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JOBST, Selbsthilfe des Einzelsiedlers.
Selbsthilfe des Einzelsiedlers,
Von Regierungsbaumeister Gerh, Jobst, Berlin.
darf keiner schwer abzufassenden Vereinbarungen
unter den Genossen. Darum ist nach meiner
Meinung die Selbsthilfe des Einzelsiedlers bedeutsamer
als die in genössenschaftlicher Gebundenheit.
Vorteile genossenschaftlichen Zusammenschlusses
lassen sich auch dann nutzbar machen,
wenn ein jeder bei seinem Hausbau für sich
allein wirtschaftet. Der Erwerb und die Auf-;eilung
des Geländes, der Einkauf und das Heranschaffen
der Baustoffe, Benutzung der Geräte,
lie Bewachung der Baustellen, die Ausarbeitung
ler Baupläne, die Beratung durch Sachverständige
ınd ähnliches kann von einer größeren Anzahl
Siedler auch dann zusammen besorgt werden.
Bei der Selbsthilfe des Einzelnen muß man
m allgemeinen annehmen, daß besondere Fachzenntnisse
fehlen; doch kann man voraussetzen,
laß eine gewisse handwerkliche Geschicklichkeit
ınd Lust: zur‘ Händearbeit da ist, wie sie die
Laubenkolonisten und Landarbeiter meist haben.
Wie weit die Arbeit des Siedlers unter solchen
Voraussetzungen ein Bauvorhaben erleichtern
kann, läßt sich am anschaulichsten an einem
praktischen Beispiel erläutern. “
Angenommen, es handle sich um den Bau
äner Wohnlaube auf einer Grundfläche von
30 qm. Das Gebäude ist 4 m breit, 7,5 m. lang
aus beiderseits verschaltem Fachwerk errichtet,
ıat einen 3!/, qm großen Keller und einen Boden--aum
im Dach. Für diesen Bau werden nach
zenauer Berechnung folgende Baustoffe und Arbeitsleistungen
benötigt; der Geldwert wird dabei
nach den Ende September 1920 in Berlin
zeltenden Preisen angegeben (s. Tabelle S. 267).
Würde dieselbe Wohnlaube vom Unternehmer
ausgeführt, so müßten die Preise für
Baustoffe 'und Löhne noch erheblich höher verınschlagt
werden, als es hier geschehen ist.
Denn das Baugeschäft muß für seine Betriebsınkosten,
den Geschäftsverkehr, die Abrechnung,
lie Bauaufsicht, Baustoffabnahme, Gestellung des
»oliers u. a. zu den oben genannten Preisen minlestens
ı5 vH. aufschlagen, bei einem kleinen
Einzelbau meist noch mehr. Ein Unternehmerzewinn
soll auch noch dazu kommen. Es kommt
weiter hinzu, daß der Siedler durch seine’ Mitırbeit
den Fortgang der Bauarbeiten am wirk-;amsten
antreibt, er sorgt dafür, daß die Baustoffe
nicht verkommen, daß die Arbeit ordentlich
gemacht wird, daß die angenommenen
Handwerker ihre Zeit nicht vertrödeln und mög-(Joe
das genossenschaftliche und kameradschaftliche
Zusammenwirken werktätiger
Siedler in gegenseitig einander ergänzender
Arbeitsgemeinschaft sind mehrere, z. T. gut gelungene
Unternehmungen durchgeführt worden,
Zu nennen sind vor allem die Schmudeschen
Bestrebungen und .die Arbeitsgemeinschaften
deutscher Rückwanderer aus Rußland, die sich
in Ostpreußen mit Unterstützung durch die „Ostpreußische
Heimstätte‘‘ angesiedelt haben.
Siedlungen auf ähnlicher Grundlage zu
organisieren, stößt aber häufig auf Schwierigkeiten,
weil sich der einzelne Siedler ungern in
den Zwang des gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnisses
begibt. Es fehlt das nötige gegenseitige
Vertrauen, und das Auseinandersetzen des
Wertes der gemeinsam geleisteten Arbeit führt
dann zu Unzuträglichkeiten. Der einzelne Siedler
wird darum oft lieber und mit mehr Eifer zur
Selbsthilfe schreiten, wenn er die Arbeit nur für
sich selbst zu leisten braucht. Die Eigenart der
Verhältnisse und Sonderwünsche des einzelnen,
der Besitz einer einzeln liegenden Baustelle
können den Siedler sogar zwingen, den Weg der
Selbsthilfe einzeln zu beschreiten. %
Als Nachteil gegenüber der kameradschaftlichen
Zusammenarbeit mehrerer Siedler ist anzuführen,
daß der Einzelne noch Geld für gelernte
Handwerker, die er zu seiner Unterstützung
hinzunehmen muß, auszugeben hat, während bei
der > Zusammenarbeit von Siedlern mehrerer
Handwerkszweige Lohn an Außenstehende gezebenenfalls
ganz gespart werden kann. Aber
der ideale Fall, daß sich die einzelnen Handwerker,
Zimmerer, Maurer, Dachdecker, Töpfer
in dem Verhältnis, wie sie am Bau gebraucht
werden, zusammenfinden, kann nicht als Regel
gelten. Die Ungelernten werden gewöhnlich die
Mehrheit ausmachen. Die gelernten Handwerker
einer Siedlungsgemeinschaft müssen dann dem
Ungelernten mehr Arbeit leisten, als dieser durch
gleichwertige Arbeit jenen zurückerstatten kann.
Fehlt dann der ehrliche, kameradschaftliche
Sinn, oder ist der eine mit der geleisteten Arbeit
les andern unzufrieden, so können hieraus unliebsame
Streitigkeiten entstehen.
Die Freude an der eigenen Arbeit, der Arbeit
für sich selber und die Freude am sparsamen
Wirtschaften kann man nur am eigenen Bau
haben. Bei der ‘Selbsthilfe des Einzelsiedlers
fehlen die störenden nachbarlichen Reibungen,
Die Arbeit geht ungebundener vorwärts, es be-