Dez. 1917 Mitteilungen der Vereinigung der Elektrizitätswerke. Nr. 207. 407
Elektrizitätsentwicklung liegt, wird den Fernkraft- des FElektrizitätsabsatzes vor. . Herr Dr. Thierbach
plänen stets verständnislos gegenüberstehen. stellt auch hier Behauptungen auf, die in meinem
Thierbach, Aufsatz keinerlei Stütze finden können. . Ich habe
Erwiderung. nur gesagt, daß die stärkere Einführung elektrischer
Herr Dr. Thierbach stößt offene Türen ein. Arbeit in die verschiedenen Betriebe nicht den
Über die Frage der in Elektrizitätswerken erforder- großen Einfluß auf die Benutzungsdauer der Eleklichen
Maschinenreserven habe ich mich weder in trizitätswerke haben könne, wie von vielen Seiten
meinem Hauptbericht vom 4. Dezember 1916 noch behauptet würde. Ebenso wie in seinem Buche
in meinem Aufsatz vom September 1917 irgendwie ‚Fernkrafitpläne“ behauptet Dr. Thierbach auch hier,
geäußert. Ich habe lediglich von der „Maschinen- daß meine „Nahkraftwerke“ wirkliche Großabnehmer
ausnutzung“ im Sinne der „Benutzungsdauer“ gar nicht versorgen können. Die Nahkraftwerke
sprechen wollen, wie aus meinem Aufsatz ohne sollen durchschnittlich, wie aus meinem Hauptweiteres
erkenntlich sein dürfte. Aus der Klingen- ericht hervorgeht, Maschinenleistungen von zuberg’schen
Formel t=8760.n.r (t=— Benutzungs- 3ammen 32000—40000 kW haben und können Bedauer,
n == Ausnutzungsfaktor, r=— Reservefaktor) ‘rieben mit mehreren tausend Arbeitern die elekergibt
sich unter Benutzung der von Klingenberg rische Arbeit zur Verfügung stellen. Nach vieler
für die Großkraftwerke gewählten Werte (n == 1,40, Ansicht handelt es sich hierbei um wirkliche Großr=—
1,25) eine Benutzungsdauer von rund 4400 abnehmer. Das Nahkraftwerk wird im übrigen
Stunden, während die heutigen Elektrizitätswerke Tiejenige Größe annehmen, die durch die örtlichen
durchschnittlich 2000—3000 Benutzungsstunden auf- Verhältnisse bedingt ist, und auch zu Maschinenweisen.
Aus diesem Grunde sprach ich mit Recht 'eistungen von 100000 kW auswachsen, falls die
von der Annahme einer Verbesserung der Maschinen- Absatzmöglichkeit gegeben ist. Die Gewinnung
ausnutzung um 50—100 v. H. Auch lag jetzt von Großabnehmern ist nicht nur eine Zukunfitskein
Anlaß für mich vor, auf die anderen Unkosten aufgabe der Elektrizitätswerke, sondern ist seit langer
von Elektrizitätswerken wie Löhne, Kohlen usw. Zeit das Zeichen, unter dem die ganze öffentliche
einzugehen. Es wäre Torheit, zu bestreiten, daß Elektrizitätswirtschait sich bewegt.
SI größeres Elektrizitätswerk billiger arbeiteit als Die Einsicht in eine solche Binsenwahrheit
ein kleineres; in meinem Hauptbericht habe ich die Fachmann absprechen zu wollen. würde eine
Erzeugungskosten der verkuppelten Großkraitwerke Beileid: ACHT P . nn
1 . 2 - eleidigung für den Angegrifienen sein. Da wohl
um “/z Pfennig je kWh niedriger bezeichnet als „; ang den Angriff auf mich beziehen kann, bleibt
diejenigen der „Nahkraitwerke“, ein Unterschied MEAN 8 . a
; ee er ed es rätselhait, was Herr Dr. Thierbach mit seinen
der eben auf die bei größeren Elektrizitätswerken W RE
dt Bla gr orten beabsichtigt hat.
günstigeren Verhältnisse bezüglich Reservehaltung.
Benutzungsdauer, Bedienung usw. zurückzuführen
ist. Die Berechnungen des Herrn Dr. Thierbach
sind somit vollständig gegenstandslos.
Fernerhin meint Herr Dr. Thierbach mir in
der Wahl des für die Belastungskurven ausgesuchten
Jahres nicht beistimmen zu können. Er will das
Kriegsjahr 1916 statt des Friedensjahres 1913 benutzen.
Ich glaube gute Gründe für die Wahl von
1913 zu haben. Die Kriegsjahre haben eine außerordentliche
industrielle Beschäftigung geschaffen,
die nach dem Kriege.normalen Verhältnissen wird
wieder Platz machen müssen. Eine solche außerordentliche
Beschäftigung führt zur außerordentlichen
Benutzung der elektrischen Arbeit hinsichtlich Menge
und Art, die man zum Vergleich für künftige friedliche
Verhältnisse nicht nehmen kann. Anderseits
ist z. B. der großstädtische abendliche Lichtbedarf
in Kriegszeiten zum großen Teil fortgefallen und
damit die Benutzungsdauer vorübergehend verbessert
worden. Ferner wirft mir Herr Dr. Thierbach
pessimistische Ansichten über die Entwicklung