haben muß. Es kommt sehr genau darauf an, aus welcher Richtung der scheinbare
Wind in die Flügel fällt. Die Abb. 2 erklärt, daß der scheinbare Wind
um so spitzer und schneller in die Flügel fällt, je schneller sich die Spitzen
drehen, Es kommt dabei auf !/, Grad sehr an. Wenn eine Mühle für die ideale
Spitzengeschwindigkeit von 2,4 x Wind eingerichtet wird und nur 1,8 erreicht,
so sind alle Schrankwinkel um fast 7 Grad falsch.
Ich erwähne dies hier nur der Vollständigkeit halber, obgleich diese Überlegungen
den meisten Müllern bekannt sein dürften.
Leider muß ich nun aber den Glauben der Müller zerstören, die da meinen,
daß man dieses Originalrezept nur nachzubauen braucht, um garantiert beste
Leistung zu erhalten, Jede einzelne Flügelform hat ihren eigenen günstigsten
Schrank, das ist eine unerbittliche Lehre moderner Aerodynamik, Daher auch
das jahrhundertelange Herumprobieren, das völlig zwecklos ist und bleibt,
Man ist auf Zufallsergebnisse angewiesen. Daran ändert selbst die ganze
Wissenschaftlichkeit modernster Aerodynamik nichts. Die Flügel von Flugzeugen,
von denen schon allein in Göttingen an 800 Formen untersucht sind
und von denen in der ganzen Welt sicher wohl einige tausend verschiedene
Formen nach allen Richtungen bemessen und untersucht sind, zeigen allerverschiedensten
Auftrieb und Widerstand. Obgleich die Tragdecks nach
Schablone möglichst genau nach der für den betr, Flugzeugtyp gefundenen
Form hergestellt werden, zeigen selbst die Flugzeuge genau desselben Typs
doch immer noch kleine Unterschiede. Wenn man nun gar darangeht, die
Oberflächenrauhigkeit zu ändern, so kommen ganz andere Resultate heraus. So
fand ich, daß ein Segel, das genau die Form einer gleich gewölbten Blechplatte
hatte, 38,5% weniger Auftrieb aufbrachte. La Cour glaubte gefunden zu
haben, daß die Randleisten der Flügel auf die Leistung einen wesentlichen
Einfluß hätten, weil die Vorderkante der Flügel einen Druck- und die Hinterkante
einen Sogwiderstand in der Luft fänden, ebenso wirkten auch die Steuerstangen,
Winkeleisen und Jalousiekanten, Wenn die in der Drehebene liegenden
Widerstandsflächen das 0,02fache der Flügelbreite betrugen, so will La Cour
nur noch 86% Arbeitsleistung gefunden haben, bei 0,05fach 67% und bei
O,1facher Breite nur noch 25%, La Cour konnte leider keine genaueren Feststellungen
machen, weil ihm das exakte Handwerkszeug der modernen Windkanäle
fehlte. Also fand er auch nicht, daß die Sogseite (hintere Fläche) der
Flügel zwei Drittel und die Druckseite (Vorderfläche) ein Drittel der gesamten
Leistungen etwa aufbrachte, Infolgedessen sind Widerstandsflächen und
Rauhigkeiten auf der Sogseite genau doppelt so schädlich wie vorn, Für den
Flugzeugkonstrukteur sind das bereits alte Erkenntnisse, vielen Müllern wird es
aber ganz neu sein, daß sie nun auch auf eine glatte Rückseite achten sollen. Das
ist ja schon wegen der Rute ausgeschlossen, und doch stellte der Amerikaner
Thomas O. Perry in Chikago 1904 wahrscheinlich mit genauerem Meßgerät
als La Cour fest, daß eine hinten herausstehende Rute eine „Schulter“ bildet,
die mehr als 30% der Leistung fortnimmt.
Vielflügelige Mühlen.
Der erste, der es wagte, von der klassischen Type der 4flügeligen Mühle
abzuweichen und der auch noch viele andere Neuerungen brachte, war der