Full text : Stuttgarter Uni-Kurier (6/10, 1982)

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In letzter Instanz:
Personalrat
auflösen!

Die Entscheidung des Stuttgarter
 Verwaltungsgerichts vom
21. Juni 1978, den damals amtierenden
 Personalrat der Universität
 Stuttgart wegen grober
Pflichtverletzung aufzulösen, ist
jetzt vom Bundesverwaltungsgericht
 mit Beschluß vom 27. 11.
1981 letztinstanzlich bestätigt
worden.

In der vor kurzem bekanntgegebenen
 Begründung stellt das
oberste Verwaltungsgericht fest,
daß der Personalrat durch die Herausgabe
 einer Sonderinformation
an die Beschäftigten der Universität
 im Zusammenhang mit der Nebentätigkeitsangelegenheit
 Professor
 Kruse-Rodenacker mit einer
 versteckten, aber dennoch erkennbaren
 Aufforderung zum
Rücktritt an den damaligen Rektor
ohne vorherige Klärung und Erörterung
 der Angelegenheit mit ihm
eine grobe Pflichtverletzung begannen
 habe, die die Auflösung
rechtfertige. Darüber hinaus habe
der Personalrat seine Pflichten
auch dadurch grob verletzt, daß er
eine Sekretärin zur Protokollführung
 bei seinen nicht öffentlichen
Sitzungen hinzugezogen habe.

Das Verfahren war auf Antrag der
Gewerkschaft Öffentlicher Dienst
im Christlichen Gewerkschaftsbund
 Deutschlands in Gang gebracht
 worden. Der damalige Personalrat
 hatte gegen den erstinstanzlichen
 Beschluß Beschwerde
eingelegt, der vom Verwaltungsgerichtshof
 Baden-Württemberg
am 24.Juli 1979 stattgegeben
worden war.

Dieser Beschluß hat keine unmittelbare
 Auswirkung auf die Tätigkeit
 der derzeit amtierenden Personalvertretung,
 da diese Entscheidung
 den vorangegangenen
Personalrat betrifft, dessen Amtszeit
 im Mai 1981 abgelaufen ist. Er
ist aber trotzdem von allgemeiner
Bedeutung, da er grundsätzliche
Ausführungen zur vertrauensvollen
 Zusammenarbeit und zur Friedenspflicht
 innerhalb einer Behörde
 enthält

„Problematik
der Europäer“

„Problematik der Europäer‘ lautet
das Generalthema einer Veranstaltungsreihe
 der Ukrainischen
Freien Universität, die zwar ihren
Sitz in München hat, jedoch seit
vielen Jahren mit der Universität
Stuttgart freundschaftlich verbunden
 ist. Vor Weihnachten fand
die vierte Veranstaltung dieser
Reihe statt, an der als Mitveranstalter
 auch der Freie Deutsche
Autorenverband (FDA), die Gesellschaft
 für die Verantwortung in der
Wissenschaft (VWG), die Gesellschaft
 für Freundschaft mit den
Völkern der Tschechoslowakei
(GFT) und der Verband der Deutschen
 Biologen (VDB) beteiligt
waren. Namhafte Vertreter dieser
Gesellschaften traten als Redner
bei dieser Veranstaltung auf, so
etwa der Bundespräsident des
FDA, Prof. Dr. Dr. h.c. Hubertus
Prinz zu Löwenstein, Prof. Dr.
Werner Luck als Gründer der
VWG. Prof. Dr. Erich Zahn von der
Universität Stuttgart gab eine Proznose
 der europäischen Wirtschaft
 und Industrie.

_ ______ Stuttgarter Uni-Kurier
Das aktuelle Interview: Prof. Dr. Hartmut Zwicker
Mehr Selbstverantwortung
Gesprächspartner: Leo Bosten

=rage: Vor gut einem Jahr haben
Sie nach Ihrem Amtsantritt als
zektor dieser Universität „gestanden‘,
 ein Optimist zu sein.
4aben Sie nicht in den vergangeıen
 Monaten angesichts der sich
s‚erschärfenden finanziellen Misere
 diesen Optimismus verlo-‚en?

?wicker: Also, ehrlich gesagt: an-Jesichts
 mancher Schreiben, die
auf meinen Schreibtisch kommen,
»der nach manchen Besprechun-Jen
 und Gesprächen könnte eiı1em
 der Optimismus schon verjehen.
 Andererseits sehe und erebe
 ich immer wieder, welch ho-1es
 Maß an Leistungsbereitschaft,
dealismus und Zusammenhalt in
ınserer Universität vorhanden ist.
Dies halte ich für entscheidend
ınd deshalb sehe ich, trotz aller
Schwierigkeiten, eigentlich nicht
Jessimistisch in die Zukunft

gen, um diese Absicht in die Pracis
 umzusetzen?
Zwicker: Das Instrumentarium haben
 Landesregierung und Parla:
ment selbst im Herbst 1977 geschaffen,
 als sie das Universitätsjesetz
 verabschiedet haben. Mit
den gewählten Gremien Rektorat,
/erwaltungsrat, Senat, Großer
Senat und den Fakultätsräten mit
hren verschiedenen Zuständig-<eitsbereichen
 und _Entscheilungskompetenzen
 sind den Unir‚ersitäten
 damals die Möglichkeien
 zur qualifizierten Entscheijung
 gegeben worden. Und — es
nuß hier gesagt werden — in diejen
 Gremien sitzen durchaus fäıige
 und verantwortungsbewußte
„eute, die wohl in der Lage sein
;ollten, unter den gegebenen fijanziellen
 und personellen Um-'tänden
 möglichst gut für die Aufechterhaltung
 der Qualität von
‘orschung und Lehre zu sorgen
Aan kann doch wirklich nicht eiıerseits
 den Universitäten diese
ıremien gesetzlich zuerkennen,
ınd ihnen andererseits durch imner
 mehr Erlasse und Rechtsvor-‚Chriften
 eine qualifizierte Entscheidung
 erschweren oder unnöglich
 machen.

;rage: Welche Möglichkeiten se-1en
 Sie als Rektor dieser Univer-;ität,
 Lehre und Forschung in der
Jualität aufrechtzuerhalten, wie
;je ja auch von Politikern und Gejelischaft
 gefordert wird?
’wicker: Die Politiker und Ministejen
 sollten den Universitäter
nehr Vertrauen entgegenbringen
ınd ihnen mehr Entscheidungs-;pielraum
 einräumen. In einer
dienstbesprechung kurz vor
Neihnachten hat Ministerpräsi
jent Lothar Späth den Rektoren
inen Modellversuch an zwei
‚andesuniversitäten zugesagt, der
on uns mit Nachdruck gefordert
ınd unterstützt wird. In diesem
AVodellversuch soll es den Univer
;itäten selbst überlassen werden
vo und wie sie die von der Landesagierung
 als notwendig erachteen
 Einsparungen personell und
inanziell vornimmt; denn es sollte
vohl gerade in Notzeiten primär
.m den Spareffekt gehen und
‘icht um zusätzliche bürokratiiche
 Auflagen und Haushaltsvorschriften.
 Ich hoffe, daß die Uni-'‚ersität
 Stuttgart an diesem Molellversuch
 teilnehmen wird; dann
ämlich könnten wir besser als uner
 den derzeitigen Bedingungen
ür die Aufrechterhaltung der Quaität
 von Lehre und Forschung
sorgen.

Frage: Können Sie ein Beispiel
ı1ennen für Maßnahmen der Lan-Jesregierung,
 die Ihnen unver-;tändlich
 erscheinen und die Ihıen
 im oben genannten Sinne
3roße Schwierigkeiten bereiten?
Zwicker: Hier ist etwa der Erlaß
über die sechsmonatige Stellenvdesetzungssperre
 zu nennen. Er
st ein Beispiel dafür, wie man unangemessen
 den Öffentlichen
Dienst über einen Kamm schert.
Eine Universität ist eben nicht mil
ainem Finanzamt gleichzusetzen.
Zwar sind Ausnahmen für die Nu:
nerus-Clausus-Fächer vorgeseıen.
 In anderen Studienrichtun-Jen,
 in denen wir gerade einen
3anz erheblichen Zuwachs der
3tudentenzahlen haben, wirkt sich
die Sperre jedoch schlimm aus,
vor allem wird uns gerade dadurch
3ine schnelle Hilfe durch Umschichtung,
 die man ja von uns
‘ordert, unmöglich gemacht.
Schließlich hat man nicht bedacht,
jaß die Universitäten aufgrund ih-’er
 Funktion als Ausbildungsstätte
jerade im Bereich der wissenschaftlichen
 Mitarbeiter eine er:
1eblich über dem Durchschnitt
anderer öffentlicher Dienststellen
jegende Personalfluktuation hajen.
 All diese Faktoren führen in
3ainigen Bereichen bereits jetzt zu
erheblichen Engpässen, die eine
qualifizierte Lehre gefährden.

:rage: Die Konsequenz für Sie
autet demnach „Nicht jammern,
‚sondern anpacken‘“, nicht nur
ıach dem Politiker rufen, sondern
ıuch selbst die Lösung der Proleme
 in Angriff zu nehmen?

’wicker: Genau dies meine ich. Es
st nutzlos und unglaubwürdig,
eitens der Universitäten ein alljemeines
 Wehklagen in der Öfantlichkeit
 anzuheben. Es muß
on uns akzeptiert werden, daß in
'’eiten defizitärer Haushalte auch
lie Universitäten von Sparmaßıaahmen
 nicht ausgenommen
verden können. Im Interesse unerer
 eigenen Glaubwürdigkeit
ınd im Interesse unserer Hochschule
 müssen wir zunächst aus
:#igener Kraft versuchen, die
schlimmsten Engpässe möglichst
ı>hne Verlust an Qualität zu übervinden.
 Denn nur dann werden
vir, wenn der Faden tatsächlich in
ınerträglichem Maße überspannt
vird, die Politiker massiv in die
Jerantwortung nehmen können

-rage: Glauben Sie, daß die Unir‚ersitäten
 über die notwendigen
nstrumente und Gremien verfü-Pionier

 der elektrischen
Nachrichtentechnik
Drof. Dr. Feldtkeller starb im Alter von 80 Jahren
Kurz vor Vollendung Seines rationen von Studenten in die nen im Gehirn. Als Wissenschaft-11.
 Lebensjahres starb am 5. De- aektrische Nachrichtentechnik er hat Feldtkeller mehr als 100
ember 1981 der emeritierte Or- ingeführt. Die Forschungskom- \ufsätze verfaßt, die im In- und
Jinarius für Elektrische Nach- )lexe, denen sich Feldtkeller wäh- \usland große Anerkennung fanichtentechnik
 der Universität end seiner Tätigkeit widmete, wa- len. Mehr als ein Dutzend seiner
;tuttgart Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. en: Vierpoltheorie, Magnetismus schüler sind heute Lehrstuhlinhaz.h.
 Richard Feldtkeller. ınd die Physik, die Physiologie yjer an deutschen Universitäten
Irof. Feldtkeller wurde in Mers- ind die Psychologie des Hörens. nd Technischen Hochschulen.
yurg (Saale) geboren und Sstu- zine Reihe grundlegender Lehr- 'eldtkeller gehörte (Anfang der
lierte an der Universität Halle Na- »ücher, die ungezählten Nach- Oer Jahre) zu den Gründern der
urwissenschaften. Nach seiner ichtentechnikstudenten als Stan- lachrichtentechnischen Gesell-’/romotion
 im Jahre 1924 war er lardwerke dienten und viele Auf- chaft (NTG) im VDE, deren Vorwölf
 Jahre im Zentrallaborato- agen erlebten, sind zu erwähnen: tand er auch von 1954 bis 1958
jum der Siemens & Halske Ag in fierpoltheorie, Siebschaltungs- ‚ngehörte. Im Laufe seines Le-Zerlin
 tätig. Bereits im Alter von 35 heorie, Theorie der Rundfunk- ‚jens wurden ihm zahlreiche Anerahren
 wurde er als ordentlicher ;jebschaltungen, Theorie der Spu- ennungen zuteil, z.B. die Verlei-'rofessor
 an die damalige Techni- en und Überträger, Einführung in ıung der Gauss-Weber-Medaille,
iche Hochschule Stuttgart beru- lie Nachrichtentechnik, das Ohr lie Ernennung zum Dr.-Ing. E.h.,
en. Hier wirkte er über 30 Jahre ıls Nachrichtenempfänger. lie Verleihung des VDE-Ehrenrinang
 als Direktor des Instituts für jein besonderes Interesse, das auf jes und der Phillipp-Reis-Plaket-Jachrichtentechnik
 bis zu seiner ‚einer Liebe zum Musizieren be- e. Richard Feldkeller hat alle, die
z:meritierung im Jahre 1966. uhte, galt den Fragen nach dem hm in seinem langen Leben be-'rof.
 Feldtkeller gilt als Pionier der 4echanismus des Hörens, das jegnet sind, mit seiner bescheilektrischen
 Nachrichtentechnik. :‚eißt der Wirkungsweise des lenen, menschlichen Haltung
r hat in überaus anschaulichen '‚enschlichen Ohres einschließ- sehr beeindruckt.
ad präzisen Vorlesungen Gene- ‘*h der Verarbeitungsmechanis

„Februar 1982
derausgeber:
Jniversität Stuttgart
Zedaktion:
Presse- und Informationsstelle deı
Jniversität Stuttgart, verantwortlich
‚eo Bosten (L.B.)
Mitarbeiter:
Christa Feifel, Markus Bohn (mark)
Anschrift:
Jniversität Stuttgart, Presse- und
nformationssteile, Keplerstraße 7,
>ostfach 560, 7000 Stuttgart 1, Telenn
 20732155 oder 2073361

Geschichte der
Uni Stuttgart
‚Universität Stuttgart — Phasen iher
 Geschichte‘‘ lautet ein Buch
das Johannes H. Voigt im Stuttgar-‚er
 Verlag Konrad Wittwer heraus-Jebracht
 hat. Voigt, Professor für
Neuere Geschichte an der Universität
 Stuttgart, hat dabei nicht einach
 eine gekürzte Fassung der
weibändigen Geschichte der
Jniversität geschrieben, die anäßlich
 der 150-Jahr-Feier erschienen
 ist und von denen er
4erausgeber des zweiten Bandes
var. Der Autor hat vielmehr in Ar-;hiven
 viel neues Material ent-Jeckt
 und hier erstmals vorgelegt.
Zahlreiche Zitate aus Protokollen,
3eden, Zeitschriften usw. ergeben
ine lebendige, fast dialogische
zorm, die das Lesen zum Vergnü-Jen
 macht. Das Buch umfaßt 96
Zeiten und 19 Abbildungen und
<ostet kartoniert 9,90 Mark.
Prof. Dr. Fran
=" x
Bosnjakovic
wurde 80 Jahre
>rof. Dr.-Ing., Dr.-Ing. h.c.,,
Dr.-Ing. E.h. Fran BoSnjakovic
nurde Mitte Januar 80 Jahre alt. Er
st durch zahlreiche schöpferische
Arbeiten auf vielen Gebieten der
Thermodynamik, vor allem der
Mehrstoffgemische, der Verbrenıung,
 der Vergasung und der
äasplasmen bekannt geworden.
Die von ihm eingeführte exergetische
 Analyse energiewirtschaftli->»her
 und verfahrenstechnischer
>rozesse gewinnt mit zunehmenler
 Energieverknappung immer
Jrößere Bedeutung. Sein bekann-'jes
 Lehrbuch wurde als Standardverk
 auch in die kroatische, engli-;che
 und russische Sprache überjetzt.
 Prof. BoSnjakovie wurde in
Zagreb in Jugoslawien geboren.
Zr studierte an der dortigen Universität
 und an der Technischen
Jochschule in Dresden. Als Schüer
 von R. Mollier wurde er 1928 in
J)resden promoviert und habiliierte
 sich auch dort 1931 für das
ach Thermodynamik. Von 1936
is 1953 war er Professor in Zajreb,
 von 1954 bis 1961 Direktor
jes Wärmetechnischen Instituts
er TH Braunschweig und von
961 bis 1969 ordentlicher Profes-;or
 der TH Stuttgart und Direktor
les Instituts für Thermodynamik
ter Luft- und Raumfahrt. Der VDI
erlieh ihm 1969 die Grashof-Melaille.
 Er erhielt die Ehrendoktorvürde
 der Universität Zagreb und
ler Rheinisch-Westfälischen
"echnischen Hochschule Aachen
ınd wurde Mitglied der Braunichweigischen
 Wissenschaftli-;hen
 Gesellschaft sowie der Heijelberger
 Akademie der Wissen:
‘chaften. Die Associazione termo-2cnica
 Italiana und das Institut
:rangais des Combustibles et de
Energie verliehen ihm ihre Goldnedaillen.
 Zu Ehren seines Emerius’
 Prof. Bo&njakovic veranstalete
 das Institut für Thermodynanik
 der Luft- und Raumfahrt an
ler Stuttgarter Universität ein wisjenschaftliches
 Festkolloquium
\us diesem Anlaß trafen sich viele
ıekannte Wissenschaftler aus
ı1em In- und Ausland
            
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