Volltext : Die Volkswohnung : Zeitschrift für Wohnungsbau und Siedlungswesen (Jhg. 2, 1920)

JOBST, Selbsthilfe des Einzelsiedlers.

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Wertın Mark

Türen hergestellt werden. Weitere Arbeit wird
auf der Baustelle selbst geleistet. Der Siedler
kann sich fast nur mit diesem letzten Teil der
Arbeit befassen. Man wird deshalb versuchen,
lie Arbeit auf den Werkstätten möglichst auf
lie Baustelle zu verlegen und dabei so einfach
 einzurichten, daß sie ohne teuere Werkzeuge
 und ohne schwierige Kunstgriffe ausgeführt
 werden kann. Dabei darf man aber nicht
in den Fehler verfallen, die Arbeit unwirtschaftlich
 im Rohstoffverbrauch oder ungediegen in
ler Haltbarkeit vornehmen zu lassen. Hier das
Richtige zu treffen, sich den gegebenen Verhältnissen
 und beschaffbaren Baustoffen am vorteilhaftesten
 anzupassen, setzt einen praktischen Sinn
beim beratenden Architekten voraus, wie er nicht
vielen gegeben sein wird, Auch die schönheitiche
 Gestaltung dieser einfachen Bauten ist keine
leichte Aufgabe. Unsere Laubenkolonien beweisen,
 wie leicht die Selbsthilfe, wenn sie
stümperhaft durchgeführt wird, zu abstoßenden
Verunstaltungen führen kann. Deshalb ist zu
"ordern, daß sachkundige und künstlerisch beähigte
 Berater den Siedlern helfend zur Seite
stehen. Die fachmännische Anleitung und der
gut durchkonstruierte Bauplan ist Grundbedinzung,
 um die Kosten zu vermindern- Eine falsch
,egonnene Selbsthilfe würde zum Gegenteil, zur
Verschwendung von Werten an Rohstoffen und
Arbeit führen.
Nur unter guter Anleitung lassen sich Ersparnisse
 durch Selbsthilfe erzielen. Diese Ersparnisse
 sind nicht so aufzufassen, daß Baustoffe
’ıder Arbeitskraft gespart werden, wie angeblich
Jei sogenannten Sparbauweisen, sondern so, daß
“reie, sonst nutzlos verbrachte Zeit des Siedlers
mit einträglicher Arbeit ausgefüllt wird. Würde
»r für seinen Bau die Arbeitszeit nur dadurch geinnen
 können, daß er andere, Nutzen bringende
Arbeit dafür aufgibt, so kann von einer Ersparnis
ıicht die Rede sein. Deshalb ist es wichtig zu
wissen, wieviel Zeit durch die Selbsthilfe in
\nspruch genommen wird. Bei der erwähnten
Wohnlaube kann man mit 550 bis 650 Stunden
‚<echnen. Da hätten zwei Leute bei einer tägichen
 Arbeitszeit von 2!/, bis 3 Stunden ungefähr
irei Monate zu schaffen.
Bei einem mittelgroßen Kleinhaus, das im
Erdgeschoß, Flur, Küche und zwei Stuben ent-1ält
 und reichlichen Raum im Boden hat, ergibt
sich ungefähr folgende Rechnung: Baustoffe und
3Zauteile sind für rund 23 000 Mark einzukaufen,
ın Löhnen sind rund 3000 Mark zu bezahlen und
ın eigener Arbeit sind ı200 Stunden zu leisten.
Die Bauzeit wird sich gewöhnlich noch dadurch

Gegenstand

derzukau-, der Arbeit anfenden
 Or
andwerker
Baustoffe inschl. Vorınd
 Bau- | haltens der
4eile Geräte

der selbst
zu leistenlen
 Arbeit
des
Siedlers

Erdarbeiten . . .
Mauerwerk (Keller,
Fundament,Schornstein
 aus gebrannten
 Steinen). . .
Zimmerwerk (Fachwände,
 Balken,
Sparren) . ...
Bretterwerk (Schalungen,
 Fußböden)
Dachdeckung(Pappe,
Schalung bereits
oben enthalten). .
Ausfüllen der Gefache
 (Strohlehm) .
Lehmestrich im Boden
 und Keller. .
Fenster und Türen.
Keller- und Bodenleiter
 . . . ..
Anstriche . . . .
Kochherd aus Ziegelsteinen.
 . .

28»

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280 |!

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200

1 11146 | 1602 ] 3058
zusammen: 15 806 Mark
— 3 058 ”
bleiben 12748 Mark.

250

100

lichst bald wieder vom Bau verschwinden, denn
deren Lohn greift mächtig in seine Kasse. Ein
Baugeschäft hätte also mindestens ı5 806 Mark
+ 15vH. = 18 147 Mark zu fordern. Diese Summe
stimmt mit einem vorliegenden Angebot für die
gleiche Wohnlaube- überein, das mit 18 378 Mark
abschließt.
So kann man rund rechnen, daß dem Siedler
ein Bau durch seine Selbstarbeit um ungefähr
30 bis 35 vH. billiger wird, als wenn er ihn vom
Unternehmer bauen läßt. Diese Zahl wird in
jedem Fall ein wenig anders lauten, sie ist vorsichtig
 angegeben, um keine unbegründeten Hoffaungen
 zu erwecken. Bei einem Wohnhaus in
Kaulsdorf konnte ich z. B. ein erheblich günstigeres
 Ergebnis erzielen (vgl. 1920 d. Bl., S. 213).
Der Wert eines Gebäudes setzt sich aus
Rohstoffen und geleisteter Arbeit zusammen.
Arbeit wird beim: Herstellen der Baustoffe aus
Rohstoffen aufgewandt, wenn Bauhölzer aus den
Stämmen geschnitten, Ziegelsteine aus Ton gebrannt
 werden. Arbeit wird in Werkstätten bei
jer Anfertigung von Bauteilen geleistet, wenn
auf dem Zimmerplatz die Hölzer zu Sparren und
Balken zugerichtet, in Tischlereien Fenster und

1)
            
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