Ze
(Fortsetzung von Seite 1 „Gedenkfeier
für Käte Hamburger“)
aus würdigte Schweikle die außerordentlich
erfolgreichen Vorträge, die
<äte Hamburger (wie übrigens auch
=ritz Martini) in der traditionsreichen
Mittwochsgesellschaft“ gehalten hat:
‚uletzt noch 1989, als die Gelehrte im
Alter von immerhin 93 Jahren über
Else Lasker-Schüler sprach — vor
überaus zahlreichem Publikum sowohl
aus der Universität als auch aus
der Stuttgarter Bevölkerung, denn für
Kollegen und Bewunderer galt wie für
den Freundeskreis der Verstorbenen:
„Wir haben sie verehrt und geliebt.“
Schweikles stark persönlich geprägte
‘Nürdigung wurde durch ein „Freundeswort“
des ehemaligen Leipziger
_iteraturwissenschaftlers Hans Mayer
argänzt. Er beschrieb Käte Hambur-Jer
als ebenso eigenwillige wie muti-Je
Kennerin, der es bei ihren bahnarechenden
Arbeiten stets um die
‚Durchlässigkeit der Philosophie für
die Dichtung mit der Möglichkeit der
theologischen Fragestellung“ gegan-Jen
sei. Mayer stellte zwar ihr
derühmtes Hauptwerk „Die Logik der
Dichtung“ (1957) neben andere Meilensteine
der Nachkriegsgermanistik
(wie etwa Emil Staigers „Grundbegrife
der Poetik“ oder Wolfgang Kaysers
‚Das sprachliche Kunstwerk“), aber
m Zentrum seiner Würdigung standen
doch eher jene Arbeiten Käte
4amburgers, in denen diese sich
<onkret mit Dichtern beschäftigte, die
hrerseits in Verbindung mit der zeit-Jenössischen
Philosophie standen:
atwa Rilke, Schiller oder Novalis, die
sie mehrfach zum Gegenstand ihrer
Forschungen machte.
Ein Kernsatz in Mayers Rede war ein
abgewandeltes Wort von Adalbert
Stifter: „An ihr ist viel gesündigt worden.“
Er erinnerte an die Vertreibung
der jungen, schon damals überaus
vielversprechenden und brillanten
‘Nissenschaftlerin, an ihre Benachtei-‘gung
als weibliche Gelehrte, an die
«ühle Aufnahme, die sie im Exil fand,
und an die Schwierigkeiten, die sie
nach ihrer Rückkehr zu überwinden
ıatte — bis hin zu der traurigen Tatsache,
daß ihre Vaterstadt Hamburg
sich niemals zu einer offiziellen Wür-Jigung
entschließen mochte.
immer wieder klang aus Mayers Worien
auch die persönliche Hochschätzung
der befreundeten Kollegin — und
die bewegte Trauer über ihren Verlust
nach. Selbst aus den Anekdoten, mit
denen er seinen Vortrag durchsetzte,
war unschwer zu erkennen, daß da
eben nicht nur eine bedeutende Wissenschaftlerin,
sondern auch ein
nertvoller Mensch durch Erinnerung
zeehrt wurde — und daß beide Eigenschaften
in Käte Hamburger unlösbar
miteinander verbunden waren, wie ihr
etztes Buch, das sie im Alter von fast
30 Jahren schrieb, noch einmal bezeugte:
kein Buch über, sondern eher
gegen das Mitleid, weil die Autorin
sich hier — in Auseinandersetzung mit
/ertretern unterschiedlicher Mitleidsheorien
wie Wittgenstein und Thonas
von Aquin — kritisch vom bloßen
3etroffenheitspathos des ebenso fol-Jen-
wie tatenlosen Mitleids absetzte
Und den „ethischen Ort des Mitleids“
‚or allem in der tätigen Barmherziazeit
suchte.
In diesen Zusammenhang gehörten
auch Mayers Anmerkungen über
Käte Hamburgers Beziehung zu Thomas
Mann, dem sie seit der ersten
Begegnung 1932 bis zum Tode des
Autors freundschaftlich verbunden
war und dessen Werk einen Schwernunkt
ihrer Arbeit bildete. Insbesonjere
das Klischee vom „Ironiker
Mann“, das sie seit ihrer Studie über
‚Thomas Mann und die Romantik“
1932) beschäftigte, erschien ihr mit
lien Jahren zunehmend fragwürdig,
jenn für Käte Hamburger bedeutete
ronie grundsätzlich auch Fremdheit:
Der Ironiker liebt nicht.“ Vor allem in
jen „Josephs-Romanen“, die Mayer
ıls „Utopie des menschlichen Zusamnenlebens“
wertete, fand „die Hamurger“,
wie der Schriftsteller sie in
sainen Tacehüchern ahenen liaha.
>wumtgarter Uni-Kure
vie achtungsvoll nannte, den Humoriten
Mann, der ihrem humanistischen
Aenschenbild weit eher entsprach.
1ır 1965 erstmals erschienenes Buch
der Humor bei Thomas Mann“, in
am sie eine sensible Differenzierung
5n Humor und Ironie bei dem Autor
ornimmt, trägt denn auch den Untertel
„Zum Josephs-Roman“.
aroßer Senat:
Professor Giesecke legt Bilanz vor —
Erklärung gegen Fremdenfeindlichkeit
:inen ausführlichen Bericht über seine Amtszeit trug Altrektor Professor
)r.-Ing. Jürgen Giesecke dem Großen Senat der Universität Stuttgart am
5.11.92 vor. Die Bilanz seines zweijährigen Rektorates bezeichnete er als
sehr respektabel“. Da der gedruckte Rechenschaftsbericht inzwischen
'en Instituten zugeleitet wurde, sei hier auf eine ausführliche Wiedergabe
erzichtet. Erwähnt sei an dieser Stelle die erneut vorgetragene deutliche
'ritik des Altrektors an der nur zweijährigen Amtszeit, die „einfach zu
urz sei, um langfristige Strategien und Pläne auch in die Tat umzusetzen,
h. eine gute Hochschulpolitik zu gestalten“. Sie sei innerhalb der neun
aden-württembergischen Landesuniversitäten einzigartig und fände
‚uch bundesweit unter über 70 Universitäten keine gleichartigen Parallean.
Eine Präsidialverfassung, wofür Bestrebungen innerhalb der Univertät
zu beobachten seien, lehne er ebenso entschieden ab.
ihre ihrem Andenken!“ — so schloß
ans Mayer seine Rede. Die Univertät
Stuttgart, deren Ruf durch Käte
amburgers internationale Reputaın
nicht unwesentlich gefestigt wure,
hat sich dieser Aufgabe mit Wür-2
gestellt. Krohn
.nmerkung der Redaktion:
'undespräsident Richard von Weizäcker
schrieb in einem Dankesbrieft
n die Rektorin: „Den Maßstäben von
'äte Hamburger zu entsprechen, ist
in hoher Anspruch. Sie sind ihm mit
ar durch Sie gestalteten akademiıhen
Trauerfeier für Käte Hamburar
wahrlich gerecht geworden. Die
'eranstaltung war unaufdringlich, stil-»ll
in ihrem Ablauf, gleichermaßen
indringlich in den Beiträgen aller
tedner wie auch des Streichquartetts
nd schließlich insgesamt getragen
on der höchsten Qualität.“
"en studentischen Wohnheime mit zu-;ammen
829 Schlafplätzen. Diese
Jeubauten treten zu den in der er-;ten
Rektoratshälfte eingeweihten
3auten Großer Hörsaal und Labor für
3ildschirmtechnik, beide für insge-‚amt
50 Mio DM, und zu dem bis
:rühjahr 1993 abgeschlossenen Zenrum
für Bioverfahrenstechnik (Bau-‚umme
ca. 120 Mio DM) hinzu. Auch
'erdient das Internationale Begeg-Is
wesentlichen Erfolg verzeichnete
er Altrektor die beschlossenen Neuauvorhaben
Elektrotechnik Il, Forchungs-Verfügungsgebäude
und Er-‚eiterung
der Wasserbauversuchsnstalt
mit einer Gesamtkostensumı1e
von 112 Mio DM, ferner die mit 29
1io DM veranschlagte Teilsanierung
es Chemiegebäudes, schließlich die
ir insgesamt 58 Mio DM Bausumme
innen weniger Monate fertiggestell-Fortsetzung
von Seite 1 „Einheit von Forschung und Lehre erhalten“)
torin für alle Gruppen dieser Universität
sein. Die Bezeichnung universitas
litterarum („Gesamtheit der Wissenschaften“)
sei heute so zu verstehen,
daß sie alle am Wissenschafts:
prozeß beteiligten Personen meine
Professoren, wissenschaftliche Mitar
Jeiter, Studierende und die „sonsti
Jen Mitarbeiter“. Die Einheit inner-1alb
der Universität in der Ausrich-:ung
auf die Förderung der Wissenschaft
zu stärken, bezeichnete die
Rektorin als ihr ausdrückliches Anlie-Jen.
n ihrem Festvortrag zum Thema
Amerikanischer Humor“ gelang es
>rof. Ziegler, mit Beispielen aus Wer-‚en
von Mark Twain und William
’aulkner ihr Publikum nicht nur zu erıeitern,
sondern auch ihr „weinendes
\uge“ verständlich zu machen. Einen
nusikalisch heiteren Akzent setzte
las Akademische Orchester unter
eitung von Prof. Dieter Kurz zum
\bschluß mit Gershwins „Ein Amerl-‚aner
in Paris“. z}
) Der Festvortrag von Heide Ziegler
Amerikanischer Humor“ erscheint als Nr.
‚3 der Reihe „Reden und Aufsätze“.
Meine auten Wünsche bealeiten Sie“, versicherte
nt Giesecke seiner Nachfolgerin.
!/Fato: Eppler)
irhöhungen in den bestehenden
Vohnheimen auf mehrere Jahre verlt
werden und für die Bewohner
es Max-Kade-Heimes konnte eine
träglichere Durchführung der umıngreichen
_KRenovierungsarbeiten
Jrchgesetzt werden.
uch einige Neubauprojekte, berichıte
Prof. Giesecke, konnten in seiner
mtszeit abgeschlossen bzw. weitereführt
werden, wie etwa das Labor
ir Bildschirmtechnik, die Fußgängerrücke
über den Allmandring oder
as Forschungszentrum Bioverfah-\nstechnik,
das im Frühjahr 1993
ingeweiht werden soll. Nach mehrfaher
Verschiebung gab das Finanzınisterium
die Zusage für den Neuau
Elektrotechnik Il, für das Verfüungsgebäude
und für die Erweiteing
der Wasserbau-Versuchsanstalt.
irünes Licht gab es auch für eine
3ilsanierung des Chemiegebäudes.
aider sei ihm nicht genügend Zeit
um Handeln geblieben, sagte Prof.
jesecke. Die nur zweijährige Amtseit
sei viel zu kurz, um Pläne auch in
je Tat umzusetzen und werde auch
it der nach der Grundordnung voraschriebenen
Wieder- bzw. Neurahl
nach nur fünfzehn Monaten den
4 erfüllenden Aufgaben in keiner
/eise gerecht. „Die Struktur, die Beeutung
und die Wertigkeit unserer
niversität“ hätten sich entscheidend
arlagert, so daß ein Überdenken
jeser „auch bundesweit vergleichbar
ürzesten Rektoratszeit dringend“ erırderlich
sei
rofessor Ziegler: Rektorin
ir alle Gruppen
‘ie werden mir mit Ihrem unermüdliıen
Engagement für die Belange
ar {lniversität Stuttgart ein Vorbile
leiben“, versicherte Prof. Ziegler
ırem Vorgänger. Sie übernehme ihr
jeues Amt „mit einem lachenden und
nem weinenden Auge“, da sie ihr
vissenschaftliches Interesse zurücktellen
müsse, um sich „auf die Leiıng
einer so anspruchsvollen Instituon,
wie sie die Universität Stuttgart
arstellt, voll konzentrieren“ zu könen.
ie Rektorin verwies bei dieser Geleenheit
erneut auf die Notwendigkeii
er Einheit von Forschung und Lehre.
die Forschung an der Universität
ıuß — trotz angelagerter und berüßenswerter
anwendungsorientierar
Forschung — im Grund frei blei-‚en,
und die Lehre an der Universität,
on Forschern vermittelt, muß letzt-2h
forschungsorientiert sein.“ Dies
chließe nicht aus, daß sich die Uniersitäten
— unter dem Aspekt der
'beriast — Gedanken zur Studienzeiterkürzung
machten. Die Universität
;tuttgart habe nicht nur darüber
achgedacht, sondern die Ergebnise
ihrer Überlegungen inzwischen in
lie Tat umgesetzt: Fast alle Fakultäan
hätten ihre Studien- und Prüngsordnungen
inzwischen neu
trukturiert. „An der Universität Stuttart
ist heute in den meisten Studi
ıngängen ein Studium in der Regeltudienzeit
durchaus möglich“, sagte
'rof. Ziegler. Immerhin könne dieses
leispiel zeigen, „daß die deutschen
iniversitäten, im Gegensatz zu einer
inglücklichen Behauptung des Voritzenden
des Wissenschaftsrates,
n Kern gesund und leistungsfähig
nd - sofern man an die Einsicht der
ahrenden und Lernenden appelliert
ıd die Autonomie der Universitäten
cht in Frage stellt.“
2 wolle. betonte Praf Ziealer Reak-Neuerscheinung:
‚Beiträge zur Zeit“
inter dem Titel „Beiträge zur Zeit“
st ein neuer Band aus der Reihe
Reden und Aufsätze“ der Univer:
tät Stuttgart erschienen. Das neue
eft (Nr. 42) enthält Vorträge, die am
. November 1991 aus Anlaß des 65.
jeburtstages des Stuttgarter Historiars
Professor Dr. August Nitschke
ehalten wurden. Die Beiträge von
‚mo Borst, Harald Weinrich und Herert
Heckmann widmen sich dem
'eitverstehen zu Beginn des Mittelalars
um die zentrale Gestalt Karls des
iroßen, der Zeit im lebendigen Mittel
‚er Sprache und der Zeit in einem
jeitrag der sehr persönlich zu August
Nitschke geknüpften Gedanken und
ssoziationen. In einem eigenen Bei
ag nimmt August Nitschke zum The-1a
„Dankbar, zerstörend und forermd:
die Zeit“ Stellung.
je Reihe „Reden und Aufsätze“ wird
ı Auftrag des Rektorates der Uniersität
Stuttgart von Jürgen Hering,
lem Direktor der Universitätsbiblioı1ek
Stuttgart, herausgegeben. Das
ıktuelle Heft kostet 12,— DM und
ann bei der Universitätsbibliothek
;tuttgart, Postfach 10 49 41, 7000
ituttgart 10, Tel. 0711/121-2222, anafarclert
warden -
nungszentrum (IBZ) besondere
yähnung. Diese nach längeren Un
jau- bzw. ergänzenden Neubaumal
ı1ahmen im Herbst 1992 vollendet
3Zegegnungsstätte der Universitä
Stuttgart wird 1993 ihrer Bestimmunr
ibergeben werden.
Jach Ansicht des Altrektors hat a
Jniversität Stuttgart unter andere:
it der Einführung des Promotion:
echts für qualifizierte Fachhock
schulabsolventen eine Vorbildfunkt
n. Einen sichtbaren Ausdruck für di
/erknüpfung der Universität Stuttga
nit Politik, Wirtschaft und Kultur b
len u. a. die während der Rektorat.
'eit abgehaltenen Universitätsabe:
je, zu denen die Bundestagspräs
jentin Rita Süßmuth, der Bundesm
ıuster für Umwelt und Reaktoı
ächerheit Klaus Töpfer, der Vorsi
ende des Vorstandes der Deutsche
zundesbahn und der Deutsche
3eichsbahn Heinz Dürr und der Vo
itzende des Vorstandes der Alcat
3EL Gerhard Zeidler gewonnen we
en konnten. „Sie haben in Ihr
\mtszeit als Rektor viel erreicht“, b.
nte der Vorsitzende des Große
jenats, Professor Dr. Hans Tiziar
ler bei dieser Gelegenheit Professr
jiesecke und seiner Frau für die re
ıjstete Arbeit dankte.
>)rofessor Tiziani war zu Beginn
jenatssitzung mit großer Mehrheit
einem Amt bestätigt worden; zu s-‚em
Stellvertreter wurde Profess
Ir.-Ing. Paul Kühn gewählt.
zektorin Professor Dr. Heide Ziec
agte dem Großen Senat eine '
lärung gegen Fremdenfeindlichk:
or, die Professor Dr. Eberha
äckel auf Initiative des Rektorat
orbereitet hatte. Die Resolution wı
le nach kurzer Diskussion mit ei
:rgänzung zur grundsätzlichen ı
ıntastbarkeit der Menschenwürde bh
ünf Enthaltungen verabschiedet. ı
Text ist auf Seite 1 im Wortlaut ah‘
Arvckt
Studentenzahlen:
Leichter Zuwachs
Anfängerzahlen
sinken
nsgesamt 21.443 Studierende sı
n diesem Wintersemester an dı
Jniversität Stuttgart eingeschri
yjen; damit ist die Gesamtzahl
/ergleich zum MWintersemes
'991/92 mit 21.402 leicht angesr
jen. Zuwächse sind bei den S
ljentinnen und den ausländisr
1 dieranden 7u verzeichnen
lei den Frauen sind jetzt 4816
'ergleich zu 4663 im Wintersemes'
991/92 immatrikuliert; die Zahl
‚usländischen Studentinnen und *
lenten stieg von 2289 auf jetzt 2”
\‚bnehmende Tendenz zeigen die *
ängerzahlen, die jetzt bei 2467
/ergleich zu 2793 im zurückliec
len Wintersemester liegen. Auch
lahl der Hochschulwechsler ist le!
‚urückgegangen: von 101? auf
169.
‘in deutlicher Einbruch zeichnet ‘
obwohl alle Bewerber zugelas*
‚erden konnten — bei den Anfäng
ahlen in ingenieurwissenschal
hen Studiengängen ab: Im Masc'
enwesen ein Rückgang von 458 :
atzt 332 Erstsemester, in der Elekt:
echnik von 276 auf 227, in der Vi
ahrenstechnik von 102 auf 94. Al"
n der Chemie mit jetzt 80 Anfäng«“
n Vergleich zu 110 im Winterser
;ter 1991/92 und der Mathematik
etzt 97 Erstsemestern im Vergile
zu 137 ist ein Rückgang zu verzeic
1en. Starken Zuwachs bekomır
ı1aben dagegen die Geologen m
\nfängern (Vergleichszahl: 14)
lie Mineralogen mit 22 Anfär“
Vernleichszahl: 5}