Das Kasein stellt man sich aus frischem Quark
her, der mit Kalk gemischt sofort gerinnt und unverzüglich
verarbeitet werden muß, da es sonst
zu einem unlöslichen zähen Leim wird,
Das tiefrote Ochsenblut ist bei schwarz-braunrot-gefärbtem
Putz zu empfehlen, wenn man den
Farbton möglichst satt wünscht. Man tut gut,
irgendein Konservierungsmittel zuzusetzen. Eine
z. B. satt scharlachrote oder krapprote (Alizarincot
natürlich) Wandfläche kann man sehr gut auch
dadurch erzielen, daß man auf den rotgefärbten
Putz alfresco mit roter Farbe und Ochsenblut
einen Anstrich gibt.
Die besonderen Werkzeuge für Sgraffito sind
die Gravier- und Kratzeisen, Die von Gottfr. Semper
und danach bei Ernst Berger, „Entwicklungsgeschichte
der Maltechnik‘‘ Bd, V, abgebildeten
Eisen halte ich nicht für brauchbar. Am besten
zignen sich für die Zeichnung lange Nägel, deren
Spitzen man sich nach Bedarf verschieden grob und
fein zurechtfeilt. Außerdem braucht man einige
Hache Stukkateureisen unterschiedlicher Breite.
Den Gebrauch der Werkzeuge lernt man schnell.
und für jeden Künstler ist es eine wahrhafte Lust,
in dieser Riesenholzschnittmanier des Sgraffito, bei
der Stock und Druck eins ist, zu arbeiten. In der
Monumentalgraphik des Sgraffito liegt eine kraftvolle,
wuchtige Schönheit, die mit nichts anderem
versleichbar ist.
Arbeitsgang.
ı. Auf die Ziegelmauer wird als erste Schicht
zin Rauhputz aufgetragen, 1% bis 2 cm stark, dem
man Häcksel oder Kälberhaare beimengen kann.
Mit einem etwa 5 Zoll breiten Kamm, den man
sich aus Zinkblech fertigt, wird der Putz carriert, zur
besseren Aufnahme der Oberschichten. Nach mindestens
zweiwöchentlicher Trockenzeit kann die
Sgraffitoarbeit beginnen,
2. Ueber den Rauhputz zieht man einen Feinputz,
% bis % cm stark, aus Kalk und scharfem Sand,
der sorgfältig durchgesiebt ist und keine größeren
Körner mehr enthält, die sich durch die
3. Farbschicht durchdrücken würden. Über den
Putz 2 legt man den dunkelgefärbten Putz, 5 mm
nindestens stark, dünner ist nicht ratsam, da man
sonst leicht beim Eingravieren den
hellen Unterputz bloßlegt, was zeit--aubende
kleine Reparaturen verursacht.
Zu merken: die Farbe erhöht die Bindekraft des
Mörtels nicht, also Maßhalten beim Farbzusatz. Als
äußerstes Maß kann gelten: Mörtel zu Farbe, wie
3:1,
Die sehr gut zerriebene Farbe muß vorher in
Wasser oder Milch (Kasein usw.) aufs nachhaltigste
zu einem dicken Brei durchgerührt werden, in
lem keine Gallen (Klumpen) mehr bleiben, da diese
nicht mitabbinden oder aber beim Antragen
Schlieren geben und die letzte Farbschicht anfärben.
— Aus diesen Gründen ist darauf besonders zu
achten, daß der Putzer den Putz in vielen dünnen
Schichten aufträgt und mit dem Putzhobel ausgiebig
bearbeitet,
4, Schicht 2 und 3 werden in unmittelbarer Folge
aufgezogen, Schicht 4 jedoch erst dann, wenn jede
feuchtglänzende Stelle geschwunden ist, und der
Putz hart wird. also nach % bis 2 Stunden. Dies
ichtet sich nach dem Maß der Feuchtigkeit des
Zewurfs, Man muß es im Gefühl haben. Eine geyauere
Vorschrift ist hierbei nutzlos, da auch die
Mauersaugfähigkeit, Außentemperatur usf. stets
‚erschieden sind. Man fürchte aber nicht, die letzte
Schicht zu spät aufzutragen. Die Bildung der
-ohlensauren Kalkkristallschicht an der Oberfläche,
lie den Zusammenhalt mit der letzten Schicht ver-\indern
würde, tritt erst 10 bis 12 Stunden später
;in. Streicht man aber Schicht 4 zu
rüh ein, so färbt der Farbputz die
ı1elle letzte Schicht 4 mit und es entstehen
nicht wieder gutzumachende
1äßliche Streifen und Flecken. Dies ist ganz be-‚sonders
zu beachten.
2 Mm.
mnt efeu scoluhe Salpen Ele nr
Mas (66: Firemm, Baeihe)
Schicht 4 besteht aus Kalkmilch, gefärbt gemäß
lem Entwurf und durch ein sehr feines Drahtsieb
;jegeben; in der Konsistenz einer dünnen Mehl-;uppe,
wenn man zweimal (erst quer, dann senkecht)
streichen will, — oder eines guten Milchahms,
bei einmaligem {nur senkrechten) Antrich‘),
Wer einen flotten, sicheren Strich hat,
;oll nur einmal streichen. Er erhält dann bei
‚iniger Übung eine völlig fehlerlose Fläche ohne
'inselansätze. Bei zweimaligem Streichen muß man
‚:benfalls nach der ersten Lage warten, bis
lie Nässe nach hinten geschlagen ist. Man probiert
ın einer kleinen Stelle, nach einigen Miıuten,
Wird der erste Strich wieder mitgenommen,
nuß man noch mit dem zweiten warten. Sehr wichig,
daß der Helfer dauernd die Kalkfarbmasse, die
nan aus dem großen Gefäß in einen Eimer abgeschöpft
hat, umrührt, weil sich die Farbe sonst so-‘ort
am Grunde absetzt und sich verschiedene Ab-'önungen
später beim Trocknen ergeben. Besonders
*) Für 30 qm genügt ein Eimer Kalkmilchfarbe. Für
1 am Putz braucht man 25 Liter Mörtel,
A
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