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Stuttgarker Ausstellunas-Nachrichten.
Im ersten Rondell des mittleren Hauptgangs der An—
lagen, zwischen der weitgewölbten Platanen- und der anschließen⸗
den Kastanien-Allee, die 1881 von Paul Müller in Marmor—
ausgeführte Eberhardsgruppe, ein Denkmal Eberhards
im Bart und Versinnbildlichung schwäbischer Treue zum ange—
stammten Fürstenhaus nach Eberhards eigenem Wort auf, dem
Reichstag in Worms, „daß er sein Haupt konnt' kühnlich legen
jedem Unterthan in Schoß“ (Kerner).
In dem Rondell auf der Insel am Ende der Kastanien—
allee die (1830 von Hofer geschaffene) Hylasgruppe. (Den
schönen Hylas, Liebling des Herkules, schmeicheln die Nymphen
des Flusses Askarios zur Tiefe hinab.)
Am Eingang in den unteren Schloßgarten, den wir
nunmehr betreten, fallen uns die Kolossalgestalten der beiden
Pferdebändiger und ihrer edlen Tiere (1848 von Hofes
in Marmor gemeiselt) in die Augen.
Am Enñde der Hauptallee auf dem von der Eisenbahn
durchbohrten Bergvorsprung das Kgl. Landschloß Rosenstein
Der nächste und uralte Verkehrsweg von Stuttgart nach
Cannstatt ging für Fußgänger über die „Stuttgarter Staffel“
Diese führte vom felsigen „Kahlenstein“ hinunter an den Neckar
Der Kahlenstein war ein vielbesuchter Punkt mit entzückender Aus—
sicht, die u. a. Fr. Rückert und Gustav Schwab besungen haben
Auf dem Kahlenstein besprachen am 4. Mai 1794 Cotta und
Schiller den Plan einer zu begründenden großen Zeitung, deren
Leitung Schiller übernehmen sollte.
König Friedrich machte zu einer in's Auge gefaßten
Parkanlage die ersten Grunderwerbungen im Jahre 1807.
König Wilhelm J. nahm die Gedanken seines 1816 4 Vateres
neu äuf und ließ allmählich das ganze große Areal des Rosen—
steinparkes ankaufen. Im Jahr 1892 begannen Hofbaumeister
Salueci und Oberhofgärtner Bosch mit der Anlegung des
Parks und Erbauung des Schlosses, das 1829 zum Bewohnen
fertig stand.
Das Gebäude umschließt zwei Höfe und ist rings mittelst
Terrassen und zahlreichen Ausgängen mit dem Park verbunden.
Seine Architektur zeigt im Ganzen den Charakter der ober- und
mittelitalienischen Villen aus dem Anfang unseres Jahrhunderts
und im, einzelnen dieselbe antikisierende Richtung, wie sie am
de der napoleonischen Herrschaft fast überall im Schwunge
stand.
Das Schloß enthält in 74 Gelassen wertvolle Gemälde
und plastische Werke. Den Festsaal schmücken farbenreiche
Fresken von Gegenbaur und Dietrich und ein freundlicher
plastischer Figurenfries, die vier Jahreszeiten von Konrad
Weithrecht, den Speisesaal Deckenbilder von Dietrich, die
übrigen Gemächer Bildhauerwerke von Dannecker, Schwanthaler,
Pisani, Gemälde von Riedel, Scheffauer, Adam, die Giebel—
felder und Nischen Bildhauerstücke von Wagner, Distelbarth,
Mack u. a. Auf seinem geliebten Rosenstein hat der 83jährige
König Wilhelm J., der verehrte Vater seines Volkes, am
25. Juni 1864 mit den Worten: „Es ist doch schmerzlich,
von einem so schönen Land scheiden zu müssen“ seinen Geist
an den Schöpfer zurückgegeben.
Nordwestlich in dem 327 Morgen umfassenden Park die
Meierei, gegründet von König Wilhelm J., dem großen
Freund der Landwirtschaft, dem „Landwirt unter den Königen
und König unter den Landwirten“, und bestimmt „zur Erforsch—
ung fremder Viehrassen und Heranbildung eines vorteilhaften
Rindviehstammes“, welcher denn auch in den zur Berühmtheit
gelangten weißen Rosensteiner Rassen erzielt wurde.
Durch weitere Erwerbungen vergrößerte der König das
Areal in der Richtung gegen die neu angelegte Ludwigsburger
Straße.
Am 1. Juni 1840 wurde das von Zanth im Park nahe
am Neckar erbaute Theater eingeweiht.
Die Krone setzte der kunstsinnige König seinen verschönern—
den Unternehmungen auf mit der Wilhelma, jenem Komplex
von Hauptgebäuden und Pflanzenhäusern, inmitten herrlicher
Gartenanlagen, im formen- und farbenreichen tunesisch-algerischen
Stil Sommer- und Winterwohnung eines reichen Orientalen
darstellend. Diese ganze Märchenwelt wurde 1842-51 für
den König von dem hochbegabten Architekten L. Zanth ge—
schaffen. Der Zauber der fremdartigen Architektur erfaßt hier
den Besucher mit Macht, zugleich aber umweht ihn der künst—
lerische Geist, der aus dem ganzen Werke dringt, und wirkt
auf ihn ein die harmonische Ruhe, welche trotz all der Fülle
an Formen und Farben über die eigenartige Schöpfung ge—
breitet ist.
Hervorragendes wird an Pflanzen- und Teppichgärtnerei
in den Anlagen der Wilhelma geleistet. Forts. folgt.)
Die Elekkrizität in der medizinischen
Wilsenschaft.
Dr. med. 7 Jauser.
ne andere wichtige Beziehung der Elektrizität zum
lebenden Körper ergiebt sich aus den Erregungs—
erscheinungen, welche bei von außen her stattsin—
dender elektrischer Reizung der einzelnen Organe auf—⸗
reten. Am genauesten sind diese Erscheinungen bekannt bei den
Bewegungsnerven und den Muskeln; der sichtbare Ausdruck der
hier auftretenden Erregung ist die Muskelzuckung.
Setzt man nämlich die eine Elektrode, d. h. das eine Ende
des metallischen Leitungsdrahts, durch den der elektrische Strom
in den Körper ein-, resp. aus demselben austritt, auf eine
indifferente Stelle des Körpers (etwa das Brustbein), die andere
Flektrode dagegen über einen Bewegungsnerven, so entsteht im
Moment des Eintritts des Stromes eine kräftige Zusammen—
ziehung des zu dem Nerven gehörigen Muskels. Eine ähnliche,
wenn auch weniger ausgiebige, Zuckung als hier bei der „in—
direkten“ Reizung entsteht, wenn der Muskel „direkt“, durch
unmittelbares Aufsetzen der Elektrode, gereizt wird; und zwar
jat sich hier die interessante Thatsache herausgestellt, daß jeder
Muskel Punkte hat, von denen aus er am leichtesten gereizt
werden kann; es sind dies diejenigen Stellen, an denen der
Nerv in den Muskel eintritt.
Dabei zeigt dann jede der beiden Stromesarten, der
galvanische und der faradische Strom, ihre besonderen Eigen—
tümlichkeiten.
So wird durch das gleichmäßige Fließen eines gal—
vanischen Stromes keine Muskelzuckung bewirkt, sondern
nur durch das Hereinbrechen eines Stromes in den Nerven
oder Muskel oder auch durch das plötzliche Verschwinden des—
selben oder überhaupt durch eine plötzliche und starke Ver—
mehrung oder Verminderung der Stromstärke; auch zeigen die
heiden Pole bemerkenswerte Verschiedenheiten in der Intensität
hrer erregenden Wirkungen. Es würde zu weit führen, wenn
das Nähere hierüber und uͤber das daraus abgeleitete „Zuckungs—
gesetz“ an dieser Stelle besprochen werden wollte.
Im Gegensatz zu den Bewegungsnerven werden die
Empfindungsnerven der Haut und der Muskeln nicht bloß
durch Aenderungen in der Stromstärke, sondern auch durch
zleichmäßiges Fließen eines galvanischen Stromes in Er—
regung versetzt, wie das Gefühl von „Brennen“ oder „Spannung“,
bei staͤrkeren Strömen von Schmerz, beweist, das während des
Durchströmens beständig empfunden wird.
Der Sehnerv und der Gehörnerv stimmen in ihrer
Reaktion mit den Bewegungsnerven überein: bei der Oeffnung
und Schließung des Stromes und bei Aenderungen der Strom—
stärke, nicht aber während des gleichmäßigen Fließens des
Stromes entsteht eine blitzähnliche Licht- hder eine Klang—
empfindung.
Die Geschmacksnerven wiederum zeigen das Verhalten
der Empfindungsnerven der Haut, indem sie während der
ganzen Dauer des Stromes Geschmacksempfindungen ver—
nitteln, und zwar an dem einen (positiven) Pol eine stärkere,
mehr met llische, an dem anderen (negativen) Pol eine schwächere,
mehr stechende oder salzige Geschmacksempfindung.
Während der Durchleitung des Stromes durch den
Kopf entsteht Schwindel („galvanischer Schwindel“), eventuell
auch Gefühl von Betäubung oder Uebelsein, und zwar am
stärksten bei querer Durchströmung.
Ueber einige andere („elektrolytische“ ꝛc.) Wirkungen des
galvanischen Stromes soll später berichtet werden.