Stuttgarter Uni-Kurier
Zeitung der Universität Stuttgart Nr. 61/ Februar 1994
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3pannung bis zuletzt bei der Rektorwahl im Großen Senat:
Rektorin Prof. Ziegler wiedergewählt
Ben. Zum Thema Forschung konnte
Prof. Ziegler berichten, daß mögli-Ccherweise
schon zum 1. Juli die positiv
begutachteten Sonderfor-3chungsbereiche
„Rapid Prototyping”
und „Simulation physikalischer
Prozesse auf Höchstleistungs-’echnern”
ihre Arbeit aufnehmen
können; damit könne die Universität
Stuttgart die stolze Zahl von zehn
Sonderforschungsbereichen vorweisen.
Bei den Drittmitteln liege die
Universität Stuttgart weiter an der
Spitze der bundesdeutschen Hochschulen:
diese konnten 1993 sogar
von 178 auf 185 Millionen Mark ge
steigert werden.
Gegenüber der Gesellschaft müs
ze sich die Universität offen zeigen
hre Selbständigkeit in Forschung
ınd Lehre jedoch bewahren. Kei-1esfalis
dürfe sich die Universität
anbiedern und sich weder von der
Wirtschaft noch vom Staat in ihre
Arbeit hineinreden lassen.
Den Studierenden versprach Prof
Ziegler in ihrem Vortrag wie auch ir
der anschließenden Diskussion, „dir
Vertrauensbildung zu fördern“ und
vegrüßte es, daß die Fachschaftsvertreterversammlung
und das Rek
torat miteinander im Gespräch
seien. Verbesserungswürdig sei da:
Bild der Universitäten in der Öffent
lichkeit. „Wissenschaft ist für mich
eine Lebensform”, betonte sie wie
schon bei ihrer Wahl vor zwei Jah--en.
Was die Universität brauche,
seien „Zivilcourage nach außen und
Fairness nach innen”, Eigenschaften
die ihr selbst in letzter Zeit in hoher
Maße abverlangt worden seien.
„ICh suche eher den Ausgleich
als die Konfrontation”, sagte Prof.
Dr.-Ing. Gerhard Heimerl, seit 1973
Direktor des Universitätsinstituts für
Eisenbahn- und Verkehrswesen sowie
Direktor des Verkehrswissenschaftlichen
Instituts an der Univer
Sität Stuttgart. „Ich stehe zu meinem
Wort, mich zur Verfügung zu stellen”,
begründete er seine Kandida-‚ur.
Er war bekanntlich bereits zwei
mal vorgeschlagen worden, habe es
jedoch vor zwei und vor vier Jahren
abgelehnt, gegen seinen Fakultätskollegen
Prof. Giesecke anzutreten
Prof. Heimerl, der unter Prof. Zwicker
sechs Jahre Prorektor war und
Aus dem Inhalt:
Politischer Neujahrsempfang
Erstmals Lehrberichte vorgelegt
Hayek-Studie
Landeslehrpreis für Studierende un(
Lehrende
Jutorienprogramm der Physik
Kindertagesstätte saniert
Fliegende Künstler beim Uni-Ba
3eden des Ersten Stuttgarter
3ildungsforums erschienen
Weiterbildung an der Uni
Alternativen zum Lehrerdasein „N
Heimerl-Trasse bestätigt Ss. €
Intelligent Bauen 5. 8
Das Thema:
Integrierte Verkehrskonzepte S. 9-16
Rechtsextreme Parteien in Westeuropa SS. 17
Verhaltens- und Immunstörungen
bei Kindern S. 18
Ganzheitliche Produktbilanzierung Ss. 18
Perspektiven der Wasserstofftechnologie S. 18
Überlieferungs- und Echtheitsfragen
im Minnesang Ss. 19
Serie: Wissenschaftlerinnen an der Uni S. 20
Symposium Trainingswissenschaft S. 21
seit Herbst 1979 dem Senat angehört,
bedauerte es, daß im Vorfeld
der Wahl keine sachliche hochschulpolitische
Diskussion geführt
worden sel.
„ „Ich bin Ingenieur aus Freude und
Uberzeugung“, charakterisierte der
nicht nur bundesweit, sondern inter
national bekannte Verkehrswissenschaftler
sich selbst. Mit Verweis
auf seine langjährige Management-„fahrung
konstatierte er, daß die in
üngerer Zeit viel beschworene
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
‘ür ihn bei seiner Tätigkeit außer-1alb
wie innerhalb der Universität
schon seit zwei Jahrzehnten geübte
Yraxis sei; seine Arbeit im Verkehrswesen
erfolge in ständigem Austausch
mit Ökonomen, Sozialwissenschaftlern
und Ökotogen. Als erfreulich
bezeichnete er es, daß über
die Aufgaben der Universität ein
“Fortsetzung auf Seite 2)
is war mucksmäuschenstill am 2. Februar im dicht besetzten Senatssaal, als der Vorsitzende des
aroßen Senats, Prof. Hans Tiziani, das Ergebnis bekanntgab. Alle 54 wahlberechtigten Senatsmitjlieder
waren vollzählig zur Stimmabgabe erschienen. Prof. Tiziani steigerte die Spannung: Eine un
jültige Stimme, zwei Nein-Stimmen, 23 Stimmen für Prof. Heimerl... damit stand das Ergebnis
est. Mit fünf Stimmen Mehrheit (28) wurde die amtierende Rektorin, Prof. Heide Ziegler, im ersten
Nahlgang wiedergewählt. Prof. Heimerl war der erste, der der neuen alten Rektorin gratulierte.
‚Ich nehme die Wahl an”, antwortete die in ihrem Amt bestätigte Rektorin dem Wahlleiter, Prof. Tijani,
der auch dem nur knapp unterlegenen Kandidaten gratulierte. Das vor zwei Jahren viel
jeachtete Novum einer Frau und Geisteswissenschaftlerin an der Spitze der technisch geprägten
Jniversität Stuttgart findet damit eine Fortsetzung.
)er Senat hatte am 12. Januar mit
/7 zu 6 Stimmen beschlossen, beije
Kandidaten dem Großen Senat
‚ur Wahl vorzuschlagen; beide skizıerten
vor dem Wahlgang in proygrammatischen
Reden ihre Vorstelıung
von der Führung der Universi-:ät
Stuttgart. Die Rektorin begründe-'e
nochmals, weshalb sie sich ent-Jegen
ihrer früheren Aussage nun
loch entschlossen habe, für eine
ositives Votum abgegeben. Ein in-'erdisziplinärer
Studiengang „Sy-;tems
Engineering” sei in Vorbereiung.
Auch für die Verwaltung solle
die Effizienz der Informationstechnik
weiter verbessert werden.
Für ihre künftige Amtszeit defiıerte
Prof. Ziegler drei Ziele: die
Neiterentwicklung der Schwerjunkte
und Stärken in der Forchung,
die sinnvolle Strukturierung
les Studiums, wobei eine drohende
Zweiteilung weiterhin verhindert
werden müsse, und drittens, geneinsam
mit dem Kanzler für die
/erbesserung der räumlichen Infrastruktur
der Universität zu sorgen
sowie die Stärkung der universitäen
Präsenz in der Stadtmitte voran
utreiben. Beim Bau des nächsten
/erfügungsgebäudes müsse die
Jniversität Stuttgart Priorität genieterzliche
Gratulation für die Siegerin dieser
9 Professor Schatz und Kanzler Schwarze
spannenden Wahl: Professor Heimerl war der erste Gratulant. Im Hintergrund Prorek-{Foto:
Eppler}
Neitere Amtszeit zu kandidieren.
Nicht zuletzt aufgrund des immen:
en wirtschaftlichen Einbruchs be-Jürfe
es für viele Aktivitäten der
Continuität; eine Amtszeit von zwei
ahren sei dafür zu kurz. Dennoch
abe das Rektorat bereits viele Pro
Skte auf den Weg gebracht. Prof.
‘egler erinnerte an die vier Ziele,
18 Sie sich vor zwei Jahren geeckt
hatte: die stärkere Durchdrin-WNg
aller Fächer mit den Methoden
der Informationstechnik, die
Mrichtung des Studienganges Um-Veltschutztechnik,
eine stärkere
/erzahnung der Ingenieurwissenhaften
mit den Wirtschaftswissen
haften sowie schließlich die Wie-Seinrichtung
des Lehrstuhls für
Vissenschaftstheorie, den früher
Yax Bense innehatte. Mit Ausnah-"6
des jetzten Punktes („Ich werde
Veiterhin für die Wiedereinrichtung
lieser C 4-Stelle kämpfen“) konnte
78 eine positive Bilanz ziehen. „Ich
"N Stolz darauf”, betonte sie, „daß
% mir gelungen ist, den Minister-Yäsidenten
von der Notwendigkeit
ler Cray II-Nachfolge zu überzeu-%n,
um den internationalen Spit-°Aplatz
des Stuttgarter Rechenzen:
UMS halten zu können.“ Vor zwei
en habe dazu auch die DFG ein
Festveranstaltung im Wilhelma-Theater: | Uni-BSib’iotheh
Professor Merkle ist Ehrenbüfd&@t;
der Universität
Mit großer Bescheidenheit dankte Professor Hans L. Merkle der Universität Stuttgart für die Verleiung
der Ehrenbürgerwürde. „Ich habe nie erwartet, daß diese seltene Ehrung auf mich zukommen
würde, und ich glaube nicht, daß ich sie verdient habe“, sagte der heutige Ehrenvorsitzende der
3osch-Gruppe, der die Geschicke des Hauses Bosch von 1958 an wesentlich mitbestimmt hat.
‚Wenn ich nach einigem Zaudern doch ja gesagt habe, dann in dem Glauben, daß dies weniger mi|
als Person als vielmehr dem Hause gilt, dem ich mehr als vier Jahrzehnte gedient habe“, betonte
Aans L. Merkle und gab den Dank an alle Mitarbeiter weiter.
Nunderschön war der Rahmen, den
lie Universität Stuttgart nach der
Jberzeugung vieler Gäste aus Wirtıchaft,
Wissenschaft und Politik für
diesen Festakt gewählt hatte: im
Stuttgarter Wilhelma Theater über-‚eichte
Rektorin Prof. Dr. Ziegler am
1. Februar dem 81jährigen mit der
z:hrenbürgerwürde die höchste Auseichnung,
die die Universität Stutt-Jart
zu vergeben hat. Damit würdigt
lie Universität gemäß dem einstim-1igen
Beschluß des Senats vom 8.
)jezember 1993, daß sich Hans L.
Merkle, „in der Tradition des Hau-‚es
Bosch stehend, um das Gemeinwesen
in herausragender Wei
ze verdient gemacht hat, insbesondere
durch sein nachhaltiges Enga-Jement
zur Förderung von Forschung
und Entwicklung.” Die Vor
ildfunktion dieser Ehrung stellte
ler Laudator, Prof. Dr.-Ing. Gerhard
<ohn (Direktor des Instituts für Elek
rische Nachrichtentechnik), in den
Mittelpunkt seiner Ansprache: „Wir
ın der Universität brauchen Vorbiller,
die uns durch ihre Bewährung
eigen, wie wir uns verhalten solen.“
In seinem Festvortrag diskutier
e Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Maier, Innaber
des Lehrstuhls für christliche
Weltanschauung, Religions- und
Kulturtheorie (des früheren Guardi
ni-Lehrstuhls) der Universität Mün
*hen, „Die Zukunft der Kulturen“
(Foto: Eppler}
beiden Hochschulen: Die Musik als
Ganzes sei ohne die Geisteswissenschaften
nicht denkbar und auch zu
Mathematik bestehe ein deutlicher
Bezug.
Rektorin Ziegler erinnerte in ihem
Grußwort daran, daß die Universität
mit dieser Ehrung eine Tradition
wiederbelebt, die seit Anfang
ler sechziger Jahre ruhte; Ehrenbür
Jer der früheren Technischen Hochschule
Stuttgart waren unter ande-(Fortsetzung
auf Seite 2]
ans L. Merkle
Verbindung akademischer und
unternehmerischer Tugenden
?rof. Rolf Hempel, Rektor der Hoch:
schule für Musik und Darstellende
<unst, begrüßte es, daß die Univer
sität erstmalig in der Geschichte
Jeider Institutionen eine Veranstal
‚ung im Wilhelma Theater ausrich-‚ete.
„Das ehrt uns sehr“, hob er
ı1ervor und fand durchaus auch
achliche Verknüpfungen zwischer