Heft 15. Mitteilungen der Vereinigung der Elektricitätswerke. 235
mit der Zählerkommission verhandeln, kommen wir
arst im nächsten Jahr zu einem Beschlufs, während
die elektrotechnische Kommission jetzt den Döpkeschen
Entwurf mit dem meinen zu vergleichen und
allenfalls den Entwurf zu ergänzen hätte. Wenn wir
anders verfahren, verlieren wir ein ganzes Jahr, und
es wäre wünschenswert, dafs die Sache baldmöglichst
durchgeführt wird.
Bei der Abstimmung wird beschlossen, der elektrotechnischen
Kommission das Material zu überweisen,
welche die endgültige Redaktion feststellt. Falls sich
die genügende Beteiligung findet, werden die FormulJare
gedruckt.
Vorsitzender Stadtbaurat Uppenborn fährt
fort. Es liegt eine Anfrage Nr. 17 des Herrn
[ngenieurs Oskar v. Miller vor:
»Sind in den der Vereinigung angehörigen
Werken mit oberirdisch geführten Hochspanaungsleitungen
seitens der Behörden Reklamationen
wegen Gefährdung der Feuerwehr durch
Anspritzen der Drähte erhoben worden, und in
welcher Weise wurde denselben seitens der
Elektricitätswerke stattgegeben ?«
Dieselbe bezieht sich auf die bekannte Thatsache,
dafs, wenn man an die Hochspannungsleitung
mit Spritzen herankommt, unter Umständen der
Strom übergehen kann, indem er vom Wasserstrahl
in das Metallmundstück der Spritze herübergeführt
wird, so dafs der dasselbe bedienende Feuerwehrmann
unter Umständen Erschütterungen davonirägt.
Soweit ich mich erinnere, wurden über diese
Frage seinerzeit in Berlin Versuche gemacht. Ich
habe mir auch Auskunft erholt, es ist mir aber
nicht gelungen, das Schriftstück wieder aufzufinden,
Direktor Coninx: Ich habe im vorigen Jahre
Versuche bei einer Leitung von 8500 Volt angestellt.
Wir haben direkt mit Hydranten aus einer Wasser-‚eitung
von ca. 3 cm Strahldicke im Durchmesser in
die Leitung gespritzt. Es wurde zuerst ein Amperemeter
und dann ein Telephon zwischen Mundstück
and Leitung eingeschaltet. Die Leitung war 8 m
über der Erde. Es hat sich aber keine Spur von
Ableitung ergeben.
Referent: War dabei eine andere Leitung
an Erde gelegt? Man muls m. E. in der Praxis
Jamit rechnen, dafs zufälligerweise eine Leitung an
Erde liegt, oder dafs Sternschaltung mit geerdetem
Nullleiter angewendet wird.
Direktor Coninx: Das war nicht der Fall.
Oberingenieur Wilkens: Ich kann berichten,
dafs bei uns einmal die Feuerwehr wegen eines
durch Kurzschlufs entstandenen kleinen Brandes
auf Veranlassung von Strafsenpassanten erschien.
Es hatte die geteerte Juteumwickelung eines Kabels
Feuer gefangen, und die benachbarten Kabel erschienen
hierdurch gefährdet. Trotz unseres Ein-;pruches
wurde auf die Kabel mit Wasser gespritzt,
wobei die Feuerwehrleute derartige elektrische
Schläge bekamen, dafs dieselben sich schliefslich
wveigerten, in dieser Weise weiter zu arbeiten. Die
Spannung betrug 550 Volt.
Direktor Agthe: Gelegentlich eines Transfornatorenbrandes
wurde von der Feuerwehr in das
Transformatorenhaus hineingespritzt. Es kam hierei
zur Sprache, welche Gefahren das für die Feuerwehrleute
hätte. Für diese Frage haben sich die
ewerberäte und Inspektoren interessiert, auf deren
Veranlassung wir in Oberschlesien einen Versuch
zemacht haben, wobei wir Leitungen von 6000 Volt
Wechselstrom, 500 Volt Gleichstrom und 120 Volt
Wechselstrom einmal mit reinem und einmal mit
ıngesäuertem Wasser anspritzten. Veröffentlicht
werden die Resultate in der E. T. Z. Es hat sich
nierbei ergeben, dafs man bei Wechselstrom, selbst
ei 6000 Volt, an die Leitung bis auf 20 bis 25 cm
ı1erankommen durfte, ohne dafs eine merkliche
Spannung an dem Spritzenmundstück vorhanden
war. Bei Gleichstrom zeigte sich eine verhältnisnäfsig
höhere Spannung.
Direktor Rudolf: In einer Hausinstallation
abe ich die Beobachtung gemacht, dafs bei 100 Volt
Wechselstrom die Feuerwehr Schläge verspürte. Es
var eine Installation in einer Tischlerei, und es
var bei dieser Spannung den Leuten kaum möglich,
zu arbeiten.
Direktor Thomas, Deuben: Wir haben seiner
Zeit Versuche mit 2000 Volt gemacht. Eine Leitung
st nicht an die Erde gelegt worden, sondern ebenfalls
soliert geblieben. Dabei hat sich nicht das Geringste
zezeigt, wonach das Spritzen hätte eingestellt werden
nüssen. Wenn von anderer Seite gegenteilige Erahrungen
vorliegen, so hängt das mit der Leitungsähigkeit
des Wassers und der einseitigen Erdung
les Leitungssystems zusammen. Das Wasser selbst
ı1at, wenn es einigermafsen rein ist, einen sehr grofsen
Leitungswiderstand, welcher durch die beim Spritzen
antstehenden Luftbläschen im Wasser ganz erheblich
arhöht wird.
Direktor Bender: Einem Wunsche des Komnandos
der Würzburger Feuerwehr nachkommend,
stellte ich hierüber, nachdem ich dies schon einmal
n früheren Jahren in Aachen gethan hatte, einzehende
Untersuchungen zur Beruhigung der Feuervehrmannschaften
an, die bei der Ausübung der
Löschthätigkeit gegebenenfalls elektrische Schläge
Jefürchteten.
Bei diesen Versuchen stellte es sich heraus,
dafs es keinerlei Bedenken hat, gegen die Fahr-