Zellerfelder Maschinendirektor Friedrich um 1791. In Spanien wurde die Idee
einer vielflügeligen Mühle — heute würden wir sie Windturbine nennen —
erprobt, aber erst 1893 auf der Weltausstellung von Chikago verhalf amerikanischer
Bluff den Windmotoren zu großer Verbreitung. La Cour untersuchte
Windturbinen und fand ihre Leistungen so überaus minderwertig, daß er sie
sofort ganz links liegen ließ, Lange noch hat der amerikanische Reklamebluff
gewirkt, und bis in die letzten Dezennien hinein scheuten sich selbst
angesehene Firmen nicht, Leistungen von ihren Stahlwindturbinen zu behaupten,
die diejenigen übertrafen, die in dem auftreffenden Luftstrom überhaupt
steckten.
Man muß bedenken, daß die Abgabe von Windleistung an die Flügel eine
gewisse Verzögerung der Windströmung bedingt. Am günstigsten stellen sich
die Arbeitsverhältnisse im Rade, wenn der Wind vor, im und hinter dem Rade
sich in seiner Geschwindigkeit wie 3: 2 : 1 verhält. Hieraus kann man wiederum
berechnen, daß die theoretisch bestmögliche Windausnutzung nur 60% der
Windkraft etwa erfassen kann. Die Dresdener Windturbinenwerke behaupteten
in ihren Katalogen 70% Leistung; sie standen mit solchen Übertreibungen aber
nicht allein da. Es war allgemein üblich, derartige Behauptungen zu machen,
denn irgendwelche exakte Messungen hatten selbst die Windturbinenfirmen
niemals vornehmen können. Der ewig schwankende Wind verhinderte solche
Messungen. Wir kommen darauf noch zurück. Theoretisch können Windturbinen
bis 29% der Windkraft abnehmen, praktisch wurden auf dem Prüffelde
von Oxford (England) nur 7 bis 11% bei den besten Windturbinen
gefunden. La Cour fand bei seinen Mühlen 18 bis 21% Windausnutzung. Der
Grund für diese Minderleistungen ist leicht zu erkennen, Der Wind folgt
denselben Trägheitsgesetzen wie der Mensch, Wenn es mehrere Wege gibt,
eine Arbeit auszuführen, so wird der Mensch ganz selbstverständlich den ihm
bequemsten Weg wählen. Genau so der Wind. Er sieht sich vor die Aufgabe
gestellt, sich durch enge Spalten zwischen kleinen Windflügelchen durchquetschen
zu sollen. Steht das Windrad still und ist die Windgeschwindigkeit
gering, so lohnt es dem Winde nicht, den Umweg um das Rad herum zu machen,
er fährt gehorsam durch die engen Schlitze und läßt sich dabei einen Teil seiner
Bewegungskraft abzapfen. Dreht sich aber das Rad und fließt der Wind
schneller, so denkt er nicht mehr daran, das unbequeme Durchquetschen fortzusetzen.
Das sich drehende Windrad ist für ihn eine feste Scheibe geworden
und er zieht es vor, einfach um das Rad herumzufließen. Er muß dabei zwar
die benachbarten Luftschichten etwas beiseite drücken, doch ist diese Arbeit
bei der großen Elastizität der Luft weit leichter als das Durchquetschen., Mit
anderen Worten: nur beim Anlauf entwickeln Windturbinen eine leidliche
Leistung, die aber sehr schnell absinkt. Messungen des Winddruckes haben
denn auch ergeben, daß dieser (Abb. 4) beim stehenden Rade am größten ist
und mit zunehmender Radumdrehungszahl sofort stark absinkt. Bei Windmühlen
ist es umgekehrt, Die verhältnismäßig kleinen Flügelflächen der
stehenden Mühle bekommen nur einen geringen Winddruck. Sowie sich aber
die Mühle in Bewegung setzt, fängt sie mehr Wind auf, der Winddruck steigt
und damit steigt auch die Leistung, die nichts anderes ist als ein in Bewegung
umgesetzter Winddruck.
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