16 Wissenschaft & Praxis / Internationale Beziehungen
Gute Erfahrungen:
Stuttgarter Uni-Kurier Nr. 60 / Dezember
Studienarbeit in der Ukraine
ntensive Fortbildung in CAD: Dr. Wolfgang Zöller und Prof. Wolfgang Knoll zeigen, wie
ler Computer zum erfolgreichen Hilfsmittel des Architekten werden kann. (Foto: Hever)
—ortbildung in den Semesterferien:
CAD-Kurse für Architekten
Um die Lücke zwischen Nachfrage und Lehrangebot bei der CAD-Ausbildung
(Computer Aided Design) der angehenden Architekten zumindest
eilweise zu schließen, hat Prof. Wolfgang Knoll vom Institut für Darstellen
und Gestalten der Universität Stuttgart eine bemerkenswerte Initiative
gestartet: In der vorlesungsfreien Zeit werden für Interessierte Fortbildungskurse
angeboten. Die Fortbildungsinitiative ist von Beginn an nicht
ıur für Studierende gedacht, sondern steht auch Assistenten und frühe-'en
Absolventen der Architekturfakultät offen. Drei Fachreferenten aus
jer Wirtschaft hatten sich in den Sommerferien kostenlos als Kursleiter
zur Verfügung gestellt. Ziel der Initiative ist es. eine konsequente CAD-Ausbildung
zu ermöglichen.
Jem außergewöhnlichen Lehrange-)ot
bei den Architekten war eine Umrage
vorausgegangen, die ergeben
ıatte, daß bereits eine große Zahl
/on Studierenden der unteren Semester
ein Lehrangebot in CAD für wünschenswert
halten. In Zusammenar-Jeit
mit einer Softwarefirma hat daraufhin
Prof. Wolfgang Knoll vom
-ehrstuhl 1 des Instituts für Darstel-2n
und Gestalten der Universität
Stuttgart ein entsprechendes Lehran-Jebot
entwickelt. In einem ersten
Schritt wurden in den Sommerferien
/ier CAD-Kurse angeboten, die bei
jen Studierenden sofort stark nach-Jefragt
waren.
An den Lehrgängen, die in einem
vierzehntägigen Rhythmus stattfanden,
konnten jeweils zehn Studierende
die fünf Rechnerarbeitsplätze
nutzen. Das umfangreiche Kursprogramm
berücksichtigt alle wesentichen
Inhalte zeitgemäßer CAD-Bearbeitung.
Grundrisse werden eingegeben
und korrigiert. Die Entwürfe
werden dreidimensional berechnet,
Ansichten und Schnitte entwickelt.
Jas Gebäudemodell kann sodann
nit allen Schatten und Spiegelungen
>hotorealistisch dargestellt werden.
Dabei ist es möglich, alle für die Praxis
nötigen Arbeitsmittel wie drehen,
spiegeln, verschieben und dehnen
3inzuüben.
Während des Wintersemesters
inden gegenwärtig drei Kurse als
Nahlpflichtfach Architekturdarstellung
statt, die ebenso wie die
-ortbildungskurse in den Semestererien
sehr stark frequentiert werden.
Negen der starken Nachfrage ist
jeshalb geplant, das Kursangebot zu
nar ständiaen Einricht iına werden
'u lassen. Für Februar und März sind
lie Pläne schon konkret: zusammen
nit der Architektenkammer werden
’er weitere Fortbildungskurse angeıoten:
CAD; Modellbau; Architektur-)hotographie;
Plangrafik. eng
tontakt:
’rof. Wolfgang Knoll, Institut für Daritellen
und Gestalten, Keplerstr. 11,
0174 Stuttgart, Tel.: 07 11/1 21-32 20
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zigeninitiative zahlt sich aus. Dies zeigt auch der Bericht von Jürgen E. Neumann, der an der Universität
Stuttgart im neunten Semester Elektrotechnik studiert. Er hatte es sich in den Kopf gesetzt, einen Auslandsauf.
anthalt in der ehemaligen Sowjetunion zu absolvieren. Über seine - durchweg guten - Erfahrungen berichtet er
im folgenden.
Fast ein ganzes Jahr hat es gedauert
von den ersten Überlegungen, eine
Studienarbeit im Ausland zu absolvieren
bis zur tatsächlichen Durchführung.
Aufgrund meiner Russisch-Sprachkenntnisse,
die ich mir in der
Schule angeeignet hatte, stand mein
- zugegebenerweise ungewöhnliches
- Wunschziel fest: die Länder der
ahemaligen Sowjetunion. Erste Anäufe
über Kontaktadressen zu den
>artneruniversitäten brachten zuıächst
nicht den erwarteten Erfolg.
Jas Projekt kam aber ins Rollen, als
Prof. Lauber (Institut für Automatisie-'ungs-
und Softwaretechnik) mir den
Vorschlag unterbreitete, eine Arbeit
ei Prof. Svjatnyj (Polytechnische
Jniversität Donezk/Ukraine) durchzuühren.
Im Rahmen einer selbstorgaıisierten
Studien-/Sprachreise im
April 1993 in die Ukraine, bei der ich
zwei Wochen in Donezk verbrachte,
ernte ich Land, Leute und Uni näher
<«ennen. Dabei wurde mir ein interes-;antes
Thema angeboten. Nach kur-'jer
Bedenkzeit beschloß ich, dieses
Jnternehmen zu wagen. Von Juni bis
\ugust studierte ich an der Univerität
in Donezk und absolvierte den
lauptteil meiner zweiten Studienareit
Gute Betreuung
die Polytechnische Universität, geı1auer
gesagt der Lehrstuhl für Daten-‚erarbeitung
der Fakuhät für Informaik,
bildete für gute zwei Monate mein
vissenschaftliches Zuhause. Inhalt
ler Studienarbeit bestand in der
heoretischen Untersuchung eines
tegelungsalgorithmus, der auf ein
tark nichtlineares Modell für eine
irubenbewetterung angewendet
‚erden sollte. Dabei kam das Simuationssystem
ISRSIM zum Einsatz,
'as am Institut für Systemdynamik
ind Regelungstechnik bei Prof. Zeitz
ntwickelt worden ist und schon seit
ahren in Donezk genutzt wird. Die
achliche Betreuung erfolgte von
’rof. Lapko, sonstige organisarischen
Fragen wurden von Prof.
vjatnyj kompetent gelöst. Von Stuttarter
Seite aus zeichnet Prof. Lauer
verantwortlich. Insbesondere
'rof. Svjatnyj war sehr herzlich und
ümmerte sich persönlich sehr fürorglich
um alle Probleme, die im Zuammenhang
mit meinem Aufenthalt
ı Donezk entstanden: sei es die Unarbringung
im Wohnheim oder die
rste Zeit gar bei sich selbst, die Fi-'anzierung
meiner Lebenshaltungsosten
durch ein sehr gutes Studenanstipendium
oder die Mithilfe bei
er Organisation meines Urlaubes.
ıurch ihn lernte ich auch Seiten des
abens in der Ukraine kennen, die
inem normalen Touristen eher verchlossen
bleiben. So lud er mich
in, mich auf seiner Datscha zu erhoın
oder bei einer Geburtstagsfeier
je ländliche Seite der Ukraine kenenzulernen.
Auch vermittelte er die
rsten Kontakte zu Studenten, mit
enen ich mich während meines Aufınthaltes
immer wieder traf und die
ır halfen, aktiv meine Russisch-'enntnisse
zu verbessern.
;tudentenleben
J)as Studentenleben ist inbesondere
ur Zeit der jetzigen Wirtschaftskrise
icht ganz einfach. Zwar erhält jeder
itudent ein Stipendium, dessen
löhe sich nach seinen Studienleitungen
richtet, und bekommt auch
nen Platz im Wohnheim zur Verfü-Jung
gestellt, der umgerechnet wenijer
als 50 Pfennig pro Monat kostet.
jie Lebenshaltunaskosten schlagen
ıber wesentlich höher zu Buche als
'ergleichsweise in Deutschland. Ein
xtlitschnik' (Beststudent) erhält zum
}eispiel 22 000 Kupons pro Monat.
)as sind umgerechnet 4.50 DM
Stand: Ende August). Ein Kilo Käse
;ostet 5500 Kupons, ein Kilo Hartvurst
gar 30 000 Kupons. Die städti.
schen Transportmittel sind mit 10 Ku-)ons
pro Fahrt relativ günstig. Will
nan aber über Land reisen, so muß
nan z. B. für eine Fahrt nach Kiew
nehr als 4000 Kupons hinlegen.
4äufig besteht aber das Problem dar
ı, daß man an die Fahrkarten gar
‚icht herankommt, da sie von Speku
anten aufgekauft und dann am Abahrtstag
zu überhöhten Preisen ver
‚auft werden. Diese Preise müssen
or dem Hintergrund einer Hyperination
gesehen werden. Anfang Apri
ıg der Kurs für eine Mark bei 1400
‚upons, Mitte Juli bei 2500 Kupons,
’nde August bei 4500 Kupons. Diese
Ärtschaftlichen Bedingungen bedeuan,
daß ein Student auf die Untertützung
seiner Eltern angewiesen is
der neben seinem Studium her areiten
muß. Dementsprechend ist
ler Zusammenhalt unter den Studen
an im Wohnheim sehr stark. Ein rus
isches Sprichwort sagt: 100 Rubel
‚u haben ist gut, 100 Freunde zu haıen
aber besser.
Die Studienarbeit in der Ukraine
ıurchzuführen war für mich fachlich
‚ehr interessant und aufgrund der
1ewonnenen Erfahrungen in einem
„and, das sich im Umbruch befindet,
jersönlich sehr wertvoll. Deshalb
nöchte ich es nicht versäumen, mich
ı1anz herzlich bei den genannten
lochschullehrern sowie bei Prof.
Kühn, dem Stuttgarter Vertrauensde
enten der Studienstiftung, und bei
ler Studienstiftung des deutschen
'olkes für ihre ideelle und finanzielle
Jnterstützung meines Projekts zu belanken,
die erst die Durchführung
jeser Studienarbeit in Donezk
ırmöglicht haben.
Wer gerne mit dem Autor Kontakt
wufnehmen möchte, kann dies über
1as Institut für Automatisierungsınd
Softwaretechnik (Prof. Laube”
‚un: Pfaffenwaldring 7, 70550
Stuttgart, Tel. 0711/685-7201
J)onezk
Jonezk ist mit rund 1,2 Millionen Ein-‚ohnern
die viertgrößte Stadt der
kraine. Sie gilt als die Hauptstadt
er Donbass-Industrieregion im Süd-)sten
der Ukraine und ist umringt
on großen Erdaufwürfen, die von
em Kohleabbau unter Tage zeugen.
je UNESCO zählt aber das 358
\‚uadratkilometer große Donezk (das
;t in seiner Fläche größer als z. B.
'stland) zu den 10 grünsten Städten
er Welt. Innerhalb der ehemaligen
owjetunion gilt Donezk als die Roenstadt,
da auf jeden Einwohner ein
'osenstock kommt. Die Bevölkerung
gesteht zu 40% aus Ukrainern, eben-0
viele Einwohner sind Russen, den
lest bilden die vielen anderen Völergemeinschaften
der alten Sowietınian
und Ayusläncdcer
»olytechnische Universität
ıut ausgeprägt ist der Bildungssekr.
Es gibt verschiedene Hochschuın
und Fachschulen, an denen insesamt
200 000 Studenten, Profesoren
und Wissenschaftler studieren
nd arbeiten. Entscheidend für die
\ufnahme an die Polytechnische Uniersität
ist das Bestehen der Einangsklausuren.
Zu jedem Winterse-1ester
findet ein 'Konkurs' (russ.:
Vettbewerb') statt, bei dem die Beten
auf die festgesetzte Zahl an Stujenplätzen
verteilt werden, Meist be-‚erben
sich für einen Studienplatz
ngefähr zwei Abiturienten. Hat man
jese Hürde geschafft, so liegt der
lauptteil der Arbeit noch vor einem.
ler jetzige Studienplan der Informak
ist geprägt von vielen Praktika und
iner allgemein sehr anwendungsorintierten
Ausbildung des Studenten,
owohl in Software- als auch in Hard:
'are-Richtung. Daneben müssen die
tudenten in den ersten zwei Jahren
uch außerfachliche Leistungen ableen,
wie z. B. Sport, eine Fremdsprahe
oder Philosophie. Das neunseıestrige
Studium wird abgeschlosen
mit einer anschließenden halbihrigen
Diplomarbeit. Der feste
tudienplan erlaubt — ähnlich wie in
tedizin — keine großen Verzögerunen
innerhalb des Studiums. Im Moıent
versucht die Fakultät für Inforıatik,
unter der Leitung von Prof.
vjatnyj einen neuen Studienplan
inzuführen, der sich im wesentlichen
n dem Studienplan der Informatik in
*ıttoaart nriantiart
JE Naumer
Wissenschaft muß international sein“, betonte Rektorin Prof. Dr. Heide Ziegle
ei der Begrüßung für 71 Gastwissenschaftler der Alexander von Humboldt-Stittung, die
uf Einladung der Universität vom 20. bis 22. Oktober zu einer Einführungstagung nach
‘tuttgart gekommen waren. Von Humboldts Erbe, der als einer der letzten Universalwis
enschaftier des Abendiandes galt, beinhalte diese Verpflichtung zur Internationalität. Ar
ie engen Verbindungen Humboldts mit Stuttgart, der einen regen Briefwechsel mit Klett
nd Cotta gepflegt habe, erinnerte Dr. Heinrich Pfeiffer, der Generalsekretär der Stiftung
jen Festvortrag über „Deutschland nach der Einheit“ hielt der Stuttgarter Historiker Prof.
r. Eberhard Jäckel. Das Programm für die Stipendiaten umfaßte Vorträge über die Ziele
er Humboldt-Stiftung, über die Wege des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutsch"
nd, Besichtigungen an ausgewählten Instituten der Universität Stuttgart, Empfänge bel
er Stadt, der Robert Bosch Stiftung und dem Max-Planck-Institut. Unter den 71 GastW#
anschaftiern aus 30 Nationen waren 46 Naturwissenschaftler, 13 Geisteswissenschaft‘
nd 12 Ingenieurwissenschaftler. Am stärksten vertreten waren China. Rußland und die
SA mit ja 10 Wieeanenhaftlar- Ca: Oohm?