Volltext : Chemical news and Journal of physical science (Volume 39, 1879 (January - June))

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Mitteilungen. 143 halten bei Flugfeuer von außen. Ein Knäuel Putzwolle collt brennend an der Dachfläche herab. Das normale Lehmschindeldach wird zwar entzündet, es brennt aber aur langsam schwelend auf der oberen Strohfläche ohne helle Flammenbildung und ohne Entwicklung von Flugfeuer, Die verkohlte Oberfläche kann schließlich herantergeharkt werden. Dabei zeigt sich, daß die darunter liegende Lehmschicht der Schindeln unversehrt geblieben ‚st, auch ist im Innern des Daches keinerlei Zerstörung wahrzunehmen. Das imprägnierte Lebmschindeldach vernält sich insofern noch etwas günstiger, als hier die Entzündung erst nach dem Aufliegen des brennenden Balles von einer Minute Dauer erfolgte. Im Gegensatz dazu steht das Strohdach, dessen Versuchsstück in zwei Minuten mit hellen Flammen restlos verbrannt ist bei so starker Flugfeuerbildung, daß ganze Fetzen brennenden Strohes hoch in die Luft fliegen. Das Pappdach zeigt sich nur insofern günstiger als das Lehmschindeldach, als es schwerer zu entzünden ist. Ist indessen die Obernaut einmal in Brand geraten, dann verhält es sich sozar noch ungünstiger als das Lehmschindeldach, da die Pappe auf brennbarer Holzschalung liegt, während beim Lehmschindeldach die Lehmdecke der Schindeln dem Feuer Widerstand leistet. - Zusammenfassend kann also zu den Versuchen mit Flugfeuer von außen gesagt werden: Das Lehmschindeldach ist dem Strohdach bei weitem überlegen, dem Pappdach gegenüber steht es zwar in bezug auf die Aufnahmefähigkeit von Feuer nach, in der Auswirkung des Feuers aber ist es widerstandsfähiger als das Pappdach. Zur Erzeugung des Innenfeuers wurde in jedes Brandhaus ı cbm Kiefernscheitholz gleichmäßig eingesetzt und entzündet, Das Strohdach wird schon nach 11/. Minuten von den Flammen durchbrochen, wobei sich starkes Flugfeuer entwickelt. Nach 4 Minuten steht nur noch das nackte Gespärre da. Beim Lehmschindeldach wurden durch die aus dem Hausinnern herausschlagenden Stichflammen zuerst die Windfedern und Traufbretter „ntzündet, wonach alsdann das Feuer außen herum an lie obere Strohschicht geleitet wurde. Sie begann nach ‚4 Minuten Gesamtzeit zu brennen. Beim Pappdach arechen schon nach ı2 Minuten, also früher, die Flammen lurch die Dachfläche. Beim Ziegeldach fällt nach 3 Minuten der erste Ziegel ab, nach weiteren 3 Minuten rennen die Sparrenköpfe an der Traufe. Bis die ganze Dachfläche von den Flammen erfaßt ist, dauert beim Pappdach 14, beim Lehmschindeldach ı5 Minuten. Ein Durchschlagen der Flammen durch die Dachhaut wird Jeim Pappdach nach ı2, beim Ziegeldach nach 16, beim i,ehmschindeldach erst nach zı Minuten beobachtet. Bei innenfeuer zeigt sich also das Lehmschindeldach widerstandstähiger als das Pappdach und in bezug auf Ernaltung einer dichten Dachhaut günstiger selbst noch als das Ziegeldach. Die umfangreiche Brandprobe hat also den Beweis ür den hohen Grad der Feuersicherheit des Lehmschindeldaches erbracht. Im Anschluß an den Versuch fand am 14. April im Wohlfahrtsministerium eine Besprechung mit den Vertretern der Feuerversicherungsverbände statt, in deren Verlauf dann auch dem Lehmschindeldache cine günstigere Bewertung zugestanden wurde. Erfreulicherweise zeigten sich die Feuerversiche-:ungsgesellschaften bereit, die Prämiensätze für ländliche Gebäude mit solchen Dächern wesentlich niedriger als ‚ür solche mit weicher Bedachung zu bemessen, Da sich hiermit zugleich die Beleihungsfähigkeit dieser Gebäude erhöht, ist ein wichtiger Schritt zur weiteren Verbreitung des in heutiger Zeit rolkswirtschaftlich bedeut-;amen Lehmschindeldaches zu verzeichnen. Reg.-Bmstr. G. Müller. zebäude. Diese Sicdlungsaufgabe — denn um eine solche handelt es sich auch hier -— weicht von den üblichen Anlagen insofern ab, als hier einzelne kleine Baugruppen ıuf einer lang ausgedehnten Sirecke verteilt werden nüssen. Für Schlesien allein handelt es sich dabei, wie zegierungsbaurat Borowski im 6. Heft der „Mitteilungen jes Schlesischen Bundes für Heimatschutz“ berichtet, um zine Strecke von 250 km Länge. Da die Bauvorhaben nit größter Schnelligkeit fertiggestellt werden mußten, 'o bot die rechtzeitige Beschaffung der Baustoffe und beonders die Organisation der Bauleitung erhebliche Schwierigkeiten, Es lag der ausführenden Behörde, der 3Zauabteilung II des Landesfinanzamts Breslau, Abteilung keichsschatzverwaltung, ferner ob, das Gebot äußerster jparsamkeit im Hinblick auf die traurige Finanzlage des Reichs mit den ästhetischen Forderungen dieser Bauaufsabe in Einklang zu bringen. Hier war die Gelegenheit zeboten, die Neubauten im Sinne eines praktischen, tatzräftigen Heimatschutzes dem Charakter der Gegend an-‘upassen und dem’ Rahmen des Bestehenden harmonisch inzufügen. Es wurde daher angestrebt, die Gebäude in ler Einfachheit ländlicher Bauweisen bei Vermeidung yesonders betonter Bauglieder und Schmuckformen ausuführen. Vieles hätte natürlich noch glücklicher gelöst verden können. Leider ließ die gebotene Eile, mit deı lie organisatorischen und technischen, besonders die verzehrstechnischen Fragen bewältigt werden mußten, zu rründlicher Durchformung und Vertiefung keine Zeit. [e nach den örtlichen Verhältnissen und den Beschaffungsnöglichkeiten der Baustoffe sind sie als massive, geputzte »>der ungeputzte Ziegelbauten, als Holzbauten oder in hevährten Ersatzbauweisen ausgef{ührt. Zur Mitarbeit an der Aufgabe wurden, wohl zum »rsten Male in solchem Umfange von seiten einer staatichen‘ Behörde, Privatarchitekten herangezogen. Ihre \ufgabe bestand im wesentlichen darin, nach den vom Jnterzeichneten gefertigten Entwurfsskizzen die Ausührungszeichnungen anzufertigen, durch ihre Angestellten lie örtliche Bauleitung in größeren Bereichen zu überwachen und die Verdingungen vorzubereiten. Diese Maßıahme hat sich. soweit es sich hisher übersehen läßt zut bewährt. Erleichterungen in den Bauordnungsvorschriften zibt der preußische Minister für Volkswohlfahrt bekannt. ı1achdem unter Heranziehung von Vertretern bausachveritändiger Berufsverbände die Abänderungsvorschläge er-1eut einer eingehenden technischen Prüfung unterzogen vorden sind. Vor allem soll die Forderung nach Ausführung ner zweiten Treppe und nach Hochführung der Brandnauern über das Dach nachgelassen werden. Es sollen veiter gemeinschaftliche Brandmauern auch für mehrzeschossige Häuser zugelassen, die Mindesthöhe der Geichosse herabgesetzt und von der Forderung Abstand geı1ommen werden, Scheidewände zwischen den einzelnen Nohnungen ein Stein stark herzustellen. In einem Rundırlaß wird die Neufassung der betreffenden Paragraphen .owie eine Reihe weiterer Änderungen den Regierungs-»räsidenten mitgeteilt und zugleich die Erwartung ausresprochen, daß die neuen Bestimmungen überall mit Jeschleunigung erlassen werjen. Die Vorschriften sollen ıach Möglıchkeit unverändert in die Regierungs- und Orts-‚olizeiverordnungen übernommen werden. Änderungen ınd Zusätze sollen nur in den Fällen zulässig sein, wo irtliche und klimatische Bedingungen sowie die herrchenden Baugewohnheiten sie notwendig erscheinen assen. Ein Neuabdruck des abgeänderten Bauordnungsantwurfs wird demnächst erscheinen. Zollbauten an der Ostgrenze. Durch die Gebietsabtretung an Polen sah sich das Reich vor die Aufgabe zestellt, längs der neuen deutsch-polnischen Grenze in zroßem Umfange Unterkunftsmöglichkeiten für die Zollheamten zu schaffen. und zwar Dienst- und Dienstwohn-Vereine und Versammlungen, Die Deutsche Gartenstadtgesellschaft hielt am ’. Mai ihre diesjährige Generalversammlung ab.‘ Seit hrer Gründung vor zwei Jahrzehnten ist der Gartenstadtyedanke durch ihre rege Werbetätigkeit in immer weitere
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