Volltext : Württembergische Kirchengeschichte bis zum Ende der Stauferzeit

Verwaltung Schwabens, Empörung Heinrichs 297

Friedrich I. wollte wegen seines gespannten Verhältnisses zu Gre—
gor IX. jedes Zerwürfnis mit den deutschen Fürsten vermeiden, wäh⸗
rend Heinrich und seine Ratgeber offenbar nur die Lage diesseits der
Alpen überschauten. Er war erst nach langem Ausweichen und Sträu—⸗
ben beim Kaiser erschienen und mußte eidlich versprechen, diesem fortan
gehorsam zu sein. Daß aber die Klagen der deutschen Fürsten nicht
verstummten, zeigt die Beschwerde, die Bischof Hermann von Würzburg
 1234 wegen angeblicher Übergriffe der königlichen Beamten in—
nerhalb seines Bistums und Herzogtums erhob').
Das fernere Verhalten des jungen Königs war wenig geeignet, sei—
nen dem Kaiser gemachten Versprechungen Glauben zu verschaffen.
Heinrichs eigenwillige Politik hatte großes Mißtrauen des Vaters
gegen ihn hervorgerufen. Er und seine Vertrauten Heinrich von Neuf—
fen und Anselm von Justingen verfingen sich in einem immer stärke⸗
ren Widerspruch gegen das Eingreifen des Kaisers in die deutsche
Regierung. Im September 1234 entschloß sich der begabte, aber selbst⸗
herrliche und unbedachte König zur offenen Empörung; auf seiner
Seite standen auch Graf Egino von Urach sowie die Bischöfe Hermann
von Würzburg und der erst im Oktober des Jahrs gewählte Landolf
von Worms. Die Anhänger des Kaisers wurden mit Krieg überzogen,
das unter der Schirmherrschaft des Markgrafen Hermann von Baden
stehende Stift Backnang verbrannt'). Sogar mit dem seit 1226 neu⸗
gebildeten und dem Kaiser den Gehorsam versagenden Lombarden⸗
bund suchte Heinrich anzuknüpfen: im November 1234 sandte er den
Marschall Anselm von Justingen und den Würzburger Archidiakonus
und königlichen Kaplan Walter von Tannenberg an die Mailänder
und ihre Genossen ab und schloß mit diesen ein Bündnis. Friedrich
kam im Mai 1235 nach Deutschland, nachdem er sich zuvor des Einver—
ständnisses mit Papst Gregor IX. über die Niederschlagung des Auf—
standes versichert hatte. Der heftigste Widerstand wurde von den Par—
teigängern des Königs am Fuß und auf der Hochfläche der mittleren
Alb geleistet, wo die Neuffen, Urach, Justingen ihre Burgen hatten;
des Kaisers Truppen gerieten hier selbst ins Gedänge, bis Bischof
Heinrich von Konstanz, der einstige Protonotar, zu ihrer Hilfe herbei⸗
kam und die Gegner am 21. Juni im Ermstal geschlagen wurden').
Heinrich unterwarf sich zu Anfang Juli in Wimpfen dem erzürnten
Vater auf Gnade und Ungnade; er wurde des Throns entsetzt, in
Italien eingekerkert und starb in der Gefangenschaft 1242. Der Reichs⸗
tag zu Mainz im August 1235 erließ ein Landfriedensgesetz, welches
Aufruhr und Fehde in Deutschland ausrotten sollte. Die aufständischen
) Monum. Botsea XXX. 1 p. 221. Böhmer-Ficker 4068. — ) Wirt. Urk. B. IV S. 419. 420.
* 8 Württ. VBjsh. N. F. IV, 1805, S. 177 ff. Geschichte des Hauses Hohen⸗
            
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