Donaukreis.
fingen auf der Alb in des „Prädikanten“ Haus, welcher, wie dieser Prälat seinem
Tagebuch vom Jahre 1657 anvertraut, „mit un3 gar freundtlich gewest ist“. Der
Magistrat von Memmingen hat, als 1681 die Abtei Roth von schwerem Brand-
unglück betroffen war, freundnachbarlich einen Beitrag zum Wiederaufbau gespendet.
Im 18. Jahrhundert endlich haben manche katholische Prälaten durch freie Humanität
auf protestantische Besucher Eindru> gemacht; so 3. B. auf den erzrationalistischen
Berliner Nicolai der Abt Gerbert von St. Blasien.
Aber auch äußerlich war in manche Klöster schon im 17., noc< mehr im
18. Jahrhundert ein ungebundenes Wesen. eingedrungen, das ihrer eigentlichen Be-
stimmung wenig entsprach und ihrer wirklichen Verweltlichung vorarbeitete. So
blieb von dem allzu freien Treiben im Damenstift Buchau das benachbarte Schussen-
ried nicht unberührt. Hier wie anderwärts gab es ein Komödienhaus auch zu welt-
lichen Aufführungen; im Fasching fanden Maskeraden statt. Durch Aufnahme von
zahlreichen vornehmen Besuchen, wobei es an Tafelmusik und anderen Lustbarkeiten
nicht fehlte, wird die nüchterne Lebensweise oft gefährdet; manche Prälaten gehen
im Hang zum Wohlleben ihrem Konvent voran. Während im Jahr 1742 ein Abt
von Roth den überhandnehmenden Thee- und Kaffeegenuß einschränkt, wird einer
seiner Nachfolger vom Chronisten selbst als großer Freund von Symposien und
„adversus decorum hilaris“ geschildert.
Für die gute JahreSzeit hatte man prächtige Gartenanlagen, 3. B. in March-
thal und Ochsenhausen; Landsige zum Sommeraufenthalt, manchmal recht bescheidene
wie Stafflangen bei Schussenried, Liebenau bei Weingarten, dann aber auch stattlich
sc<hloßartige wie Mochenthal bei Zwiefalten. Marchthal besaß außer einem ansehn-
lichen Absteighaus in Munderkingen den Ammerhof bei Tübingen, I8ny ein Pfarr-
sc<lößchen zu Unterreitnau ob Lindau. - Ferner gab es Lusthäuser wie das Schussen-
riedische auf einer anmutigen Insel im Schwaigfurterweiher, und besonders Rahlen
bei Weißenau (1742 ff.), das der St. Gallener Bibliothekar Hauntinger in seinem
anziehenden Reisebericht von 1784*) ein Nymphenburg im Kleinen nennt, so niedlich
und geschmackvoll wechsle hier alle3 ab. Ein See mit Schiffchen und Papyillon,
Alleen von Zedern, ein Irrgarten mit Eremitage, Grottenwerke und allerlei Wasser-
künste belebten den Garten.
Eine große Rolle spielten endlich seit dem westfälischen Frieden die zunächst
als Zufluchtsorte in Kriegszeiten erworbenen Besizungen am Bodensee, welche
mit Rebgütern verbunden zu sein pflegten. Ochsenhausen kauft 1621 das prächtig
gelegene Schloß Her8berg, das noch jetzt einer der schönsten Landsige am See ist.
Nahebei liegt das früher Salemsche Schloß Kirchberg. Weingarten war außer in
Hofen auch in Hagnau und Ittendorf bei Markdorf begütert, Weißenau in Manzell,
Ottobeuren in Immenstaad. Noch heute erbli>t man j<wäbische Klosterwappen,
3. B. wiederholt das von Schussenried, an Höfen und Weinbergmauern in Meer3-
burg und Markdorf. Mönchsroth besaß eine Zeit lang das malerische Wasserschlößchen
Burgberg, Marchthal das Hofschlößchen Spezgart, beide bei Überlingen. Zwiefalten
und Marchthal erwarben die adeligen Güter Untercastell und Obergyrsberg, Hoch-
*) Unter dem Titel: „Süddeutsche Klöster vor hundert Jahren“ herausgegeben von Gabriel
Meier, Köln 1889.
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