Dachdeckerarbeiten
Die äußere Form der Dächer war früher in der Hauptsache
bedingt durch die am Pla zur Verfügung stehenden Materialien.
Durch die beinahe zwangsläufige Ausführung deı
gleichen Bauweise entstanden Dörfer und Städte, die wegen
Ihrer Einheitlichkeit heute besonders geschätßt werden. Durch
die verbesserten Transportmöglichkeiten tritt die Gleichartigkeit
der Dachformen immer mehr zurück, Es besteht die Gefahr,
daß die noch erhaltenen schönen Dorf- und Stadtbilder
weiter verunstaltet werden, Bei der Wahl der Dachform sollte
daher möglichst auf die Nachbarschaft Rücksicht genommen
werden.
Der Dachdecker beurteilt die steilen oder flachen Abdekkungen
nach „Eindeckung und Abdichtung”. Bei jedem
Dach unterscheidet der Dachdecker sehr gründlich die Eindeckung
von der Abdichtung und zwar aus folgendem Grund:
Eine Dacheindeckung ist eine Konstruktion aus Schiefer, Ziegeln,
Schindeln, Rohr, Stroh oder Pappe, wobei gewissermaßen
jeder einzelne Schiefer, Ziegel, jedes Schindel, jedes
Rohr oder Strohbündel und auch jede einzelne Pappbahn
ein kleines geneigtes Dach für sich darstellt, ein „Dach” im
Dache, das seine von ihm selbst aufgefangene Wassermenge,
und das vom darüber befindlichen Schiefer, Ziegel usw. auf
seinen darunter befindlichen Nachbarn abgibt; so lange, bis
alles Wasser die Traufe bezw. Traufrinne erreicht hat. Eine
Dacheindeckung ist also nicht „wasserdicht”, sondern „wasserleitend”.
Horizontale Flächen können nicht wasserleitend eingedeckt,
sie müssen abgedichtet werden. Flächen mit geringem Gefälle
nach dem Hausinnern, auf denen sich Wassermengen
stauen und vorübergehend stehen bleiben, dürfen aus diesem
Grunde nicht wassserleitend eingedeckt werden. Beide,
die horizontalen, wie die nach innen geneigten Flächen, müssen
also wasserdicht sein, sie müssen abgedichtet werden.
Eine Dacheindeckung beruht auf dem Prinzip des Aufeinanderdeckens,
wobei z. B. der Mörtel beim Ziegeldach, oder
die Klebemasse beim Doppeldach zum Teil zum Schub gegen
Treibschnee und Staub und zum Teil als Bindemittel dienen.
Der Mörtel hat aber nicht den Zweck, die wasserleitende
Eigenschaft des Daches zu erhöhen oder gar eine Wasserabdichtung
zu erzielen. Auch die Klebemasse des Doppeldaches
oder des Holzzementdaches ist kein vollkommen
wasserabdichtendes Bindemittel, beide Dacharten müssen
wasserleitend, also mit Gefälle hergestellt werden, sonst reg
net es durch. Auf keinen Fall ist aber ein wasserleitend gedecktes
Dach vollkommen luftdicht. Ist ein Dach steil, so kann
die Überdeckung etwas geringer sein, ist das Dach flacher,
so muß die Überdeckung größer sein. Ist das Dach aber sehr
flach geneigt, so muß schon Pappe, verbunden mit Klebemasse
Verwendung finden. Daraus folgt: Je steiler das Dach,
desto luftiger und desto fäulnissicherer sind die darunter befindlichen
Bauteile. Hieraus folgert sich aber auch: Jede Dachabdichtung
ist absolut luftdicht. Unter jeder Dachhaut entstehl
durch Temperaturunterschiede Kondenswasser. Findet keine
Luftzirkulation mehr statt, dann kann diese Feuchtigkeit nicht
aufgesogen und wieder abgegeben werden und weitestgehende
Sicherheitsmaßnahmen gegen Fäulnis, Schwamm usw
müssen getroffen werden. Ist die Decke massiv, so kann es
zwar nicht zur Fäulnis kommen, das Kondenswasser schlägt
sich dann aber an der Unterseite der Decke nieder, unter
Umständen so stark, daß eine Isolierung aus Kork, Torf oder
dergl. notwendig wird.
Eine Abdichtung (mit welchem Material ist dabei gleichgültig,
muß mit der eigentlichen Konstruktion der Deckplatte zusammen
innig verbunden werden und muß in den allermeisten
Fällen noch auf der Oberseite eine Schukschicht aus Beton.
Yatten oder dergl. erhalten. Während jede Eindeckung stets
mstande ist, normale Gebäudesenkungen, Austrocknung des
dolzes im Dachstuhl usw. durch geringes Nachgeben in den
Jberdeckungen auszugleichen, ohne seine wasserleitenden
Zigenschaften dadurch zu verlieren, führt jeder derartige Vor-Jang
bei der Abdichtung schnell zu erheblichen Undichtig-<eiten,
zu Undichtigkeiten mit sofort eintretendem Wasserschaden
oder was oft der Fall ist, zu einer unbemerkbaren
Jurchfeuchtung von Mauer- oder Holzteilen, die, erst später
Demerkt, umso gefährlicher für das Haus werden. Sturmschäden
erleidet die Abdichtung allerdings niemals. Während
aber solche bei der Eindeckung sofort bemerkt werden und
3s für deren Beseitigung kaum Hindernisse gibt, muß ein wie
>ben beschriebener unbemerkter Schaden der Abdichtung
mmer erst entdeckt und dann erst mit großen Unkosten für
die Reparatur freigelegt werden,
Zu den Eindeckungen gehören Schiefer-, Ziegel-, Rohr
ınd Schindeldächer, All diese Eindeckarten sind luftdurchässig,
sind also am fäulnissichersten, Als Faustregel gilt, daß
diese Dächer so schräg sein müssen, daß ein bequemes
Zehen darauf unmöglich ist.
Zu den Abdichtungen gehören solche Konstruktionen,
die das Gebäude nach außen vollkommen von der Luft
abschließen, Alle diese abgedichteten Flächen können vollkommen
horizontal sein.
Zu den Eindeckungen gehören auch noch die Pappdächer,
die teerfreien und Holzzementdächer; ihre Luftdurchlässigkeit
ist aber schon sehr gering, sie kommen deshalb einer
Abdichtung nahe und eignen sich für flache Dachflächen unter
15° Neigung, also einer Schräge, die noch gut begehbar ist.
Auf jeden Fall müssen Pappdächer aber noch geneigt sein.
Horizontale Pappdächer sind nicht mehr wasserleitend, sind
also auch nicht regensicher.
Nach all diesen Erwägungen sind für die Wahl der Dachgestaltung
der verschiedenen Gebäudearten folgende Grundsäke
zu beachten:
Von den eigentlichen eingedeckten Dächern ist bei Anerkennung
dieser Grundsäbe das Steildach mit seiner größten
Durchlüftungsmöglichkeit für Dachgeschoßräume das Idealste.
Das weniger aeneilate Dach mit seiner wesentlich lufdichteren
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Abb. 1*. Die gebräuchlichsten Befestigungsmittel im Dachdeckergewerbe
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