Volltext : Die Farbige Stadt (Jhg. 4, 1929-30)

Stellen. Oberste Regel muß sein: Jeder Mörtel braucht
zum Erhärten genügende Feuchtigkeit. Wie oft aus
falscher Anschauung über das Wesen des Kalkes falsche
Maßnahmen getroffen werden, ersieht man z. B. daran,
daß vor kurzem in einer sonst vorzüglich geleiteten
Fachzeitschrift der Koksofen zum Austrocknen von
neuen Räumen als vworsintflutlich ‘bezeichnet und
empfohlen wurde, rechtzeitig die Heizung einzubauen
und hiermit den Neubau auszutrocknen. Es gibt zwar
heute bessere Austrocknungsmethoden als mit Kokskörben,
 das ist schon richtig. Daß es aber grundverkehrt
ist, das Austrocknen mit der Zentralheizung vornehmen
zu wollen, wird jedem klar geworden sein. Man bekommt
 auf die Weise wohl den Bau trocken, aber dafür
 einen Putz, dessen Sand schon bald nach dem Beziehen
 des Gebäudes hörbar hinter der Tapete herabrieselt,
 und auf dem kein Anstrich haftet.
Es ist hier nicht der Ort und Zeit, noch weiter auf
den Putz einzugehen. Es ließe sich darüber noch recht
vieles sagen. Bei genügender Vorsicht und bei richtigem
Verständnis ist ein guter Putz heute durchaus möglich.
Trotzdem bleibt noch manches aufzuklären, damit Fehlschläge
 bei Putzbauten immer seltener werden. Das
wichtigste ist, daß in möglichst vielen Fällen, wo sich
ein Putz nicht bewährt, einwandfrei die Ursache festgestellt
 wird. Aber auch alte Putzflächen, die besonders
gut gehalten haben, sind nach jeder Richtung hin zu
untersuchen, und von dieser Untersuchung ist auch der
Putzgrund nicht auszunehmen. Schließlich ist ‚dringend
erwünscht, Probeflächen in der verschiedensten Zusammensetzung
 und Behandlung herzustellen, die genau

»eobachtet werden können. Selbstverständlich hat das
Ansetzen derartiger Probeflächen nur dann Wert, wenn
alle chemischen und physikalischen Daten, die sich auf
die Rohstoffe wie auf das Fertigprodukt, auf Putz und
Untergrund beziehen, für jede Probefläche bestimmt und
’estgehalten werden. Wenn dann später, nach langer
3ewährungsfrist guter Putzflächen, derselbe Sand und
dasselbe Bindemittel nicht mehr aus der alten Bezugsquelle
 zu bekommen sind, kennt man die genauen Eigenschaften
 der einzelnen Stoffe und kann die gleichen
anderswoher beziehen. Dazu kommt der große Vorteil,
 daß man bei solchen Dauerversuchen feststellen
wird, welche ganz bestimmt umrissenen Eigenschaften
erwünscht oder unliebsam sind. Versuche, die vorgenommen
 werden ohne die oben erwähnten Feststellungen,
 haben wenig Zweck, denn was sich gut bewähr$,
 ist ja später nicht wieder nachzumachen.
Ebenso würde die Kenntnis des Putzes wSentlich
vertieft werden können, wenn das wertvolle Material,
das der Bund zur Förderung der Farbe im Stadtbild
durch die Beantwortung seiner Fragebogen erhalten hat,
weiter bearbeitet würde. Es müßte zum mindesten an
möglichst vielen Stellen, wo ein Purz sich nicht bewährt
hat, die Ursache festgestellt werden. Schon daraus
würden sich viele neue und wichtige Lehren ergeben.
Wie viele Möglichkeiten farbiger Wirkung gegeben sind,
das erkennt man, wenn man nur die Probetafeln unserer
Farbenfabriken oder die Musterplättchen der Edelputzwerke
 ansieht. Von dauernd guter Wirkung können
aber diese Farben nur dann sein, wenn der Putz, auf
dem oder in dem sie sitzen, gesund und haltbar ist.

PROPYLAEN-WELTGESCHICHTE


Herausgegeben von Universitätsprofessor Walter Goetz, Leipzig
In 10 reich ausgestatteten Bänden. Band7 ist bereits erschienen.

Mit neuen Augen sehen wir die Welt! Der Weltkrieg, die ungeahnte
 Entwicklung von Technik und Wirtschaft, die Verschiebung
der Begriffe Raum und Zeit haben unsere Anschauungen von Grund
auf verändert. Objektiv betrachtet, bleibt zwar der geschichtliche
 Ablauf stets der gleiche, doch wird jede neue Zeit die
Vergangenheit mit anderen Augen sehen, weil die geheimen
Untertöne Sinn und Bedeutung auch der großen, weit schwingenden
 Akkorde wandeln.
Der Ganzleinenband kostet RM. 34.—. Der Halblederband RM. 38.—

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Merkur-Buchhandlung Dr. Ekkehart Staritz, Berlin W 50
            
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