Volltext : Württembergische Kirchengeschichte bis zum Ende der Stauferzeit

Kirchenvogteien, Organisation des Kronguts 249

tungsaufgaben, welche zumal auch durch die aufkommende Geldwirt—
schaft schwieriger geworden waren, verlangten jetzt wirkliche Fach—
männer, wie sie die Kirchenfürsten fast immer schon aus den Reihen
der Weltgeistlichen oder Mönche zur Verfügung gehabt hatten. Ver—
waltungseinheit wurde ein Amt tcéfficium), meist kein geschlossener
Bezirk mit fester Umgrenzung, sondern durchsetzt von anderen Herr—
schaftsgebieten; es umfaßte in einer Verwaltung ebenso das Reichs—
wie das Hausgut, öffentliche wie rein grundherrliche Rechte. Die
Amtsdauer der Beauftragten war beschränkt, des Königs Wille er—
nannte sie und rief sie wieder ab. Ihnen war auch der Schirm der
Klöster und Stifter innerhalb ihres Amtes anvertraut: dem Amtmann
von Eßlingen wurde der Schutz von Denkendorf anbefohlen. Friedrich
ließ die einzelnen ÄAmter zu größeren Verwaltungsbezirken zusam—
menfassen: einen ansehnlichen Bezirk besorgte der Hochfreie Friedrich
von Bilriet (bei Schwäbisch Hall), der das Prämonstratenser Frauen—
kloster Lochgarten (nördlich von Weikersheim) zu schützen hatte und auch
als Vogt des Chorherrnstifts Öhringen und des Klosters Lorch an der
Rems wirkte. In den Jahren, da Schwaben und Ostfranken jeweils
minderjährigen Söhnen des Kaisers unterstanden, wurden Prokura—
toren (Pfleger oder Statthalter) für deren gesamte Gebiete ernannt:
so verwaltete der Edelfreie Degenhard von Hellenstein (über Heiden—
heim), ein besonders fähiger Helfer und Waffengefährte Friedrichs, in
den siebziger Jahren des 12. Jahrhunderts das Reichs- und Hausgut
in ganz Schwaben.
Einen bedeutenden Machtzuwachs erhielt der Kaiser durch die Nie—
derwerfung Heinrichs des Löwen, der um seiner selbstischen Interessen
willen sich geweigert hatte, die Reichspolitik Friedrichs zu unterstützen.
Er wurde 1180 in die Reichsacht und aller seiner Reichslehen für ver—
lustig erklärt; nach einem siegreichen Feldzug des Kaisers mußte er
sich 1181 unterwerfen und verlor seine Herzogtümer Bayern und
Sachsen, auch die Vogtei über das schwäbische Kloster Reichenau und
dessen Besitzungen.
Nach dem Hinscheiden Alexanders III. führte die Überzeugung der
Kardinäle, daß ein friedliches Verhältnis mit dem Kaiser notwendig
sei, 1181 zur Wahl des greisen Lucius III.; dieser war es, der wahr⸗
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schen Herrscherhause vermittelt hat. Im Jahre 1186 heiratete des Kai⸗
sers Sohn Heinrich die Nichte des normännischen Königs, Rogers II.
Tochter Konstanze. Der folgende Papst Urban III. brach die Be—
ziehungen zu Friedrich ab; in diesem letzten Streit des Kaisers mit der
Kurie standen die deutschen Kirchenfürsten einmütig hinter ihm. Doch
starb Urban schon nach zwei Jahren 1187; seine Nachfolger, die jedoch
            
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