es keine Schmarotzer geben darf in der menschlichen
Besellschaft. Ich bin der Meinung, daß der Gärtner
wohl, wenn man die Finanzfrage mit bereinigen helfen
will, einen Baugrund und Boden mit Hilfe öffent—
lichen Geldes zu bekommen hat, aber das Haus selbst
zu erwerben hat. Damit werde ich sofort in Kollision
mit der sozialdemokratischen Partei kommen, die keine
Hausherren züchten will, was mir aber vollkommen
gleichgültig ist, denn ich bin kein Parteimann.
Nun bin ich überdies der Meinung: Wenn es nun
zweierlei Menschen der arbeitenden Klassen gibt, solche,
die einen Teil ihres Wochengeldes auf den Markt zu
tragen haben, um das Gemüse einzukaufen, und wie—
der andere, die mit Hilfe ihrer Arbeit, die Lust und
Freude macht, dieses Geld ersparen, dann ist wieder
ein Ausgleich zu schaffen, d. h. diese Leute sollen das
Haus selbst bauen, bezahlen, und sich verpflichten, diese
Ersparnisse auf die Ausgestaltung des Gartens zu
verwenden.
Wie soll dieses Siedlungshaus aussehen?
Wir wollen vom Garten ausgehen. Der Garten ist
das Primäre, das Haus ist das Sekundäre. Der Gar⸗
ten wird natürlich der modernste Garten sein. Er
muß möglichst klein sein, 200 qm sind wohl das
UÜußerste, was ein Siedler bebauen kann. Wenn der
Garten nur 150 qm groß ist, um so besser, denn je
größer der Garten, desto unrationeller und unmoder⸗
ner werden die Methoden sein, mit denen der Mann
hn bearbeitet; je kleiner der Garten, desto wirtschaft⸗
licher und moderner wird er ihn bearbeiten. Der große
Barten ist der Feind jeden Fortschritts im Garten—
bau. Einwendungen der Siedler, wie: „Ja, ich
brauche Gras für meine Ziege, ich brauche Kartoffeln“,
darf es nicht geben. Gras hat der Mann einzukaufen.
Auch Kartoffeln hat der Mann zu kaufen, denn die
Kartoffel erfordert für ihre Ernte ein ganzes Jahr,
and dann gibt es natürlich keine mehrmaligen Jahresernten
im Siedlergarten. Je rationeller bebaut wird,
desto häufiger wird geerntet. Wir müssen es in unse⸗
rem Klima auf 10—14 Ernten im Jahre bringen, und
Sie können sich wohl vorstellen, welche gewallige Ar—
beit das erfordert. Vom Klima und von der Erde,
dom Terrain selbst ist der Siedler nicht abhängig.
Das große Wort des großen gärtnerischen Reforma—
tors Leberecht Migge in Bremen lautet: „Boden
aund Klima bereitet sich der Gärtner selbst.“ Das ist
ein merkwürdiges paradoxes Wort. Aber was den
Boden anbelangt, so wird es Ihnen selbstverständlich
lar sein, daß der Boden, der da vorliegt, für Garten—
zwecke nicht ohne weiteres verwendet werden kann,
—A
Düngung und Hineinbringung von neuer Erde und
Humus der Boden nutzbar gemacht wird. Denken Sie
nur daran, daß die Pariser Gärtner wegen der Ver—
größerung der Stadt ununterbrochen ihre Gärten nach
außen verlegen müssen, und alles, was sie an Reich—
rum besitzen, das ist ihr Boden. Auf Wagen geladen,
nehmen sie ihn daher bei der übersiedlung mit. Fürst
Kropotkin hat den Humus in die Muͤhle führen,
dort mahlen lassen und wieder zurück in den Garten
gebracht.
Aber das Klima! Wir wissen, daß der größte Feind
des Gartens die Sonne ist. Die Sonne hat schon viel
Unheil angestiftet. Die herrlichsten, paradiesisch schön—
sten Gegenden der Welt, zwischen Euphrat und Tigris,
hinüber bis nach Syrien, Ägypten, der ganze Norden
don Afrika, sind der Sonne zum Opfer gefallen. Es
ist unfruchtbares Land geworden. Aber die Araber
Abb. 1
vußten Mittel dagegen. Überall dort, wo Gartenkultur,
ahrtausende alte Gartenkultur im Orient ist, haben
ie Mauern um die Gärten gestellt, um den Wind und
die Sonnenstrahlen abzuhauten.
Wie macht das unser Siedler? Er wird, wenn das
ein Grundstück ist, eine solche Mauer um den Garten
»auen (s. Abb. 1).
Jede Hausfrau weiß, daß die Wäsche rasch trocknet,
venn es Wind gibt. Gerade aber das rasche Trocknen
'ann der Gärtner nicht brauchen. Wir wollen feuchte
Wärme im Garten haben. Und nun soll die Sonne
ineinscheinen und diese Wärmestrahlen sollen vom
Bind nicht weggetragen werden. Je rascher der Boden
iustrocknet, desto mehr vervielfacht sich die Arbeit. Der
Boden soll immer feucht sein, damit die Mikroben des
Bodens immer lebensfähig sind, denn die Mikroben
ind es, die unablässig arbeiten, den Boden zu zer⸗
leinern. Sie sind die Mühle des Fürsten Kropotkin.
Ind nun verlangt Mig ge, daß um 12 Uhr mittags die
Sonnenstrahlen den Garten voll beleuchten, daß es
vährend dieser Zeit, wenn die Sonne am höchsten
teht, in keinem Garten Schatten gibt. Dadurch er⸗
eichen wir ein gleiches Sonnenlicht für alle. Es folgt
daraus, daß die Gärten alle von Norden nach Süden
gzerichtet sein müssen, und daß demnach ein Garten
zjeographisch von Norden nach Süden liegen muß
J. Abb. 2).
Nun steht die Sonne im Süden. Um 12 Uhr mittags
zibt es nur sonnige Gärten. Dann gibt es Mauern
rechts und links. Für den Fall, daß zwei Siedler be—
üglich der Mauerumfriedigung ihre Garten zusammen⸗
egen, so hat der eine Siedler morgens volle Westsonne,
der andere Siedler volle Ostsonne auf seiner Mauer,
im Abend umgekehrt. Diese Mauern' werden mit
Spalierobst bepflanzt. Bäume hat es überhaupt im
Zarten nicht zu geben. Der Baum ist ein uͤnsoziales
Wesen. Er gibt nicht den Schatten demienigen. der
„VOM
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