auf Anordnung ihres Leiters, des Oberstudiendirektors
Professor Dr. Klopfer, in ihrem Lichthof
Edelputzproben in den verschiedensten Farben ausführen
lassen. Da aber diese Putz- und Farbproben
den Einflüssen des Wetters nicht ausgesetzt sind, hat
die Schule neuerdings auch im Freien an der Wand
eines Nebengebäudes Putz- und Farbenproben auf
22 Feldern anbringen lassen, die in erster Linie die
Bewährung verschiedener Farben in Verbindung mit
der einheimischen Putztechnik dokumentieren sollen.
Besonders die Frage, ob die Farbe dem Mörtel zugesetzt,
ob sie auf feuchten, halbtrockenen oder
trockenen Putz mit und ohne Kalkbindemittel aufgetragen
werden soll, war diesmal Gegenstand der
Untersuchung, Um diese Untersuchung auf eine
Reihe von Jahren erstrecken und immer wieder
einen Vergleich mit der frischen Wirkung (alsbald
nach der Fertigstellung) anstellen ‘zu können, wurde
von jeder Putz- bzw. Farbprobe ein Teil derartig
abgedeckt, daß er weder vom Licht, noch von der
Feuchtigkeit angegriffen werden kann, daß aber
gleichwohl jederzeit mühelos ein Vergleich zwischen
der geschützten und der ungeschützten Fläche gezogen
werden kann. Gerade das Bedürfnis unserer
Zeit, kräftige Farben anzuwenden, zwingt dazu, sie
mehr auf den Mörtel als in den Mörtel zu
bringen, und deshalb ist die Frage, inwieweit die
Farbe vom Wetter abgewaschen bzw. ausgebleicht
wird, besonderer Prüfung wert. Über dieses Bedürfpis
nach kräftiseren Farben möchte ich indes noch
ziniges sagen, da es durchaus nicht genügt, den
Schülern zu zeigen, in welch schönen kräftigen
Farben wir heute ein Haus erstrahlen lassen können.
Gerade die stärksten Gewürze müssen mit Maß genossen
werden, und länger als beim Genuß von allen
Xuchen und Torten wird der Mensch sich bei seinem
gewohnten Hausbrot wohlfühlen. Doch die Tatsache
bleibt bestehen, daß wir heute kräftigere und herbere
Tönungen vertragen können als sie beispielsweise
las süßliche Rokoko liebte. Dies sollte aber nicht
lazu führen, daß man aus Musik wüsten Lärm
nacht, Das Zusammenstimmen der Farben wird
stets den Übungen auf dem Papier vorbehalten
»leiben müssen. Es praktisch an der geputzten
Fläche vorzuführen, wäre mit sehr hohen Kosten
verbunden, denn es müßte dann der Putz und die
“arbe immer wieder entfernt werden, damit jeder
Schüler inne wird, wie anders fast jede Farbe nach
lem Auftrocknen gegenüber dem frischen Auftrag
aussieht. Und wie vieles wäre noch zu sagen über
lie feinsten Akkorde im Zweiklang, Dreiklang, Vierslang,
über die wunderbare Wirkung, die bei sparsamer
Verwendung von kräftigen Farben auf neu-:ralem
Hintergrund erreicht wird, wie überhaupt über
das Abwiegen der Farben nicht nur nach ihrer Helligkeit
und Leuchtkraft, sondern auch nach der Größe
hrer Fläche, Dies alles sollte im Unterricht nebeı
der praktischen Vorführung der Flächenproben nicht
versäumt werden.
Kleine Mitteilungen
In Stade (Elbe) veranstaltet die Stadtverwaltung im
Februar eine umfangreiche Ausstellung farbiger Architektur
mit dem Material des Bundes.
In Siegen (Westfalen) wird gleichfalls im Februar
eine große Wanderau:stellung des Bundes im Museum des
Siegerlandes zur Schau gebracht.
In Sommerfeld (Niederlausitz} zeigt der Bund der
Kunstfreunde im Februar einge kleine Sammlung farbiger
Architektur,
Vor kurzem wurde die Wanderausstellung des Bundes
in Jena (Prinzzessinnenschlößchen) und Greifswald (Heimatmuseum)
gezeigt,
Der Bundesvorsitzende, Oberbaurat Dr, Hellweg,
Leiter des Hamburgischen Baupflegeamtes, wurde zum
Baudirektor und Leiter der Hamburgischen Baumolizei
ernannt.
Der Ceschäftsführer des Bundes hielt in den letzten
Monaten verschiedene Lichtbildervorträge. In Lauenburg
(Elbe) leitete der Verein für freies Bildungswesen den
Vortrag in die Wege, in Ratzeburg (Lauenburg) der Bürserverein.
in Forst (Lausitz) der Magistrat, in Cuxhaven
der Rat, In Berlin war der Verband der Malereigzschälte
von Berlin und den Vororten Träger der Veranstaltung.
Der Kreis der Zuhörer in der Handwerkskammer war
sehr groß. In Ludwigslust wurde mit dem vom Rat veranstalteten
Vortrag eine Führung durch die Stadt ver-»unden,
die vielerlei Anregungen bot,
Der Leiter des Forschungsinstitutes für Farbentechnik
an der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Stuttgart, Dr.
Hans Wagner, wurde in Anerkennung seiner besonderen
Verdienste um die Farbenforschung zum Professor erıannt,
Prof, Dr. Wagner ist seit der Gründung des Bundes
Sachverständiger für Buntfarbzn und einer seiner eifrigsten
Mitarbeiter.
In der Pianoindustrie ist neuerdings eine Wandlung
'n der Färbung des Holzes eingetreten, die der Farbentireude
weiteren Spielraum als bisher bietet. Durch farbige
Spritzlackierung lassen sich die mannigfachsten
Tönungen des Holzes erzielen, Als erste hat diesen Weg
anscheinend die Pianofabrik August Förster in Löbau
beschritten, wie aus Berichten einer schwedischen Zeitung
ı1ervorgeht, Erwähnt wird ein hellblaues Stück, Für die
„ack- und Farbenindustrie ein Umstand nicht ohne Beleutung.
Geschäftliche Mitteilungen
Die Firma van Baerle & Co., Silinwerk, Frankfurt a. M.
und Gernsheim a. Rh. hat ihre Farbenfabrik nunmehr auch
ın Gernsheim a. Rh. in Betrieb genommen, Diese Fabrikanlage
verfügt über modernste und rationellste Einrichtung
und ermöglicht die Belieferung jedes Kunden in
billigster und schnellster Weise, Noch mehr als bisher
werden die Abnehmer der Silin-Mineralfarben durch vorteilhafte
Preise bei der anerkannten Qualität der Silin-Mineralfarben
Nutzen ziehen aus der Inbetriehnahme der
neuen Anlage. Besonders wird auf eine zu begrüßende
Einrichtung der Firma van Baerle & Co, hingewiesen. Das
Chemische Laboratorium dieser Firma steht jedem Kunden
kostenlos auf Rat zur Verfügung in Fachfragen über
WAineralfarben, wetterfeste Malerei usw.
Zur beschleunigten Erledigung werden die Kunden
gebeten, Korrespondenzen an die Adresse van Baerle &
Co., Silinwerk. Gernsheim a. Rh., Tel.-Nr. 4 u. Nr. 100 zu
ichten.
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