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Anders aber gestaltet sich die Beurteilung, wenn wir uns die
Frage vorlegen, ob nicht wenigstens ein Stück, ein Erzeugnis der
Seele den notorischen, physikalisch bedingten Zusammenbruch des
Seelenwesens überdaure. Es ist nun denkbar, daß sich Psychonen
dermaßen von den Elektronen emanzipieren, daß sie beim Tode der
Seele als selbständige Bildungen bestehen bleiben, als Keime indi—
vidueller Unsterblichkeit. Je selbständiger, zusammenhängender und
geschlossener solche Bildungen sind, desto eher werden sie im Ur ent—
eilend ihren endlosen Weg finden. Wenn wir nun weiter erwägen,
welcher Art diese Dauer⸗Psychonen sein könnten, so kann sich darauf
keine andere Antwort ergeben als die, daß es nur das Höchste sein
kann, was die Seele hervorzubringen und mit dem Ur zu verknüp—
fen imstande ist, nämlich die Triebfeder und innerste Gesinnung der
Seele, der Besitz an geistig-sittlichem Inhalt und Tendenz, den sie
sich erarbeitet hat. Dieser Inhalt kann nur in der Entwicklung der
idividuellen Anlage erworben werden. Die Tiere haben diesen
Geistbesitz nicht; die meisten Menschen versäumen, ihn zu erwerben;
so hat es bei Tieren und der Mehrzahl der Menschen mit dem end—
gültigen Erlöschen der Seele sein Bewenden. Nur die Minderzahl
erwirbt diesen dauerhaften Geistbesitz, das Selektionsprinzip gilt
auch für die geistige Welt, es findet eine psychische Auslese aus
der Menschheit statt, nach dem Worte: Viele sind berufen, wenige
aber auserwählt. Zwischen den vergänglichen Bildungen und den
geistigen Dauerformen kann noch eine dritte Art angenommen wer—
den, welche im Unmoralischen verfestigte geistige Dauerformen dar⸗
stellen und im Ur der allmählichen Vernichtung anheimfallen. Die
phantastischen Bilder von Himmel und Hölle dürfen getrost der Ver⸗
gessenheit übergeben werden; die dunkle Ahnung jenseitiger Ver—⸗
geltung findet in geistigen Zuständen nach dem Tode genügende
Erfüllung. So viel aber ist sicher: Jene Dauerformen ewigen Lebens
können nur ein traum⸗- und dämmerhaftes Dasein führen, da sie
Impulse nur von dem Ur empfangen und in Gott ruhen. Sie haben
hre Aufgabe erfüllt, die potentiellen Energien, die in ihnen beschlos⸗
sen waren, entfaltet und sind mit ihrer Entwicklung wieder in das
Ur eingegangen. Ihre Werke folgen ihnen nach. Aber ein wirk⸗
liches, persönliches Leben, eine reelle Existenz ist das doch nicht zu
nennen, eher eine Art Unterbewußtsein in Gott. Deshalb hat das
Christentum die Auferweckung von den Toten proklamiert. Da die
verwesten Teile wieder in den Kreislauf des Stoffes eintreten, so
haben wir an eine Wiederverkörperung des geistigen, im Ur weilen—
den Keimes zu denken, als des einzigen dauernden AUberbleibsels
von dem Verlebten. Eine Wiederbelebung oder Wiederverkörperung
zu neuem geschichtlichen Leben ist nur denkbar als Neuschöpfung,
As neue Weltbildung, wobei entweder die gleiche Entwicklungsfolge