Epoche fabrizieren, vielmehr haben die
seit Bestehen des Reichsausschusses für
Friedhof und Denkmal in die richtige
Bahn gelenkten Bestrebungen ihren guten
Einfluß ausgeübt, und tüchtige mit dem
Material vertraute Künstler sind überall
am Werk, die Denkmalformen immer mehr
und mehr höheren Anforderungen anzupassen.
Das Frankfurter Ortsstatut aber
würde, wenn es unverändert zum Beschluß
erhoben würde, eine durch nichts
gerechtfertigte Schädigung der Natursteinindustrie
bedeuten.
Noch ein paar Worte zu dem Typengrabmal,
das laut Ortsstatutentwurf von
der Stadt um billiges Geld jedem geliefert
wird, der keinen Grabstein setzen läßt.
Dieses Typengrabmal ist ein glatter,
niederer sogenannter Kissenstein, aus
Kunststein.4 Es ist nicht wahr, daß dieses
Steinsurrogat durch das ortsansässige
Handwerk geliefert werden muß. Ein
Zuruf eines der,oben genannten Stadtverordneten
auf die diesbezügliche Frage des
Handwerkvertreters sagte deutlich, daß
dem Handwerk der Typenstein in Auftrag
gegeben wird, „wenn es billig genug
sei“, Es liegt leider in der Linie mancher
Stadtverwaltungen, die eigene Regie
auch auf Gebiete auszudehnen, die seither
das steuerzahlende Handwerk inne
hatte. Aber auch nach einer anderen Seite
hin mag die stadtseits erfolgende Lieferung
eines Typengrabmals noch zu
beanstanden sein, nämlich nach der Richtung
hin, daß hier auch Werte des Gemüts,
die man in der heutigen aufgewühlten
Zeit zu. bewahren Suchen sollte, verloren
gehen, wenn es bei einem Trauerfall
genügt, dem Friedhofsamt gegen Anrechnung
einer Gebühr Alles, auch das Grabmal, zur
„billigen Besorgung“ zu überlassen.
. Für alle an der Hebung der Friedhofskunstf
befeiligfen interessierten Kreise nicht weniger
als für den Reichsausschuß für Friedhof
und Denkmal’ ist das unpolifische,
unklare und insachgemäße Vorgehen des
Frankfurfer Friedhofsausschusses eine unerquickkliche
und unerfreuliche Sache. Man muß
sich wirklich fragen, war das alles notwendig,
nachdem in jahrelanger, mühevoller Arbeif die
Richflinien des Reichsausschusses zum Abschluß
gebrachf und der Offenflichkeit vorgelegt worden
sind? Und welcher war der fiefere und
leßte Grund, daß die maßgebenden Frankfurfer
Herren dieser Richflinien zu entbehren
glaubten? Der Reichsausschuß für Friedhof
und Denkmal steht vor großen Aufgaben. Wir
erinnern nur an die unter seiner Mitwirkung
und Anwendung erfolgte Gründung des Landesausschusses
für Friedhof und Denkmal in Sachsen,
an die bereifs erfolgten Vorarbeiten zu
ähnlichen Gründungen in einzelnen preußischen
Aus der Friedhofsanlage in der Gartenbauausstellung in Dresden.
Arch.: Oswin Hempel und Wilhelm Röhnick, Aufn.: A. P. Walther, Dresden.
Provinzen. Sollen sich die in Frankfurt gezeigten
und durchaus nicht behobenen Gegensäße
allenthalben wiederholen? Die Aussicht
wäre furchtbar, die ganze große Arbeif des
Reichsausschusses in Frage gestellf. Aus den
Ausführungen der Tagespresse anläßlich des
Frankfurter Friedhofsstreites ist klar zu enfnehmen,
wie weifeste Kreise an diesen Bemühungen,
die Kunst auf dem Friedhof zu
heben und zu pflegen, interessiert sind. Mitf
Bedauern ist aber auch fesfzusfellen, daß die
Arbeit des Reichsausschusses all diesen Kreisen
anscheinendermaßen unbekannf geblieben
isf, Das kann nicht so weifer gehen.
Der Reichsausschuß muß sich ernsflich mit
Organisafionsfragen, mit der systemafischen
Bearbeitung der Typenpresse, mit der ganzen
aunmehr zu leisfenden Kleinarbeit befassen.
Hierzu gehören Zeif, Hilfskräfte und Geld.
Hier endlich Klarheit zu schaffen, dürfte wohl
die dringlichsfe Aufgabe der nächsten Vollversammlung
des Reichsausschusses sein.
Rober{B. Witfe.