Volltext : Bauplatz und Werkstatt / Monats-Schrift der staatlichen Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1939, Bd. 34, Heft 1/12)

BAUSCHÄDEN: MALERARBEITEN

Das Malerhandwerk verlangt in technischer und werkstoffkundlicher Hinsicht
ain ausserordentlich umfangreiches Wissen und langjährige Erfahrung. Unvollzommene
 Kenntnisse führen zu mangelhaften Arbeiten, welche nicht die Haltsarkeit
 wie in früheren Zeiten erreichen, die aber heute im Sinne des Vierjahres:
alanes unbedingt verlangt werden müssen.
Zine gute Malerarbeit erfordert nicht nur die Verwendung entsprechender Werk.
stoffe und eine handwerklich einwandfreie Verarbeitung, sondern ist auch weitgehend
 von der Beschaffenheit des Anstrichgrundes abhängig. Laut Reichsverdingungsordnung
 hat deshalb der Auftragnehmer vor Beginn der Malerarbeiten
 das Recht zur Mängelrüge.

Viele Mängel sind bei Anstrichen darauf zurückzuführen, daß die Eigenarten
der Werkstoffe nicht genügend beachtet wurden. Außerdem verlangt jeder
Werkstoff ihm gemäße Vorarbeiten, die bis ins kleinste eingehalten werden
nüssen. Die Nichtbeachtung dieser Gesichtspunkte führt stets zu mehr oder
weniger großen Bauschäden.
Selbstverständlich muß Holz, Pug, Eisen usw. vor jedem Anstrich gut trocken
;ein. Allgemein bekannt ist, daß stark saugender Gipsput anders vorbehandelt
werden muß als Kalkput, daß Zementput erst nach vollständigem Austrocknen,
also oft erst nach 2 Jahren, mit Ölfarbe gestrichen werden darf, daß zu den
Vorarbeiten das Auskitten der Unebenheiten, das Ausbrennen der Harzgallen
ınd das Schellakieren der Äste gehört. Nicht so allgemein bekannt sind die
ligenarten der Werkstoffe, die gestrichen werden und die Mängel. die durch
alsche Grundierung entstehen.

Während das Holz früher nach dem Fällen und Abschälen der Rinde im Walde,
nach der Verarbeitung in der Sägmühle und beim Tischler mehrere Jahre lagerte,
wird es heute viel rascher verarbeitet. was die Arbeit des Malers weitgehend
oerücksichtigen muß.

Das sorgfältige Trocknen des Holzes ist für jede einwandfreie Oberflächenbehandlung
 durch Lasieren, Anstreichen, Lackieren, Färben und Beizen von größ-;‚er
 Wichtigkeit, weil durch starkes Quellen und Schwinden des Holzes die Anstriche
 schadhaft werden.
Durch die im Holz befindliche Feuchtiakeit können Schäden verschiedener Art
antstehen.
infolge Wärme bilden sich durch Verdampfen des im Holz vorhandenen
Wassers feine Blasen, die aufplatien und die Verbindung von Anstrich und
70917 lockern

3eim Schwinden des Holzes entstehen zunächst feine, mit bloßem Auge kaum erzennbare
 Risse (Abb. 403), die sich bei weiterem Trocknen vergrößern. Holz soll
arst gestrichen werden, wenn es richtig ausgetrocknet ist, weil nur dann diese
Risse ausgefüllt werden können. Um Schäden zu vermeiden, muß das Holz vor
lem Streichen geölt und die Risse mit Leim ausgefüllt werden, weil ungefüllte
Risse wieder arbeiten und den Anstrich zerreißen, Erfolgt der Anstrich auf noch
nicht genügend ausgetrocknetes Holz, dann dringt er nur qanz wenig in die
Zisse ein und findet schlechten Halt (Abb. 405)
            
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