Volltext : Windmühlenbau einst und jetzt

Kenntnis der Windmühlen aus dem Orient nach Europa, 1105 erhält die
Benediktinerabtei Sevigny ein Windmühlenprivileg. 1142 wird eine englische,
13392 eine italienische, 1341 eine holländische und 1332 eine spanische Windmühle
 in alten Urkunden erwähnt,
Aus dem Jahre 1430 existiert die Zeichnung einer deutschen Bockwindmühle,
 die sogar schon einen Sackaufzug hat. Um dieselbe Zeit, oder etwas
früher, benutzten die deutschen Ordensritter Windmühlen zum Entwässern des
400 km? großen Weichseldeltas, Bis heute noch haben sich solche Ordensmühlen
 im Weichseldelta erhalten, es sind die auch in Holland noch vielfach
stehenden Wippmühlen, Abb. 2, Auf einem ganz geschlossenen Bock ist der
drehbare Mühlenkörper untergebracht. Der Ständer besteht aus 4 starken
Bohlen, die den Körper auf einem oberen und einem unteren Sattel tragen.
Diese Bauart des Ständers, als sozusagen hölzernes Rohr, ist ganz geschickt,
Das Rohr ist nämlich elastisch, und die Mühle kann daher bei Sturm durch
Wippen etwas nachgeben.
Die Idee der Holländermühle stammt gar nicht aus Holland, sondern merkwürdigerweise
 von dem genialen Konstrukteur Lionardo da Vinci, der 1500
sich viel mit dem Wind beschäftigte und sogar ein Flugzeug konstruierte, mit
dem” sein Mechaniker verunglückte, Lionardo schlug zum erstenmal vor, das
Mühlenhaus fest zu bauen und oben, auf Rollen laufend, ein drehbares Dach
zu verwenden, dessen Drehung durch innere Hebel bewerkstelligt wurde, Auch
die Presse in ihrer heutigen Form kannte Lionardo schon, Die deutschen
Ordensritter hatten eine Presse, die aus. Kantholzstücken von Weidenholz
bestand, die durch eiserne Gelenke miteinander verbunden waren, eine ganz
vorzügliche Bremsung. Wer Artillerist war, weiß, daß unsere Geschütze eine
ähnliche Seilbremse haben. Statt Holz werden hier Lederstückchen an einem um
die Bremstrommel gelegten Seil befestigt. Die Bremstrommel sitzt an der
Radnabe und das schwere Geschütz kann in voller Fahrt mit dieser Bremse
sofort gebremst werden.
In Massen wurden zuerst in Holland Windmühlen gebaut durch den
bekannten Ingenieur Leegwather, der in Westfriesland den Schermerpolder
dürch 51 große Wihdmühlen in 4 Jahren von 1631 bis 1635 trocken legte. Noch
heute werden dieser und andere Polder durch Windmühlen besser trocken
gehalten, als durch Dieselmotoren oder gar durch die augenblicklich in Holland
„modernen‘ Elektromotoren. Man kann wirklich nur von einer „Mode“
sprechen, denn Elektrizität ist in Holland, einem Lande ohne Kohle und Öl
und ohne Wasserkräfte, recht teuer. Schon werden die Gesichter der für das
Auspumpen der Zuidersee Verantwortlichen immer länger. So teuer hatte man
sich das Auspumpen unter Verzicht auf die Windkraft nicht gedacht. Es ist
schließlich auch ganz unbegreiflich, daß man in Holland das größte vorhandene
Nationalvermögen, den fast ständig wehenden schwachen und mittleren Wind
übersah. Holland war das klassische Land der Windmühlen und wird es wieder
werden, wenn erst einmal die „Mode‘ der Diesel- und Elektromotoren überwunden
 sein wird.
Zwischen 1600 und 1700 beherrschte holländisches, in Windmühlen gesägtes
Schnittholz den Markt von Rußland bis zum Mittelmeer. Papier (Tauwerk,
Segeltuch) wurde fabrikmäßig damals in Holland hergestellt und verdrängte das
            
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