Volltext : Windmühlenbau einst und jetzt

brüche meist durch Abdrehen,. Bei einem größeren Windbruch im Walde
wird man auch bemerken können, daß die Stämme nicht abgeknickt, sondern
abgedreht sind. Doch kann man dieser Schwäche des Holzes konstruktiv Rechnung
tragen. Im Flugzeugbau hat man es gelernt, aufgelöste Gitterkonstruktionen ähnlich
 wie im Eisenbau auch in Holz auszuführen, Kein Stab wird dabei auf Verdrehen
 beansprucht, sondern alles nur auf Zug oder Biegung; solche Konstruktionen
 sind überaus fest und leicht.
Im Flugzeugbau fing man mit Holz und Leinwand an zu bauen, auch ein Vorläufer
der Zeppeline, der Schütte-Lanz-Ballon, hatte ein Gerippe aus Holz. Immer mehr
geht Zr Luftfahrzeugbau jedoch dazu über, durchgängig Duraluminium und
Stahl zu verwenden. Sollte das im Mühlenbau nicht so ähnlich kommen? Die
Konstruktionsbedingungen sind jedoch bei Mühlen ganz andere als im Flugzeugbau,
 dem es hauptsächlich auf leichtes Gewicht und hohe Festigkeit ankommt.
Während Kiefernholz 790 kg Zugfestigkeit hat, hält Aluminium 3700 bis 4500 kg
und der allerbeste Stahl sogar 7000 bis 10 000 kg Zug je cm? aus, Allerdings wiegt
ein Liter Holz 600 g, Aluminium 2,8 kg und Stahl 7,8 kg. Trotzdem hört man oft
die Ansicht, daß Stahlbau wegen der dünnen Materialstärken leichter sei als
Holzbau. Ein einfaches Rechenexempel ergibt, daß nach den genannten Festigkeiten
 und Gewichten ein Kiefernholzstab von 1 m Länge 76,5 g schwer sein muß,
wenn er 1000 kg Zug aushalten soll. Ein Aluminiumstab würde 75,5 bis 61,5 g und
ein Stahlstab 109 bis 78 g wiegen. Der Kiefernholzstab müßte freilich 1,27 cm?
Querschnitt haben, während für den Stahldraht 0,14 bis 0,10 cm? genügten. Der
erhoffte Vorteil, in Metall leichter konstruieren zu können, tritt also nicht ein,
trotzdem entwickelt sich der Flugzeugbau in Richtung des Ganzmetallbaues,
Ganz anders liegt die Sache im Mühlenbau. Das Gewicht ist hier nicht allein
maßgebend. Man kann zwar Holz wegen seiner Faserung nicht in den errechneten
Stärken verwenden, sondern muß erhebliche Sicherheitszugaben machen. Die
Mühle soll aber standfest sein und kann daher ruhig etwas schwerer sein. Im
Flügelbau wirkt schwereres Gewicht als Schwungmasse, die den
Gang der Flügel beruhigt, ist also direkt ein Vorteil, Ob man allerdings
 bei unverleimten Ruten bleiben wird, scheint mir fraglich, Das Arbeiten
und Verziehen der Ruten schadet doch der Leistung zu sehr, und man hat in der
Kaltverleimung ein modernes Bauhilfsmittel von nicht zu unterschätzendem Wert
in der Hand, Gut ist es dagegen, die dem Wetter am stärksten ausgesetzte Flügeloberfläche
 aus Blech herzustellen, Von 1923 bis 1927 habe ich versucht, Flügel
aus Sperrholz zu bauen, aber selbst eigen gebautes Sperrholz mit einem ausgewählten
 Stoff bezogen (ähnlich wie bei Bootsdecks) und mit hartem Speziallack
 überzogen hielt im Wetter nicht. Schütte-Lanz stellte zwar Boote aus
Sperrholz her, die haltbar sein sollen. Das Sperrholz ist dabei mit einem wasserunlöslichen
 Blutleim hergestellt. Nach meinen langjährigen trüben Erfahrungen
mit Sperrholz bin ich jedoch froh, über Zinkblech zu zähem Spezialeisenblech
gekommen zu sein. Das Blech wollte sich zwar nicht so formen lassen wie Sperrholz,
 und es mußten neue aerodynamische Formen errechnet werden, die auch in
Blech gebogen werden konnten, Überall im Maschinenbau müssen die verschiedenen
 Forderungen ausgeglichen werden, so auch im Flügelbau. Ein geringer durch
wenige Zentimeter Flügellänge leicht auszugleichender Leistungsverlust ergibt oft
beträchtliche bauliche Erleichterungen und, was wichtig ist, Verbilligungen. Gern
würde ich das nichtrostende Aluminiumblech verwenden, sein Preis verbietet das
aber. Die Mühlenflügel der Zukunft werden wohl aus stromlinigen
Blech-Hohlkonstruktionen mit innerer Holzversteifung bestehen,
Edel hat sich die innere Holzversteifung seit 10 Jahren bei meinen Bauten
währt.
Der Aufbau einer Mühle erfolgt meist nur durch einen Monteur und sonst nur
durch Hilfskräfte. Mühlen in Eisenbau aufzuführen würde mehr Facharbeiter
nötig machen. Man darf auch nicht vergessen, daß der einheimischen darniederliegenden
 Forstwirtschaft durch Holzbau möglichst geholfen werden muß. Und
schließlich sind letzten Endes auch noch Schönheitsgründe ausschlaggebend. Eine
hölzerne Mühle wirkt schön, ein nacktes Eisengerüst ist abschreckend und häßlich.
Deshalb lebe die hölzerne Windmühle!

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