Volltext : Für Bauplatz und Werkstatt / Monatszeitschrift der Staatlichen Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1932, Bd. 27, Heft 1/12)

Amerikanische Holzkonstruktionen
im Wohnungsbau

\bhbh,. 9.

Abb. 10.

CONSTRUCTIOF

TMAMF CONSTRUCTION

Die vielstöckigen Wohnblöcke in Amerika werden gleich Geschäftshäusern und
Fabrikbauten in ingenieurmäßigen Eisenkonstruktionen gebaut. Beim Bau von
Flachbauten aber verwendet der Amerikaner mit Vorliebe Holz.
in geringen Abständen von etwa 45—55 cm werden senkrechte, bei zweistockigen
Bauten durch beide Stockwerke durchgehende Hölzer aufgestellt, an welchen
die als hochkant gestellte Dielen ausgebildeten Balken mittels Nagelung befestigt
sind. Das grundlegend Verschiedene von unseren Holzbauweisen liegt beim
amerikanischen System darin, daß alle zimmermannsmäßige Bearbeitung des
Aolzverbandes vermieden ist und die Verbindungen der einzelnen Hölzer unterainander
 nur mittels Nagelung durchgeführt sind. Diese Konstruktionsweise ist
aus der Tatsache heraus entstanden, daß jedes Bauwerk möglichst wenig Arbeitszeit
 und möglichst niedere Arbeitslöhne verursachen darf. Außerdem besteht
Mangel an durchgebildeten Facharbeitern, und es muß aus diesem Grunde mit
ıngelernten Bauarbeitern gebaut werden können.
Die Fachwerkkonstruktion, die sich in Amerika „Frame” nennt, wird dort schon
über etwa 150 Jahre benußtt. Sie ist eine immer wieder gleichartig vorkommende
<onstruktion. Die Dimensionierung der übrigen Materialien, aus denen z. B. die
Nände bestehen, ist von dieser Konstruktion abhängig. Es treten drei verschiedene
 amerikanische Fachwerkkonstruktionen auf, „Balloon-Frame”, „Draced-;°rame”
 und „Western-Frame” (Abb. 9—11). Die Balloon-Frame-Konstruktion läßt
;ich am leichtesten ausführen und wird infolgedessen auch am häufigsten angewandt.
 Die Draced-Frame-Konstruktion unterscheidet sich von den anderen dadurch,
 daß die Schalungsbretter schräggestellt sind und auf diese Weise keine
weitere schräge Absteifung mehr nötig ist. Dies gilt auch von der Schalung unter
dem eigentlichen Fußboden, die ebenfalls schräg verlegt wird. Die Wandkonstruktion
 besteht entweder aus Innen- und Außenholzschalung oder aus Schalung
und Pub. Zu bemerken ist, daß im weiteren Ausbau die inneren Wände und die
Decken stets mit einem starken Pub versehen werden.
Das Bauholz kann nur in handelsüblichen Längen und Stärken beschafft werden,
Zur Verarbeitung kommt nur ganz einwandfreies Holzmaterial. Für tragende
<onstruktionsteile werden die besten Hölzer ausgesucht. Das Kantholz ist durchneg
 scharfkantig. Die Bretter sind auf gleichmäßige Breite und Dicke zugerichtet
und werden fast ohne Ausnahme maschinenglatt gehobelt bezw. abgedeckt.
Die Zimmerarbeiten und die Materialien, die dazu gebraucht werden, sind fast
alle normalisiert, die Maße sind englische Zollmaße. Wir geben sie in Zentimeter
und Meter umgerechnet und abgerundet wieder: Normalhölzer für Pfosten zu
den Wänden sind 4,5 auf 10 cm, die Pfetten und Mauerlatten (meist 2 Lagen aufainander)
 ebenfalls 4,5 auf 10 cm, die Balken 4,5 auf 17, 4,5 auf 20 und 5,5 auf 15,
5,5 auf 20 und 5,5 auf 23 cm stark. Die Sparren haben meist eine Stärke von
3,5 auf 17, 4,5 auf 15 oder 4,5 auf 17 cm. Die üblichen Holzlängen sind 6,7 und
7,00 m. Stärkere Kanthölzer, insbesondere Unterzüge und Freipfosten, werden
aur auf besondere Bestellung mit bedeutenden Mehrkosten geliefert. Nach Beooachtung
 kann ein Wohnhaus durch etwa 3—5 Mann in 3—4 Tagen vollständig
abgebunden, aufgerichtet und verschalt werden. Unser Abbund- und Konstruk-Honssystem
 erfordert mindestens die dreifache Arbeitszeit.
3ild 9—11 wurde nach Zeichnungen in Wasmuths Monatsheften 1930 Heft 2 angefertigt.
 Bild 12 nach Zeichnungen aus dem Werk „Der Zimmerpolier” von Fritz Krekß.

Die Bauweise Frank D. R. P. (S. Seite 116 und 117).
Besprochen von Zimmermeister F. Kreß in Lustnau bei Tübingen.

Ah 44

u FRAMF COMSTRUCTK AL

Die Franksche Bauweise hat, äußerlich betrachtet, vie! Ähnlichkeit mit der amerikanischen
 Bauweise. Sie ist jedoch durch die Ausfachung stabiler und dauerhafter,
da stärkere Konstruktionshölzer mit einem Widerstandsmoment von 5—8 facher
Sicherheit verwendet werden. Im Gegensatz zur amerikanischen Bauweise, wo
die Konstruktionshölzer durch 10 cm lange Nägel zusammengehalten und verbunden
 werden, benükt Frank Schrauben, Ankereisen usw. Das Holzfachwerk
dieser Bauweise besteht aus Doppelpfosten (Stärke 5 auf 14, 6 auf 15 cm), welche
von Sockeloberkante bis zum Dach durchlaufen und mit den im Zwischenraum
der Doppelpfosten eingelegten Schwellen, Riegel, Rähme und Pfetten mittels
Verschraubung und Verdübelung verbunden sind. Bei mehr als zwei Stockwerken
stößt man die Pfosten jeden zweiten Stock direkt über dem Gebälk zusammen
's. Fig. 1). Unten siben die Pfosten nicht auf der Wandschwelle, sondern stumpf
auf dem Sockel auf einer Eisenplatte (s. Abb. 15 Fig. 12—-14). Der Abbund
arfolgt auf dem Zimmerplaß und qeht ganz schablonenmäßig vor sich. Das
            
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