Werkstoffprüfung an der Staatlichen Baugewerkschule
in Magdeburg, Herbst 1929.
Die Prüfung wurde nach dem Schema von Resierungsbaumeister
Stölzel, Görlitz (vgl. „Die farbige
Stadt‘ 1928, Nr. 10; 1929, Nr, 6), unter Beachtung
der Vorschläge von Prof, Dr. Wagner,
Stuttgart (vgl. „Die farbige Stadt‘ 1929/30, Nr. 9);
Jurchgeführt. Die Anordnung entspricht etwa der
in Zerbst an der Anhaltischen Bauschule gewählten:
nur hat man sich auf den Anstrich des
Putzes in zwei Zuständen — frisch und trocken —
beschränkt und auf die Behandlung alten Putzes
verzichtet. Auch wurden nur Kalkputz und Zementputz,
nicht hydraulischer Kalk, verarbeitet.
An Körperfarben wurden verwendet: Neapelgelb,
Ocker, Marsgelb, Chromorange, Eisenrot,
Marsrot, Siena gebr.,, Umbra, Caput mortuum,
Chromoxydgrün, Permanentgrün und Ultramarinblau.
Die Farben wurden mit Ausnahme des Ultramarins
von den Anhaltischen Farbwerken Dr, Augustin
& Co., Coswig, geliefert; das Ultramarinblau
von den Vereinigten Ultramarinfabriken A.,G,,
Köln,
An Bindemitteln wurden verarbeitet: Kalkmilch,
Kiesin (Henkel & Cie., Düsseldorf), Demiol
[Sächsische Grundinfabrik, Dresden), Leinölfirnis
{[Thörls Vereinigte Harburger Ölwerke), Imprex-Rapid-Firnis
(Gustav Ruth, Wandsbek), Cirinomatt
(Cirine-Werke, Chemnitz),
Die farbigen Trockenmörtel sind in
drei Farben — Gelb, Rot, Grün — verarbeitet
worden. Die Werkstoffe lieferten: Günther-Werke,
Auerbach i. V.; Terranova- und Steinputzwerke,
Düsseldorf; Terrasit-Industrie, Sprendlingen. Ferner
wurde das Hvyvdraulit (Farbzusatz zum Kalksutz)
der Firma Karl Knab, Schwandorf, in den
sleichen Farben verwendet.
Neu ist die Prüfung von Lacken im Rahmen der
Werkstoffprüfungen an den Baugewerkschulen, Sie
seschah auf Anregung von Prof, Dr. Wagner zuerst
in Magdeburg in folgender Form:
Bretter mit einer gehobelten und einer ungenobelten
Seite im Format 20X80 cm, beiderseitig
aufgeteilt in Flächen von 20X40 cm.
a) ungehobelte Seite der Bretter:
Leinölfirnis mit Körperfarben;
Imprex-Rapid-Firnis mit Körperfarben;
Voranstrich mit Temperol- Unikum - Holzschutz;
darüber Leinölfirnis mit Körperfarben;
Voranstrich mit Temperol- Unikum - Holzschutz,
darüber Imprex-Rapid-Firnis mit
Körperfarben;
b} gehobeltes Holz:
Leinölfirnis mit Körperfarben, darüber Temperol-Luftlack;
Imprex-Rapid-Firnis mit Körperfarben,
darüber Temperol-Luftlack;
Voranstrich mit Temperol- Unikum - Holzschutz,
darüber Leinölfirnis mit Körperfarben,
darüber Temperol-Luftlack;
Voranstrich mit Temperol- Unikum - Holzschutz,
darüber Imprex-Rapid-Firnis mit
Körperfarben, darüber Temperol-Lultlack.
Die Prüfungen an den Staatlichen Baugewerkschulen
Höxter und Eckernförde werden im Frühjahr
1930 beginnen.
Zum Aufsatz: Verwirklichung des Vorschlages zur „praktischen“
Förderung der Farbe durch Bauschulen
Von Studienrat Hecht, Holzminden
Der von Regierungsbaumeister Stölzel gemachte
Vorschlag zur praktischen Förderung der Farbe
lurch die Bauschulen ist unter allen Umständen zu
begrüßen. Trotz der vielen Worte, die schon darüber
gesprochen und gedruckt worden sind, daß bei
unseren heutigen Bauten, angesichts ihrer vollständigen
Entkleidung von allem Formenkram, die
Farbe eine neue Bedeutung erlangt hat, sind die Beispiele
doch noch recht selten, bei denen man von
einer wirklichen Beherrschung des neuen Ausdrucksmittels
sprechen kann. Es unterliegt deshalb gar
keinem Zweifel, daß die Bauschulen diejenigen Anstalten
sind, die dieses neue Ausdrucksmittel pflegen
und ihre Zöglinge darauf vorbereiten müssen, in der
Praxis den ausführenden Handwerkern gegenüber
lie richtige Entscheidung zu treffen, Es geht da
ireilich, wie immer in der Welt, wo viele Menscher
zusammenwirken, von denen die einen die größere
Spezialkenntnis, die anderen die größere Befehlsgewalt
haben. Es wird sich — natürlich vorausgesetzt,
daß überhaupt ein Techniker die Oberleitung
hat — immer dann um eine Preisgabe des der
leitenden Stelle zukommenden Bestimmungsrechtes
handeln, wenn der ausführende Handwerksmeister
‘Maler) merkt, daß der ihm übergeordnete Techıiker
ihm weder geschmacklich noch farbentechnisch
jewachsen ist. Besonders, wenn man bedenkt, daß
ieder auf sein Vorwärtskommen bedachte Malermeister
sich bemüht, andauernd über die neueste
Geschmacksrichtung wie auch über die neuesten
technischen Facherscheinungen auf dem laufenden zı
bleiben, wird man zugeben müssen, daß viele Techniker
weit davon entfernt sind, einem derartigen
Meister gegenüber das entscheidende Wort sprechen
zu können. Was soll aber werden, wenn beide nicht
auf der Höhe ihrer Aufgabe stehen? Die Verantwortung
für das Ganze trägt der Architekt, Techniker
oder wie er sich nennen mag. Und deshalb
dürfen die Bauschulen an dieser Frage nicht länger
achtlos vorübergehen,
Regierungsbaumeister Stölzel irrt aber, wenn er
glaubt, daß die Görlitzer Bauschule als erste diese
Notwendigkeit erkannt habe, Die Landesbaugewerkschule
Holzminden hat schon vor mehreren Jahren
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