Verwendet einheimisches Holz!
In der vorliegenden Zeitschrift „Für Bauplats und Werkstatt”
wird von Zeit zu Zeit auch verdientermaßen des Holzes als
unseres bodenständigen traditionellen Rohstoffes für Bauten
und andere Zwecke gedacht. Auch Sondernummern für Holz
sind schon erschienen; trokdem ist es angebracht, in gewissen
Zeitabständen wieder von Holz zu sprechen, zumal in der
1eueren Zeit mit dem Wechsel der Moden und den vielen
technischen Neuerungen das Holz immer wieder gern in den
Aintergrund gedrängt wird. Unsere Leser wissen und wir
wissen es auch, daß nicht alles aus Holz gemacht werden
kann und nicht alles aus deutschem Holz, aber es geht z. B.
doch zu weit, wenn Baufachleute, wie es kürzlich in einem
Württemberger Lokalblatt zu lesen war, direkt den Fachwerkbau
angreifen mit der Behauptung, er halte nur
50-70 Jahre aus, er passe nur ins Gebirge, er gebe beliebte
Niststätten für Mäuse und Ratten und dergl. Unsinn mehr.
Wie kann man das in einem Land. behaupten, wo ein außerordentlich
hoher Prozentsatz von Bauten überhaupt Fachwerkbauten
sind, die zum großen Teil schon hunderte von
Jahren alt sind; dabei ist die Vervollkommnung des Fachwerkbaus
seit dem Krieg erfolgreich weiterbetrieben worden.
Unberechtigter Weise wird da und dort noch für Fußböden
amerikan. Oregon und Pitch-Pine empfohlen; man sagt, es
sei schöner, astrein und feinringig gewachsen. Schon manher
Bauherr hat aber die Erfahrung machen müssen, daß er
mit amerikanischer Schnittware schlecht beraten war, da sie
nicht sachgemäß getrocknet war, daß die Fußböden in kurzer
Zeit Luftrisse und Fugen bildeten und neu verlegt werden
nußten, Das einheimische Holz steht dem amerikanischen
an Qualität nicht nach und ist im allgemeinen sorgfältiger
oearbeitet und getrocknet, auch im Preise kommt das deutsche
zukbodenholz durchaus mit. - Im Hausbau war die übliche
ılte Holzbalkendecke bei richtiger Bildung der Zwischenlecke
in Bezug auf Schall, Dichte und Wärme unübertrefflich.
io mancher, der sich in neuerer Zeit dazu überreden ließ,
tatt dessen eine dünne kalte Betondecke zu nehmen, ringt
‚eute verzweifelt die Hände darüber, wie man in einem
olchen Hause jeden Laut durch die Decke hindurch hört.
Inser gutes einheimisches Holz kann aber nicht nur mit dem
ımerikanischen Holz erfolgreich in Wettbewerb treten, unser
{olz kann mit seinen Qualitäten auch gegenüber dem Schnittnaterial
aus Schweden, Norwegen und Finnland bestehen.
Zewiß sind diese Hölzer von vorzüglicher Qualität, wir haben
ıber auch unter unserem einheimischen Schnittmaterial Holz,
velches bei verständnisvoller Pflege und Behandlung nach
ler Fällung dem nordischen Material vollkommen gleichvertig
ist. - Im Bootsbau, z. B. zpeziell im Sportbootsbau, der
eute gut im Schwung ist, hat man früher durchweg deutsche
‘iche verwendet. Eichendikten und sonstiges Eichenschnittıolz
fanden gern Absatz, auch Buche war viel im Gebrauch;
varum ‚muß man heute Stahl oder ausländisches Holz wie
Aahagoni, Zeder etc. nehmen? - Und schließlich warum
vird für Möbel so wenig Eiche verwendet, warum fast nur
susländische Edelholzfurniere? Man sagt, weil es der Gechmack
des „verarmten” deutschen Volkes so will. Geschmack
st veränderlich, es ist darum zu hoffen, daß auch die gute
änheimische Eiche einmal wieder zu ihrem Recht kommt. -
Nie praktisch ist, um noch eines zu erwähnen, das Holz-»flaster
speziell für den Autoverkehr in den Großstädten;
las unfallsicherste Pflaster! Aber leider wird auch hier, wo
iberhaupt Holzpflaster genommen wird, vielfach ausländiches
Holz verwendet, während der deutsche Wald vorzügiches
und bewährtes Holzpflaster in jeder Menge zu liefern
n der Lage ist.
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