Volltext : Die Farbige Stadt (Jhg. 4, 1929-30)

PFensterumrahmungen durch Werkstoff und Farbe besonlers
 hervorzuheben. Als gut geeigneter Werkstoff für
lie farbige Gestaltung sind farbige Trockenmörtel zu
oezeichnen, da sie Gewähr für Dauerhalftigkeit, Lichtachtheit
 und Wetterbeständigkeit infolge der ihnen
eigentümlichen wasserabweisenden Fähigkeiten bieten.
Es ist auch für den Laien verständlich, daß ein solcher
arbiger Trockenmörtel, der in der Masse durchgefärbt
ist, schon an sich dieselben Eigenschaften wie ein dauernafter
 Naturstein besitzt, ist doch schließlich die Putzschicht
 nichts anderes als eine künstliche Steinschicht,
5ft in technisch besserer Ausführung, als es die Natur

Denkmalschutz und Far

Daß Denkmalschutz und Farbe nicht immer auf gutem
Fuße miteinander stehen, ist bekannt. Es ist verständlich,
daß der kunstgelehrte Denkmalpfleger mehr Freude an
den feinen Tönen der Verwitterung als an der klaren, unvermittelten
 Farbigkeit eines frischen Anstriches oder
Putzes hat. Darüber hinaus ist die Abneigung mancher
Konservatoren gegen die Farbe am Aeußeren der Architektur
 objektiv ungerechtfertigt. Nun begegnet man aber
neben diesen Fällen auch solchen, die zwar keine Abneigung,
 doch immerhin eine ausgesprochene Gleichgültigkeit
 der farbigen Gestaltung gegenüber dokumentieren.
So kürzlich in Bergedorf bei Hamburg, wo die schöne
schlichte Fachwerkkirche mit Backsteingefachen äußerlich
 neu hergerichtet werden sollte. Obgleich der Denkmalschutzbehörde
 ein guter Entwurf vom Baupflegeamt
vorgelegt worden war, zeigte sich das Bauwerk eines
Tages in einem denkbar häßlichen Gewande, welches anscheinend
 dem 19, Jahrhundert entliehen wurde: das
Fachwerk gelblich-braun, etwa in der Helligkeit des Backsteins,
 ebenso die hölzernen Fensterumfassungen. Nur die
Tür erhielt einen einwandfreien grünen Anstrich, das
Fenster weiße Farbe. Durch den verfehlten Anstrich des

aeistens in der Lage ist, zu vollbringen, da alle Zufälligceiten
 ausgeschaltet sind, Zur Hervorhebung der Archiekturteile,
 Fensterumrahmungen usw. eignet sich vor-:üglich
 der steinmetzmäßig bearbeitete Steinputz, der im
Zusammenhange mit der farbigen Putzfläche bei richiger
 Zusammenstellung die schönsten Wirkungsmöglichseiten
 ergibt.
Bei den Erneuerungen solcher Geschäftshäuser ist
such auf die Ausstattung der Treppenaufgänge, Dielen
ısw. zu achten, die verhältnismäßig wohlfeil, ohne Anvendung
 von Tapeten, teuren Täfelungen, Glasuren usw.
n Steinputz ausgestaltet werden können.

be am Bauwerk

Zalkenwerkes und der Fensterumfassungen ist der ganze
arbige Reiz der Kirche zerstört. Das Fachwerk hätte entveder
 dunkel — etwa schwarz, olivschwarz, dunkelbraun
— oder auch hell — etwa weiß, hellgrau —, gestrichen
verden inüssen, die Fensterumfassungen etwas heller, als
ier Backstein wirkt, keinesfalls in der Farbe des Balkenverkes,
 etwa blaugrau oder graugrün,
Die farbige Behandlung des Aeußeren einer Kirche ist
ıicht minder wichtig als die des Innern. Ob die Mittel
m einen Fall bescheidener sind als im anderen, ist beanglos.
 Wichtig ist vielmehr, daß die Schauseiten eines
irchlichen Gebäudes häufiger betrachtet wird als das
nnere, infolgedessen mindestens so berechtigten Anpruch
 auf sorgfältige Behandlung haben, wie dieses. Ein
suter Anstrich hätte nicht mehr gekostet als ein schlecher,
 abgesehen davon, daß der Anstrich des Holzes nur
ine Kleinigkeit bedeutete, So aber steht die schöne
Cirche für eine Reihe von Jahren in schäbigem Gewande,
ler Denkmalschutzbehörde als eine, hoffentlich wirksame
Mahnung zu besserer Sorgfalt bei der nächsten Instandsetzung.


Die Industrie der farbigen Trockenmörtel im
Bauiahre 1929

Die farbigen Trockenmörtel zeichnen sich gegenüber
ien gewöhnlichen Verputzmörleln durch eine Reihe
Figenschaften aus, die zu ihrer immer größeren Verbrei-:ung
 beitragen und dazu führen, daß im Jahre 1929 neben
len alten Verbrauchern viele Bauunternehmungen und
Bauherren, besonders Siedlungsgesellschaften, in größe-:em
 Umfange dazu übergingen, den Edelputz für ihre
Bauten zu verwenden. Die Bauwirtschaft ist es müde
seworden. Experimente mit den vielen neu auftanchenlen

 Baustoffen zu machen, weil in den meisten Fällen
jerartige Versuche Verluste mit sich brachten, Ferner
st im Jahre 1929 mehr denn je Wert auf ein wirt-;chaftliches
 Bauen gelegt worden, Zu den wirtschaftichen
 Baustoffen gehören die farbigen Trockenmörtel,
veil sie infolge ihrer Luftdurchlässigkeit und wasserabweisenden
 Fähigkeit für Gesundhaltung des Mauerwerks,
 gute Wandatmung und trockene Innenräume
30rsgen.

Die Umoraanisation der Reichsforschungsgesellschaft

Am 8. März fand die diesjährige Mitgliederversammlung
 der Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichgeit
 im Bau- und Wohnungswesen e. V, statt, Bei dieser
Gelegenheit wurde über die neue Satzung der Reichsiorschungsgesellschaft
 beschlossen.
Im $ 1 der neuen Satzung ist der Zweck der Rig.
dahin umrissen, „die technischen und wirtschaftlichen
Möglichkeiten von Verbesserungen und Verbilligungen
im Bau- und Wohnungswesen im Zusammenwirken mit
der Bauwirtschaft und der Bauwissenschaft zu erforschen
ınd die Verwertung der Forschungsergebnisse in Wissenschaft
 und Wirtschaft zu fördern“. — Während bisher

lie Mitgliedschaft der Rfg, nur von natürlichen Personen
>rworben werden konnte, ist dies nach den neuen
Satzungen auch für juristische Personen sowie für Ver-:äine
 und. Gesellschaften ohne Rechtsfähigkeit zulässig,
Eine organisatorisch besonders wichtige Aenderung
st die des $ 7, der als Organe des Vereins festlegt:
l. die Mitgliederversammlung, 2. den Verwaltungsrat,
3. den Vorstand. Der Verwaltungsrat besteht künftig
us 21 Mitgliedern, von denen 11 durch die Reichs-‚egierung
 bestellt, die übrigen auf Grund einer Vor-‚chlagsliste
 der Mitgliederversammlung von der Reichsesierung
 ernannt werden,
            
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