Full text : Stuttgarter Ausstellungs-Nachrichten (1896, Bd. 1)

Sltutkgarter NRusstellungs-NVachrichten.

wird. An die Herde reihen
sich eine Anzahl Thonöfen
in verschiedenen Farben
und Stilen, teils zu Gas
feuerung, teils zu Kohlen—
brand eingerichtet, an. Es
wird hier besonders auf den
patentierten ausziehbaren
Amerikaner-Einsatz hinge⸗
wiesen. Der Einsatz kann
zum Zwecke einer Reparatur
leicht aus dem Ofen heraus—
gezogen und wieder einge—
setzt werden, dadurch wird
das zeitraubende und mit
großen Kosten verknüpfte
Abbrechen des Thonofens
gespart. Auf dem Füll—
schacht des Einsatzes ist fer—
ner ein selbstthätiges Gas—
abzugsventil angebracht,
dasselbe öffnet sich beim
Drehen des Griffes an der
Fallthüre, so daß die im
Füllschacht sich befindlichen
Gase in das Kamin ent—
weichen. Das Ventil ver—
hindert demnach das Aus—
treten der Gase in das
Zimmer, was ein bekannter
Uebelstand aller Amerikaner-Oefen ist. Als
praktisch und schön ist eine tragbare Spül—
einrichtung, in Porzellan ausgeführt, mit
zwei Spül-Bassins und Marmorablauftisch
zu erwähnen.
Carl Liebhardt, Eßlingen, hat
neben dem Einbau der Metallwarenfabrik
Geislingen ein photographisches Atelier
etabliert, in welchem Aufnahmen mittels
elektrischen Lichts gemacht werden, worüber
wir in Nr. 88 in dem Artikel „Porträt—
aufnahmen bei elektrischer Beleuchtung“
berichtet haben. Auch in der Aufnahme
von Ausstellungsgruppen und -Objekten
mittels künstlicher Beleuchtung hat die Firma srsed ene—
erzielt. Die ausgehängten zahlreichen Photographien, darunter
viele auf der Weltausstellung in
Chicago aufgenommene, beweisen
die hohe Leistungsfähigkeit der
Firma speziell auf industriellem
Gebiet.
Auf der gegenüberliegenden
Seite der Geislinger Koje beim
Aufgang zur Galerie hat die
Knopffabrik Schorndorf, In—
haber Karl Breuning, Schorndorf,
ausgestellt. Wir finden einerseits
gepreßte Hornknöpfe aus Ochsen—
hufen, anderseits gefräste farbige
Hornknöpfe, sogen. Perlmutter—
imitation, aus Büffelhorn herge
stellt, in geschmackvoller Weise ver—
einigt. Schon von der Ferne fallen
dem Beschauer zwei sich auf grauem
Grund schön hervorhebende Kronen
ins Auge, welche aus grünen, für
Forstbeamte bestimmten Wappen—⸗
knöpfen gebildet sind. Eine der—
selben besteht aus Knöpfen für
Staats- und Städtische Forstbeamte
mit den entsprechenden Länder- und
Städtewappen. Es sind darunter
die größten deutschen Staaten, wie
Preußen, Bayern, Sachsen, Würt
temberg, Baden, wie auch die
kleineren in reicher Anzahl vertreten:

desgleichen Städte, wie
Frankfurt, Lanenberg, Col⸗
berg ꝛc. — Die zweite Krone
enthält Knöpfe für Privat—
forstbeamte; obenan stehen
hier die Privatwappen Ihrer
Majestäten des Deutschen
Kaisers und des Königs von
Württemberg; diesen reihen
sich die Wappen vieler Fürst⸗
lichkeiten, z. B. die von Fürst
Bismarck, Fürst Hohenlohe⸗
Schillingsfürst, Fürst von
Fürstenberg, Graf von Stol⸗
berg⸗Wernigerode u. a. an.
Im Mittelfeld des Schrankes
treten besonders die großen,
für die Damenmäntel-Kon—
fektion bestimmten Knöpfe
hervor. Jeder einzelne dieser
Knöpfe ist ein kleines Kunst⸗
werk, dessen Anfertigung
mehr Mühe kostet, als der
Beschauer ahnt. So viel
uns bekannt, giebt es nur
sehr wenige Fabriken, welche
im Stande sind, derartige
zur Zeit von der Mode
verlangten Ausnahmsgrößen
herzustellen. Neben diesen
großen Knöpfen und in verschiedenen
Bildern damit vereinigt, finden sich
Kleiderknöpfe in mannigfaltigster Aus—
führung.
Die Schorndorfer Knopffabrik hat
sich zur größten Fabrik Deutschlands in
ihrer Branche emporgeschwungen und
ihre Fabrikate nehmen seit Jahren die
erste Stelle ein. Es ist aber auch aus
den ausgestellten Fabrikaten ersichtlich,
welche Mühe und Sorgfalt auf die Aus—
führung auch der einfachsten Knöpfe
oerwendet wird.
Die Fabrikation von Rundwirk⸗
maschinent mit den allersinnreichsten Spezialmechanismen für
Herstellung aller möglichen Formen und Muster hat in den
letzten Jahrzehnten in unserem
engeren Vaterlande eine recht
bluͤhende Entwicklung genom⸗
men. Eine der rührigsten und
ältesten Fabriken ist zweifels—
ohne C. Terrot, Cannstatt,
die sich auch hier in der Aus—
—3 durch Vorführung ihrer
reichhaltigen und äußerst inter—
»Nessanten Erzeugnisse bemühte,
dem Publikum zu zeigen, zu
welch hohem Grade der Vollkommen—
heit und zu welch vielseitiger Ver—
wendungsfähigkeit sie diese Rundwirk
maschinen gebracht habe. Mit berech—
tigtem Staunen verfolgt Fachmann
und Laie, wie mit kaum glaublicher
Geschwindigkeit Masche an Masche sich
reiht zur Herstellung jener schlauch—
förmigen Stücke, die dann zu Hemden,
Strümpfen, Ober- und Unterkleidern
verarbeitet in alle Welt wandern.
Von den ausgestellten Maschinen
möge zuerst eine Plüschmaschine er—
wähnt sein und zwar eine mit selbst—
thätigem Schneidzeug, die bei Ver—
wendung zweier Sorten doppelschnäb—
liger Platinen diverse Muster erzeugt.
Eine zweite Maschine, welche oben—
abgebildet steht, besitzt einen Ringel

Rundwirkmalchine von C. Terrvf, Cannstalt.

s— ⸗
—
e —

vrzisons-Typen-Arüsmalchine von C. Terraft. Canntzafte
            
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