Heschosses zu Kanzleien erst im Jahre 1862 erfolgte. Die
zitie, die Ratsstube als Tanzboden zu benützen, wie sie früher
an vielen Orten üblich war, hat sich in Markgröningen
bis auf den heutigen Tag erhalten. Alljährlich einmal,
am Tag des Schäfermarkts, hat das junge Volk von
Markgröningen Anrecht, im hochamtlichen Katssaal sich
im Reigen zu drehen. Die Freitreppe, die früher auf
der südüchen Langseite in den ersten Stoch führte, wurde
mit dem Einbau der Kanzleien abgebrochen und der Ein⸗
gang auf die Marktseite ebenerdig gelegt. Außer diesen
letztgenannten Abänderungen und dem neuen Vorbau eines
Balkons im ersten Geschoß ist das Außere des Rathauses
in seinem alten
Zustand erhal⸗
ten geblieben.
Das Fachwerk
ist mit Aus⸗
nahme des rück⸗
seitigen Giebels
und der tanne⸗
nen Pfetten aus
Tichenholz. Die
VDerbügungen
sind durchweg
unten und oben
an den Pfosten
angebracht, teil⸗
weise einfach,
teilweise — na⸗
nentlich an den
Tcken — dop⸗
helt. In der
höhe des Erd⸗
geschosses sind
einfache Schnit⸗
zereien, darun⸗
ter auch das
württembergi⸗
sche Wappen zu
ehen. Das Fach⸗
werk ist durch⸗
aus regelmäßig
im Aufbau und
durch die mäch⸗
tigen holzstär⸗
ken, die heuti⸗
gen Tags gänz⸗
lich ungewohnt
ind, äußerst ein⸗
drucks voll. Auf
der Traufe des
mächtigen
Walms sitzt über
Eck ein schön
konstruiertes Türmchen, das die gut gemalten Zifferblätter
einer mechanischen Uhr und die Wappen von Württemberg
und der Stadt Markgröningen trägt. Mit feinem Ver—⸗
ständnis hat der Baumeister diesen originellen Dachreiter
zurch Tiefsetzen in die Fassade, die nach der ganzen Lage
des Rathauses, wenn auch nicht allein, so doch haupt⸗
ächlich zur Wirkung kommt, einbezogen und sie bekrönt.
Durch die drei Reihen vorspringender Balkenköpfe unter
den überkragenden Geschossen, durch die große Anzahl her⸗
portretender Holznägel und durch tiefe Risse und Uneben⸗
heiten, welche Sonne, Wind und Regen in dem holz ver⸗
ursacht haben, wird der Fassade eine besondere Lebendig—
zeit verliehen, ohne jedoch Unruhe aufkommen zu lassen.
Diese Zeichen der Zeit und des Alters sind dazu angetan,
dem holz eine gewisse Tiefenwirkung zu geben. Dieselben
Zinflüsse haben das Fachwerk mit einer schönen, silber⸗
Aleinstädtisches
zrauen Farbe überzogen, die, so schön sie ist, als Zeichen
er einsetzenden VDerwitterung betrachtet werden muß.
Venn dieselbe sich auch nur an der Oberfläche zeigt und
ei Eichenholz die Gefahr eines tieferen Eindringens der
erwitterung nicht vorhanden ist, hat die Gemeinde doch
ine Ausbesserung ins Auge gefaßt. Die Beratungsstelle
ir das Baugewerbe, die in dieser Sache um Rat gefragt
vurde, hat vorgeschlagen, eine Erneuerung des schadhaften
)utzes vorzunehmen, dem Holzwerk jedoch nur durch An⸗
rich mit Leinöl und Leinölfirnis nach bestimmter An⸗
veisung neue Nahrung zu geben. Die dadurch entstehende
ünne Schutzhaut genügt, auf Jahre hinaus die Einflüsse
des Windes und
ZKegens zu ver⸗
züten. Ein An⸗
trich mit Ol⸗
'arbe, welcher
die schöne holz⸗
trukrur gänz⸗
lich verdecken
vürde, ist in
iolchen Fällen
treng zu ver⸗
meiden. Es
vurde noch an⸗
geraten, die
päteren Zu⸗
aten in goti⸗
chem Stil über
den Türen und
Erdgeschoßfen⸗
tern zu entfer⸗
nen und einige
fehlende Holz⸗
eile wie Büge,
holznägel usw.
zu ersetzen. Was
die Farbgebung
anbelangt,
zonnte nichts
Zesseres empfoh⸗
en werden, als
die jetzige Stim
mung beizube⸗
halten. Die rote
Farbe der Fen⸗
ter u. die grün⸗
raue Farbe der
däden stehen zu
dem o Kergelben
Outz und dem
silbergrauen
Holz so gut, daß
jede Anderung
em Gesamteindruck nur schaden könnte. Durch den Krieg
ind die Erneuerungsarbeiten hinausgeschoben, aber die Ge—
neinde setzt alles daran, daß sie nach dem Krieg von kundiger
sand u mit richtigen Mitteln gn werden vzah folgt
J „Der Zimmerpolier,
Bücherbesprechung. ein Lehrbuch für Zimmer⸗
Te unter besonderer herucksschtigung der Schiftung und
es Treppenbaues von Fr. Kreß, Zimmermeister. Mit
i5 Tafeln, 296 Textabbildungen und 8 holzmodellen.
* Auflage. Verlag von O. Maier⸗-Ravensburg. Preis
Nk. 20.-.
Das Buch ist in der Praxis entstanden und will auch
er Praxis dienen. Demgemäß ist seine Sprache auch die
es Peaktikers, des Zimmermanns. Eine wesentliche Um⸗
irbeitung und Erweiterung des Stosfes der 1. Auflage
jetet die vorliegende zweite. Inhaltlich ist zu dem früheren
Zürgerhaus.