zent. Waren die Wände mit schwarzem Karton
bedeckt und die Fenster mit schwarzem Batist beaangen,
so wurden die Kinder verdrießlich. Nicht
halb soviel Arbeit wie sonst wurde ‚geleistet und
bald klagten die Kinder über Magenbeschwerden.
Blau schien Ruhe und Stille zu fördern und’ die
Neigung zu haben, die Kinder ernsthaft zu machen.
Die besten Erfolge aber zeigte die grüne Farbe.
Mehr und bessere Arbeit wurde bei ihr geleistet
und weniger Ermüdung empfunden. Der interessanteste
Versuch aber war der, die Wände des
Zimmers mit 7 verschiedenfarbigen Draperien zu
behängen. Die Farben der Wandbehänge und der
Belichtung wurden alle halbe Stunde geändert,
und die Folge war, daß die im Laufe einer Stunde
geleistete Arbeit sich fast um 200% erhöhte. Kein
einziges Kind war ermüdet, und am Schluß der
Jbung waren alle frisch und munter und ebenso
aufgelegt wie zu Anfang.“
Deutlicher kann der Wert farbenfröhlicher, stets
sauber‘ gehaltener Fabrikanstriche nicht beschrieben
werden. Wlenn trotzdem noch Ängstliche
befürchten, daß ein solch sauberer Anstrich
gerade für ihren Betrieb sich nicht eigne,
weil dieser Betrieb nicht schmutzfrei zu halten
sei, so müssen sie sich aus der Praxis heraus
sagen lassen, daß gerade in solchen, scheinbar
hoffnungslosen Betrieben durch den Farbanstrich
Wunder gewirkt würden, weil die Arbeiter die
Anstrichnflege ihrer Werkslälten dankbar bezrüßen
und fortab ihr Mögliches tun würden, die
Anstriche sauber zu halten und mit zu pflegen,
während sie bei den völlig verschmutzten Räumen
keine Freude an einer nutzlosen Pflege haben
können.
Es ist selbstverständlich, daß Werkstätten, die
in hellen, lichtgebenden Farbtönen gestrichen
werden, tatsächlich auch Licht sparen und außerlem
slets durch ihre Sauberkeit für die Firma
selbst werben.
Aus Gründen der Werbung lohnt es sich auch,
Fabrikbauten, an deren äußeren Anstrich man
schon gewöhnt ist, etwas farbenfreudiger zu
halten und von den bisher gebräuchlichen Grauin-Grau-Farbtönen
abzugehen, die einen unaötig
düstern Eindruck hervorrufen. Eine Fabrik
ist heute oft eine kleine Stadt für sich, die durch
Farbgebung im Sinne der „Farbe im Stadtbild“
außerordentlich gewinnt. Durch rechtzeitigen
äußeren Farbschutz wird ferner der zerstörenden
Einwirkung von Fäulnis, Rost und Verwitterung
pegegnet. Ist doch der Anstrich der einzig wirtschaftliche
Schutz für Holz, Stein und Eisen gegen
die Einflüße des Wetters. Man muß sich klarnachen,
daß es viel wirtschaftlicher ist, sein Hab
ınd Gut rechtzeitig zu schützen, als es durch zu
langes Warten verfallen und verrosten zu lassen,
denn die dadurch notwendig werdende
Ausbesserung ist teuerer als ein rechtzeitiger Neuanstrich.
Die Bedeutung farbiger Trockenmörtel
Von Dr. E. Meier-Oberist
Wer die Farbenbewegung in den letzten Jahren
verfolgt hat, weiß, daß der sogenannte Edelputz
erheblich an Verbreitung gewinnt. Die hierfür
maßgebenden Gründe sind gar nicht so leicht zu
finden. Jedenfalls sollte man mit dem Begriff des
Rationellen vorsichtig umgehen. Maßgebende Ansichten
weichen auf dem Gebiete des Bauwesens
gerade im Hinblick auf jenen Begriff stark voneinander
ab. Besser ist es, wenn man jedem Verf[ahren
der Farbgebung Vorzüge und Nachteile
zuerkennt, die einen auszunutzen und die anderen
zu vermeiden sucht. Im folgenden sollen daher
unvoreingenommen einige Beobachtungen über
Verbreitung und Anwendung der farbigen
Trockenmörtel wiedergegeben werden, die — wenn
auch lückenhaft — zu allerlei Erkenntnissen führen
können.
Eines sei vorausgeschickt. Ein Grund zur Befeindung
der Vertreter der Edelputztechnik auf
der einen und des Malerhandwerks auf der anderen
Seite besteht nicht. Entspinnen sich hier Polemiken,
so gehen sie von irrtümlichen Voraussetzungen
aus. Für das Handwerk ist die Ausdehnung
seines Arbeitsfeldes gar nicht das Entscheidende.
Ein Handwerkszweig kann ein sehr
ausgedehntes Gebiet behaupten und doch mil
bitterer Not zu kämpfen haben. Andererseits gibl
es Handwerksübungen, die sehr begrenzt und doch
bedeutungsvoll sind, dem Meister eine geachtete
kulturelle und wirtschaftliche Stellung gewähren.
Auf die Fähigkeit, gute und beste Arbeit zu
leisten, kommt es an. Für den Malermeister ist es
'erner viel nützlicher, daß die Erkenntnis von der
zroßen Wichtigkeit des Oberflächenschutzes
Raum gewinnt, als etwa ein Rückgang des Edelputzes
und des Backsteins es würde, Eine noch
;0 rapide Ausbreitung der einfachen Putzbauweise
würde dem Malerhandwerk bei weitem nicht die
Vorteile bieten, die in einer mustergültigen Aus-)jildung
des Nachwuchses liegen. Aber auch der
Tersteller farbiger Trockenmörtel findet im Maler
<einen Gegner, weil seine sicheren Umsatzırhöhungen
sich nur aus dem Werte seines Erzeugnisses,
nicht aus einer hohlen Propaganda ergeben
können. Immerhin wird eine Verbreitung
ler Edelputztechnik unmittelbar auf den einzelıen
Hersteller wirken, während ihretwegen das
Malerhandwerk nicht geschädigt zu werden
raucht.
Die Vorzüge farbiger Trockenmörtel wurden bereits
auf der verflossenen Tagung des Bundes zur
Förderung der Farbe im Stadtbild in Osnabrück?)
und auf dem Würzburger Tag für Denkmalpflege
und Heimatschutz?) verglichen mit den Vorzügen
‘) „Die farbige Stadt“, Jahrgang 1928, Nr. 9 und 10.
?) „Tag für Denkmalpflege und Heimatschutz, Würzburg
und Nürnberg 1928‘, Tagungsbericht, Seite 183 ff.,
Berlin 1929.
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