Neue Gartenhäuser
von Otto Valentien, Gartenarchitekt, Stuttgart
Abb.
Das Gartenhaus ist in seiner Bedeutung mit
dem Bedürfnis gestiegen, das sommerliche
Leben mehr denn je vom Haus in den Garten
zu verlegen. Es ist naheliegend, die Vorzüge
der modernen Architektur auch auf das Gartenhaus
zu übertragen; statt der kleinfenstrigen
dicken Mauern, wie wir sie von den
Gartenhäusern der Barockzeit noch in unseren
Gärten finden, große ungebrochene Glaswände,
Gerade im Garten hat man das Bedürfnis,
die Umgebung möglichst innig mit
dem Raum zu verbinden und die Trennung,
die sich aus den Windschutswänden ergibt,
auf das Notwendigste zu beschränken. Die
Aufgabe, die das Gartenhaus zu erfüllen hat,
um einen. besonders günstigen Sibplatz im
Garten gegen Regen und Wind und allzustarke
Sonne zuschübßen, erfordertselten einen
ganz geschlossenen Raum. Da es bei besonders
schlechtem Wetter erfahrungsgemäß
nicht benukt wird, entspricht die Anbringung
einer zwei- oder dreiseitigen Schutwand mit
Dach vollständig den Bedürfnissen, und es
liegt nahe, diese Wände ganz aus Glas zu
errichten, so daß man tatsächlich zwischen
seinen Blumen sitbt. Der offenen Seite des
Gartenhauses, die der windstillen Himmelsrichtung
zugekehrt sein sollte, wird vorteilhaft
ein größerer Gesellschaftsplats vorgelagert.
Man hat nun die Möglichkeit, sich je nach dem
Bedürfnis draußen oder im Schub des Hauses
aufzuhalten. Der Verzicht auf die Geschlossenheitdes
Gartenhauses behütet uns nebensei
vor dem störenden muffigen Geruch, der
sich in jedem geschlossenen Gartenhaus über
kurz oder lang einstellt und dieses oft unbewohnbar
macht. Die Abhaltung der Sonne
erfolgt am besten, durch ein vorstehendes
Dach, durch die Anbringung von Vorhängen,
oder durch die Aufstellung dichtkroniger
Kübelpflanzen, die sich ähnlich wie Sonnenschirme
und spanische Wände verstellen
lassen. Als spanische Wand läßt sich im Garten
auch ein verstellbares Holzspalier (mit
oder ohne Pfanzenwuchs) oder ein Rahmen
mit Stoffbespannung verwenden.
Die moderne Möbelindustrie gibt uns Gelegenheit
genug, unsere Gartenhäuser und
Sikplätze mit schönen und bequemen Möbeln
nicht nur freundlich, sondern auch interessant
und gemütlich zu gestalten. Und wie wohl
‘ühlen sich unsere Zimmerpflanzen, wenn sie
‚hre Sommerfrische im Garten antreten
können. Sie bilden, richtig verwendet, für
ınsere Gartenpläbe eine köstliche Bereicherung.
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Abb. 3.
Die Bilder 1-3 sollen zeigen, wie erfreulich
das Zusammenspiel zwischen den strengen
Formen eines Gartenhauses und dem leichten,
kapriziösen Linienspiel der umgebenden
Pflanzung sein kann, und-daß Sachlichkeit,
Natürlichkeit oder gar Romantik bei richtiger
Gestaltung sich nicht widersprechen, sondern
gegenseitig in reizvollster Weise steigern.