nun noch eins: Beachten und schützen wir alle,
ob Bauherr, Baumeister oder Handwerker und wem noch
daran gelegen ist, den Schatz der alten, auf uns noch über⸗
zommenen Inschriften, Zeichen, Wappen usw. und sorgen
wir dafür, daß sie nicht ohne zwingende Notwendigkeit
beseitigt oder gar beschädigt und zertrümmert werden, wie
dies bei Erneuerungen, Umbauten, Abbrüchen usw. leider
nur zu häufig geschieht. Müssen Bauteile mit Inschriften,
Wappen, Zeichen usw. aus zwingenden Gründen beseitigt
werden, so nehme man sie schonend heraus und sorge für
eine würdige Unterbringung in verschlossenem, überdachtem
Kaum bis zu weiterer Verfügung. Bei Erneuerungen be—
zandle man sie schonend und hüle sich vor Überarbeitung,
Aberputzen, Überstreichen usw.
Am besten aber wende man sich vor Inangriffnahme
der Arbeit an die hiezu berufenen Stellen, das K. Landeszonservatorium
oder die Beratungsstelle für das Bauge⸗
werbe um Rat, der gerne gegeben wird.
In beistehenden Abbildungen sind einige vorbildliche
hausinschriften gezeigt. Wir sehen dieselben als Hus—⸗
chmückung von Schlußsteinen, einer Türbekrönung und
einem Kapitäl ausgebildet. Hauptsächlich auf die schöne,
zräftig geschnittene Rosette über der Haustüre in Waib—
lingen mit dem darunter befindlichen Engelsköpfchen, das
gleichsam den hauseingang bewacht, verdient wegen ihrer
Ursprünglichkeit hingewiesen zu werden.
bringen wir
Aus der guten alten Zeit
außer den obengenannten hausinschriften wieder einige
gule handwerksarbeiten, die von Architekt Haag in Schorn—
dorf aufgenommen und gezeichnet worden sind. Dieselben
sind schon in einer Sondernummer von „Bauplatz und
Werkstatt“ erschienen, sollen aber den regelmäßigen Lesern
inseres Blattes nicht vorenthalten werden und dürften als
aui⸗ Vorlagen für handwerksmäßige Arbeit willbommen sein.
für das Baugewerbe erteilt den Angehörigen sämtl. Zweige des Baugewerbes sowie Staats⸗
Die Beratungsstelle u. Gemeindebehörden Kat in allen kunstler. u. techn. (jedoch grundfätzl. nicht in baupolizeilichen
u. rechtlichen) Fragen. Sie überarbeitet oder begutachtet Skizzen, Entwürfe u. Detailzeichnungen. Mündl. Auskünfte (auch
telephonisch) kostenlos Dienstags und Donnerstags von! /23-127 Uhr nachmittags, Freitags von 9—421 Uhr vorm. in
dem Gebäude Kanzleistraße 26m. Schriftliche Auskünfte, Zeichnungen und Vorlagen gegen mäßige Gebühren iederzeit.