Dritter Kreuzzug, Heinrich VI.
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deren Niedergang für mehrere Jahrzehnte aufgehalten. Sein Sohn
Heinrich VI. scharfblickend, von starkem Machtwillen, ein kühler
Rechner ohne Bedenken in der Wahl seiner Mittel, wurde am Oster⸗
fest des Jahres 1191 zum Kaiser gekrönt. An Stelle des Bischofs Gott—
fried von Würzburg, der im Juli 1190 auf dem Kreuzzug sein Leben
geendet hatte, wählte das Domkapitel den geistlich gewordenen jüng—
sten Bruder Heinrichs VI., Philipp, obwohl er dem Knabenalter noch
nicht entwachsen war; aber im Jahr 1192 nahm ihm der Kaiser das
Bistum wieder ab und übertrug es dem Bamberger Propst Heinrich;
Philipp trat in den weltlichen Stand zurück. Im November 1189 war
König Wilhelm III. von Sizilien und Apulien gestorben, und Hein—
richs VI. Gemahlin wurde die Erbin des Reichs. Aber der päpstliche
Lehensherr, der greise Coelestin III, der in der Vereinigung Unter—
italiens mit dem deutschen Reiche eine Gefahr für die Selbständigkeit
der Kurie erblickte und einen unerträglichen Druck für diese fürchtete,
wünschte Heinrichs Nachfolge nicht; dieser war erst von 1194 an im—
stande, das Reich zu erobern; sein Abgesandter Bischof Lupold von
Worms ließ 1096 die Mauern von Neapel und Capua schleifen).
Jeder Kaiser mußte ein freundliches Verhältnis zur päpstlichen Kurie
wünschen; selbst ein sehr starker Druck konnte dieser nichts anhaben,
die, auch wenn sie augenblicklich nichts erreichte, doch ihren Stand—
punkt grundsätzlich aufrecht hielt und geduldig auf eine Wandlung der
Verhältnisse warten konnte. Um die Spannung mit dem Papste zu be—
seitigen, nahm Heinrich VI. das Kreuz. Die von ihm geplante Kreuz—
fahrt versprach einen besseren Erfolg als irgend eine frühere; sie
sollte zur See unternommen werden. Das Heer sammelte sich im Som⸗
mer 1197 in den apulischen und sizilischen Häfen; seinen Kern bildeten
b000 vom Kaiser angeworbene Ritter; es stand unter dem Befehl des
Marschalls Heinrich von Kalden, eines Angehörigen des pappenheimi—
schen Geschlechts (genannt nach der Kaltenburg bei Stetten ob Lontal).
Im September fuhr das deutsche Kreuzheer ab, während der Kaiser
das Unternehmen von Sizilien aus zu leiten gedachte. Er war zur Zeit
der Abfahrt bereits schwer erkrankt und starb am 28. September, noch
nicht 33 Jahre alt. Die Kreuzfahrer konnten Beirut erobern; das wich⸗
tigste Ergebnis des Zugs aber war die Stiftung des Deutschen
Ordens. Die in Akkon versammelten Führer des Heeres faßten näm—
lich 1198 den Entschluß, eine dort während des Dritten Kreuzzugs ge⸗
gründete Spitalbrüderschaft zu einem den älteren Orden der Templer
und Johanniter entsprechenden geistlichen Ritterorden, den Brüdern
vom Deutschen Hause, zu erweitern, dessen Angehörige nur deutscher
Zunge sein sollten: es ist anzunehmen, daß sie den Auftrag dazu noch
1 Richarai de S. Germano Chronica: Muratori. Rerum Italicarum Scriptores VII p. 976.