Volltext : Stadtbaukunst alter und neuer Zeit und Friedhof und Denkmal (Jhg. 7, 1926)

WETTIN VON OSTZN

Vorn: die Häuser „am Petrusbrunnen‘“. Links: Das Oberbergamt. Rechts: Die
Straße „zwischen den Bergen“ und die Malzmache. Darüber: Der Winkel und
die Stadt, Hinten: Das Amtshaus. das Rathaus und die Stadtkirche.

schönen neuen Gebäuden auf der Seite 'nach der
Stadt.“ Es ist ein schlichter Bau, dessen Hofseite
unten teilweise vermauerte Flächbogenstellungen auf
starken Pfeilern zeigt, sonst sind die. geputzten
Wandflächen schmucklos, die Einfassungen der
Fenster aus Sandstein einfach profiliert. An Kunstformen
 zeigt nur die Stadtseite einen vorgekragten
Erker mit einem Doppelwappen, einem Baurest des
16. Jahrhunderts. Daneben befindet sich ein Aborterker.
 Das jetzt ganz schlichte Dach zeigte früher
eine Anzahl Dachgaupen. Linker Hand vor dem
ehemaligen Tore zum Hof befand sich die „Wasserpforte“,
 durch die jedenfalls ein Pfad nach der
Saale hinunter führte. Jetzt kommt man durch sie
in den sogenannten „Pfortengarten‘““ mit herrlichem
Blick in das Saaletal. Der bastionartig scharfe Vorsprung
 neben der Pforte trägt jetzt ein Gartenhaus,
das schon 1770 als „Lusthaus“ erwähnt wird. An
dem steilen Auffahrtswege zum Burghof liegt rechts
unten ein altes Torwarthaus, den Fenstereinfassungen
nach aus dem 16. Jahrhundert. Die Abschlußmauer
linker Hand zeigt einige jetzt vermauerte, außen
kreisrunde Schießscharten. Nach einer im Wettiner
Rathausturmknopfe erhältenen Urkunde suchten zwei
schreckliche Feuersbrünste am 13. März und
24. April 1660 die Stadt heim, wobei auch „der
fürstliche Amtshof, die adlig Trothische Meierei,
Rat-, Pfarr- und Torhäuser“ sowie über 90 Bürgerhäuser
 und viele Scheunen verbrannt sind. Der
„fürstliche Amtshof‘“, auch ‚Grafenhof“ genannt,
und die adlig Trothische Meierei, d. h. der zur
Oberburg gehörige Wirtschaftshof, bildeten zusammen
 mit den wenigen später in Privatbesitz befindlichen
 Grundstücken innerhalb des Burgbereichs den
unteren Teil der Oberburg, der sein heutiges Aussehen
 im wesentlichen nach diesem großen Brande
erhalten hat. Im Mittelalter enthielt er jedenfalls
außer den erforderlichen Wirtschaftsgebäuden die
Wohnungen der Burgmannen. Da die Wirtschaftsgebäude

 zum größten Teil im 19. Jahrhundert neu
erbaut sind, bietet der untere Amtshof jetzt völlig
das Bild eines ländlichen Wirtschaftshofes ohne jede
Burgenromantik. _
Die Stadt. Im Anschluß an die geschilderte
mächtige Burganlage und in ihrem Schutze ist schon
'm frühen Mittelalter die Stadt Wetltin entstanden.
Jrkunden oder sonstige Nachrichten über ihre
Gründung und die Verleihung des Stadt- und Markt-‚echtes
 sind nicht vorhanden. Man kann annehmen,
Jaß sie von den Wettiner Grafen in der Zeit, als die
Burg ihre größte Bedeutung besaß und einen Anziehungspunkt
 für Handwerker und Kaufleute bildete,
also in der zweiten Hälfte des 11. oder um die
Nende des 12. Jahrhunderts angelegt worden ist.
Nördlich von der Oberburg ist die einzige Stelle,
wo der Bergrücken sich mit flacherem Abfall zum
3Zachtal senkt, sodaß eine kleine etwas geneigte
Hochfläche entsteht. Hier liegt die Stadt, ungefähr
n der Form einer Ellipse, in deren einen Quadranen
 die Oberburg einschneidet und deren Achsen
>twa 300 und 200 m lang sind, von einer Ringnauer
 umschlossen, die sich bei der Burgpfarre an
lie Mauer der Burg anschließt, sich nach dem Bach
zu senkt, parrallel zu ihm bis in die Gegend des
1eutigen Friedhofes sich erstreckt, dann umbiegt und
auf der Höhe des Bergrückens am Aschenberg hinzieht
 und bei dem ehemaligen westlichen Wartturm
len Anschluß an die Oberburg erreicht. Die Mauer
st heute noch größtenteils erhalten, fällt aber gar
ıicht in die Augen, da sie innerhalb der Höfe. der
Grundstücke sich hinzieht, keine Türme besitzt und
lie ehemaligen Tore verschwunden sind. Unmittel-»ar
 unterhalb des Burgfelsens gleich links, wenn
nan aus dem früheren Burgtore heraustrat, etwa in
jem östlichen Brennpunkt der Ellipse, liegt das
Zathaus. Es ist ein verhältnismäßig stattlicher Bau
ron ursprünglich 2, jetzt 3 Geschossen mit in der
‘Aitte vortretendem Turm. der eine durchbrochene
            
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