Volltext : Stuttgarter Uni-Kurier (6/10, 1982)

\pril 1982 De
Eiweiß aus Reaktoren
Verfahrenstechniker antwickelten Schlaufenreaktor

Stuttgarter Uni-Kurier

Fast ein Jubiläum: Seitnahezu 20
jahren besteht das Institut für
>hemische Verfahrenstechnik,
jas von Prof. Dr.-Ing. Heinz
3lenke 1963 in der alten Benjer-Ribana-Fabrik
 eingerichtet
wurde. Von Anfang an hat man
jich dort u.a. mit sogenannten
‚Schlaufenreaktoren‘“ beschäfhigt.
 Das sind schlanke Rohre —
m industriellen Maßstab oft
nehrere zehn Meter hoch — die
»ich als Chemie- und Bioreakto-'en
 vorzugsweise für solche Umzjetzungen
 eignen, an denen
nehrere Phasen beteiligt sind,
No also feste, flüssige und gas-Öörmige
 Stoffe miteinander rea-Jieren.

Zei all diesen „heterogenen‘‘ Reaktionen
 kommt es vor allem darauf
 an, einerseits die festen Teil-;hen
 oder Gasblasen in einer
"lüssigkeit möglichst fein zu zer-'eilen,
 damit eine möglichst große
>hasengrenzfläche entsteht. Anlererseits
 sollen diese Teilchen
iber den gesamten Reaktions-’aum
 sehr gleichmäßig verteilt
werden.

nenarbeit mit der Hoechst AG
optimale Schlaufenreaktoren für
jegaste wäßrige Biosysteme‘‘ zu
ntwickeln. Dahinter steckt das
jel, billig hochwertiges Eiweiß
erzustellen aus Bakterien — soenanntes
 „single cell protein‘
3CP), indem man diese anpruchslosen
 Einzeller füttert mit
‚mmoniak als Stickstoffauelle

zofern dieses SCP als Tierfutter
'erwendet werden soll. Will man
5CP jedoch als Zusatzstoff für
Jahrungsmittel einsetzen, so muß
's Zuvor von Lipiden und Nucleinäuren
 weitgehend befreit werlen.
 An solchen Verfahren zur
\ufarbeitung von SCP wird inten-3iv
 gearbeitet

Neue Verfahren
Auf der Hannover-Messe zeigt das
Institut für Chemische Verfahrenstechnik
 neben den grundle-Jenden
 Prinzipien der Schlaufen-'eaktoren
 auch neuere verfah-‚enstechnische
 Details: Gasblazen
 lassen sich sehr fein verteilen,
ndem man einen Flüssigkeitsstrahl
 in den Reaktor injiziert. So
äßt sich energiesparend eine sehr
jroße Phasengrenzfläche erzeujen.
 Durch Einbauten im Reaktor
st es möglich, die Strömungsverältnisse
 so zu beeinflussen, daß
ur die flüssige Phase umläuft,
vährend abreagiertes Gas aus
lem Reaktionsraum laufend entarnt
 wird

nd Paraffin, Alkoholen oder Meıan
 als Kohlenstoffquelle. Hier
'ird also nicht Eiweiß chemisch
ergestellt, sondern ein biologicher
 Vorgang wird durch moerne
 Verfahrenstechnik geförert
 und ausgenutzt. Die Bedeuıng
 dieses Forschungsvorhaens
 läßt sich erkennen an der
öÖrdersumme, die das BMFT beaitgestellt
 hat: 471000 DM im
‚eitraum von 1978-21
Einsatz in Tiernahrung
ızwischen stehen ausgereifte
(erfahren für die industrielle Pro-Iuktion
 von SCP zur Verfügung,

Biologische Vorgänge
\m Institut für Chemische Verfah-'‚enstechnik
 kennt man sich mit
Schlaufenreaktoren bestens aus.
Jnd weil sich dieser Reaktortyp
ür Bioreaktionen besonders gut
a ägnet, erhielt das Institut vom
Bundesforschungsminister
BMFT) den Auftrag. in Zusam-Kugelförmiger

 Meßsender
ınd schließlich wurde ein neues
'erfahren entwickelt, mit dem die
Imlaufgeschwindigkeit im Reakor
 gemessen werden kann: Ein
kleiner, kugelförmiger Meßsender
schwimmt in der Flüssigkeit. Eine
iingantenne, die außen am Reakor
 angebracht ist, registriert die
Jmläufe dieser Sonde. -mark-Seite

 3

schlaufenreaktor des Instituts für Chemische Verfahrenstechnik in der Böblinger
straße. Er erreicht eine Höhe von bis zu zehn Meter

Anhöruna im Deutschen Bundestag:

AHarsche Kritik an den bürokratischen Verfahren
Wissenschaftsorganisationen fordern Beseitigung von administrativen Hemmnissen in der Forschung

3ONN (dpa) — Mit deutlicher Kriik
 an ihrer Ansicht nach zunehnenden
 staatlichen Regelungsr‚erfahren
 und der Forderung
ı1ach einer zumindest mittelfri-;tig
 überschaubaren Fördeungspolitik
 im Bereich der
ärundlagenforschung unabhän-Jig
 von der jeweiligen Konjunkurlage
 haben sich die führenden
Wissenschaftsorganisationen
Mitte März in Bonn zu Wort gen

 der von ihrem Präsidenten Prof.
ieimar Lüst vorgelegten Stel-JIngnahme
 der Max-Planck-Geellschaft
 hieß es, keineswegs
‚ürden verbindliche mittelfristige
'inanzierungszusagen erwartet.
irforderlich sei jedoch eine „von
nem gemeinsamen politischen
Nillen getragene Aussage zur mitalfristigen
 Förderpolitik‘‘. Die
”räsidenten der Deutschen For-'chungsgemeinschaft
 (DFG) und
ler Westdeutschen Rektorenkon-3renz
 (WRK), die Professoren
:ugen Seibold und George Turıer,
 forderten angesichts der
inappen öffentlichen Mittel weıigstens
 ein größeres Maß an Fleübilität
 und Dispositionsfreiheit
)ei der Verwendung dieser Gelder
ınd eine Rückkehr zur ‚„Global-'uwendung‘‘.
 Die tatsächliche
laushaltspraxis laufe hier jedoch
her in die gegenteilige Richtung,
daate Turner

Abbau der Bürokratie
)bereinstimmend wurde von den
‘pitzen der Wissenschaftsverände
 der Abbau bürokratischer
ammnisse seitens der staatliıeldet.

 In einer Anhörung des
jundestagsausschusses für
Oorschung und Technologie
'urde dabei von der Max-'lanck-Gesellschaft
 kritisiert,
laß die Bereitstellung von Mitaln
 und Stellen in einem „nicht
ertretbaren Maß‘ von der jeveils
 aktuellen Entwicklung der
ffentlichen Finanzen bestimmt
verde. Ausgangspunkt der An-Öörung
 war ein Bericht der

hen Verwaltung verlangt. So beınte
 die Arbeitsgemeinschaft der
Großforschungseinrichtungen
\GF), eine wesentliche Verbeserung
 der Rahmenbedingungen
n Personalbereich wäre bereits
rreicht, wenn in den Stellenpläen
 eine weitgehende Ausıuschbarkeit
 bestünde. Die AGF
nterstützte in diesem Zusamı1enhang
 die Forderung der Läner,
 die Stellenpläne der Forchungseinrichtungen
 nicht im
'undeshaushaltsplan „„festzu-Ahraiher‘‘


Nachwuchsförderung
inhellig war in den Stellungahmen
 auch der Ruf nach einer
euregelung der Förderung des
‚issenschaftlichen Nachwuches,
 nachdem das Graduiertenärderungsgesetz
 ausgelaufen ist.
jie überfälligen finanzpolitischen
ntischeidungen müßten umgeend
 getroffen werden, betonte
urner an die Adresse der Bunesregierung
 gerichtet. Diese
abe Ende 1981 eine Kabinettsntscheidung
 dazu für dieses
-ühjahr angekündigt. Der Stifırverband
 für die Deutsche Wisanschaft
 verwies in diesam ZuzZund-Länder-Kommission

 für
}ildungsplanung, in dem festge-;tellt
 worden war, daß die Bunlesrepublik
 bei der Förderung

ler Grundlagenforschung im inernationalen
 Vergleich eine
;pitzenposition einnehme, in
lem aber zugleich auch auf eine
leihe von — administrativen
ijemmnissen im Förderungswe-‚en
 hingewiesen worden war.

;sammenhang auf Sonderproıramme
 privater Stiftungen zur
‘örderung besonders befähigter
Vissenschaftler. Die zusätzlichen
Aaßnahmen könnten aber nicht
‘as fehlende Fundament einer
‘taatlichen Graduiertenförderung
rsetzen, sondern nur eine punkyelle
 Hilfe sein. Der Stifterver-)and
 ging in der Anhörung auch
ıuf die haushaltsrechtlichen Pro-»”)eme
 beim Einsatz privater
spenden für die Grundlagenforichung
 ein. Nach der derzeitigen
\uslegung der Bundeshaushaltsrdnung
 führten derartige Mittel
'ur entsprechenden Kürzung der
’ffentlichen Gelder in den jeweili-‚en
 Forschungsbereichen. Hierzu
yjetonte der Stifterverband, die
'on privater Seite zur Verfügung
jestellten Drittmittel müßten ge-‚erell
 von der Anrechnung und
on den für öffentliche Mittel gelenden
 Regeln der Bewirtschafund
 ausgenommen werden

)er Wissenschaftsrat verwies in
einer Stellungnahme darauf, daß
lie Grundlagenforschung in der
Jundesrepublik weitgehend in
‘an Hachschulen stattfinde. Sie

verde dabei, soweit sie nicht aus
len Schuletats finanziert werde,
veitgehend von der Deutschen
°orschungsgemeinschaft geförlert.
 Die für die Forschung in den
lochschulen verfügbaren Mittel
jeien zwar in den letzten Jahren
eal noch gestiegen, bezogen auf
lie Stellen für Professoren aber
'urückgegangen. Die letzten Beichlüsse
 der Länderfinanzminiiter
 zum Bildungsbudget der
ıAächsten Jahre ließen befürchten,
jaß die „rückläufige Tendenz‘
veiterhin anhalten werde, erklärte
jer Wissenschafterat

Mehr Grundlagenforschung
lie Kritik der Wissenschaftsorgaisationen
 an bürokratischen
lemmnissen bei der Forschungs-Örderung
 wurde nach der Anhöung
 auch von Bonner Parlamenariern
 aufgegriffen. Der Unionsbgeordnete
 Heinz-Jürgen Pran-'enberg
 erklärte, die Förderung
ler Grundlagenforschung müsse
ıtensiviert werden... Die Koalilonsmehrheit
 im Bundestag
ıüsse sich vor allem dafür einseten,
 daß die Situation der Forchungseinrichtungen
 vorrangig
N Personalbereich in einem
lachtragshaushalt für 1982, auf
aden Fall aber im Haushalt 1983
arhessert werde

Effektiver Mitteleinsatz
)jie SPD-Abgeordneten Dr. Ulrich
steger und Adolf Stockleben plälierten
 für einen Abbau bürokraischer
 Strukturen im Bereich der
ärundlagenforschung, forderten
ugleich aber erhebliche eigene
\nstrengungen der wissenschaft-»hen
 Einrichtungen für einen efıktiven
 Einsatz der öffentlichen
‘ittal Nachdrücklich hbearüßten

3je die Vorschläge, die Bundes-'orschungsminister
 Dr. Andreas
‚on Bülow (SPD) in diesem Zujammenhang
 zwei Tage zuvor unerbreitet
 hatte. Der Minister hatte
n einer Mitteilung seines Hauses
n Bonn betont, Forschungspoliik
 bestehe nicht nur in finanzielen
 Steigerungsraten und neuen
Stellenbewilligungen, „sondern
auch in der forschungsfreundli->»hen
 Gestaltung der politischen
Ind administrativen Rahmenbedinaunagen‘‘


Abbau von Vorschriften
Die Vorschläge von Bülows sehen
Inter anderem einen Abbau der
Zustimmungsvorschriften staatli-3her
 Organe bei Einzelheiten des
’)ersonal- und Mitteleinsatzes in
ler Forschung vor. Es müsse die
Aöglichkeit eröffnet werden,
;ehn Prozent der Finanzmittel eiı1es
 ablaufenden Jahres in das
ıächste Jahr zu übertragen. Die
\nreize für private Spenden sollen
 auch nach Auffassung des Miıisters
 dadurch verstärkt werden,
laß Spendengelder und Mehreinıahmen
 aus der bezahlten Verragsforschung
 auch tatsächlich
'ur Ausweitung der Forschungsätigkeit
 und nicht, wie heute oft,
'u einem entsprechenden Abbau
‚ffentlicher Zuwendungen führen.
 Von Bülow strebt auch an, die
isher bis zu fünf verschiedenen
'ormen der jährlichen Rech-‚ungsprüfung
 in einer gemein-;jamen
 Prüfung zu vereinheitli-;hen.
 Auch sollen in Zukunft nicht
nehr bis zu zwölf Fach- und Fi-1anzressorts
 in Bund und Läniern
 bei der Genehmigung einer
#nzigen neuen oder veränderten
’ersonalstelle eingeschaltet werdar

            
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