Mitteilungen. — Wettbewerbe. — Personalien. — Bücherschau.
liegt eine große Gefahr für die künttige Wohnungsherstellung.
Wiederholt ist hier darauf hingewiesen worden, daß
die für den Wohnungsbau heute zur Verfügung stehenden,
sehr begrenzten Mittel in erster Linie dazu verwendet
werden müssen, um an den Stätten der Urproduktion
die Wohnungsnot zu beheben, also vor allem zur Errichtung
von ländlichen Wohnungen und Bergmannsheimstätten.
Um die volkswirtschaftlich hochbedeutsame
Aufgabe der Bergmannssiedlung im Ruhrkohlenbezirk, die
durch einen besonderen Siedlungsverband durchgeführt
werden soll (vergl. Jahrg. 1920 d. Bl., S. 33), nach
Möglichkeit zu fördern, hat der Minister für Volkswohlfahrt
bereits jeizt einen Kommissar nach Essen entsandt.
Damit werden schon vor Inkrafttreten des Verbandsgesetzes
die Schwierigkeiten beseitigt, die bisher noch
durch die Zuständigkeiten der drei Regierungspräsidenten
)n Münster, Arnsberg und Düsseldorf bestanden. Als
„Kommissar des Ministers für Volkswohlfahrt für Errichtung
von Bergmannswohnungen im rheinisch-westfälischen
Industriebezirk‘ ist der Regierungs- und Baurat
Dr.-Ing. Rappaport mit Amtssitz in Essen bestimmi
worden. Soweit es die schnelle und reibungslose Durchführung
der Bergmannssiedlungen erfordert, wird der
Kommissar im Auftrage der drei Regierungspräsidenten
die Aufgaben des Bezirkswohnungskommissars übernehmen
und die Maßnahmen zur Beschaffung und Verteilung der
notwendigen Baustoffe für den gesamten Wohnungsbedarf
einleiten. Daß für dieses Amt, dem die größte Siedlungsaufgabe
übertragen ist, die in den nächsten Jahren in
Deutschland zur Lösung steht, ein Techniker gewählt
wurde, bedeutet einen Gewinn nicht nur im Interesse
der Sache selbst, sondern auch in idealer Beziehung, im
Hinblick auf das Berufs- und Standesinteresse.
Im besetzten Gebiet soll im Frühjahr mit der Errichtung
von Wohnungsbauten für dıe Familien der
Offiziere und Besatzungstruppen begonnen werden. Die
Gemeinden treten als Treuhänder und Auftraggeber
zwischen die Reichsvermögensämter, denen die Sorge für
die Unterbringung der militärischen Besatzung der Rheinlande
übertragen ist, und die Architektenverbände, die
ihre Mitglieder unter besonderer Berücksichtigung sozialeı
und wirtschaftlicher Gesichtspunkte in Vorschlag bringen.
Die fachliche Vertretung der Gemeinden sucht die befähigsten
Architekten aus. Inzwischen ist die Bildung
eines Bauausschusses erfolgt, der die Interessen des be- ——
setzten Gebietes gegenüber der Reichsvermögensverwaltung Bücherschau.
vertreten, in den Fragen der Beschaffung von Baustoffen Dr.-Ing. Hans Gris ebach, Das polnische Bauernhaus.
mitwirken und alle Erfahrungen sammeln soll, die bei der Veröffentlichungen der Laändeskundlichen Kommission
Ausführung der Bauten in den einzelnen Gemeinden ge- beim kaiserl. deutschen Generalgouvernement Warschau,
macht werden. Der Kommission gehören Oberbürger- Reihe B, Band 3. Gea-Verlag, G. m, b. H., Berlin 1917,
meister und technische Beigeordnete der Gemeinden an. Preis 9,60 Mark.
Die Geschäftsführung des Ausschusses liegt bei der Ge- Der Verfasser, der während des Krieges Leiter der
schäftsstelle der Städtevereinigung in Köln in Händen Hochbauabteilung beim Verwaltungschef Warschau gedes
Regierungsbaumeisters Metzmacher. wesen ist, hat diese Gelegenheit benutzt, um die Bau-Im
Architektenverein zu Berlin berichteten Baurat geschichte und Technik des polnischen Bauernhauses zu
Beuster und Dr.-Ing. Heiligenthal über die bis- rforschen. Die Ergebnisse seiner Untersuchung sind in
herigen Ergebnisse der Siedlungstätigkeitdes Wohnungs- lieser kleinen Schrift niedergelegt. Die Formen des
verbandes Groß-Berlin. Danach wurden im vorigen Jahre rundrisses und die Einzelheiten der Konstruktion der
vom Wohnungsverband und den Gemeinden ı1 000 Not- vorwiegend in Blockbau ausgeführten Häuser sind in
wohnungen errichtet, die einen Kostenaufwand von 50 Mill. sorgfältigen maßstäblichen Zeichnungen auf besonderen
Mark verlorener Zuschüsse erforderten. An Dauerbauten Tafeln dargestellt. Das Bild wird ergänzt durch eine
sollten für 1919 5790 Wohnungen hergestellt werden, Reihe vorzüglicher photographischer Aufnahmen, die dem
darunter 23 größere Siedlungen. Drei Viertel dieser Text beigegeben sind. Dieser behandelt in ausführlicher
Wohnungen sind in Flachbauten untergebracht; der Rest Jarlegung Grundriß, Aufbau, Konstruktion und inneren
ist Hochbau (Randbebauung mit großen Innengärten). \usbau des Hauses. Die Besonderheiten der Bauart, so
Wegen der gewaltig gestiegenen Baukosten mußte das lie Anlage der Feuerstellen usw., sind eingehend be-Bauprogramm
für 1920 auf angefangene Bauten beschränkt 1andelt. Ein eigenes Kapitel ist der Gehöft- und Dorfund
alle anderen Dauerbauten gestrichen werden. Auf anlage gewidmet. Das erhöhte Interesse, das gegendiese
Weise sind noch 3700 Dauerwohnungen herzustellen, wärtig dem Holzhausbau zugewendet wird, gibt dieser
darunter ganz wenige im Hochbau. Die Kosten zu ihrer ıusgezeichneten Schrift wieder aktuellen Wert. und wir
Fertigstellung belaufen sich auf 100 Mill. Mark verlorener holen Versäumtes nach, wenn wir sie heute, zwar
Zuschüsse. Gegenwärtig sind an Baukosten für eine ein- reichlich verspätet, der Aufmerksamkeit unserer Leser
zelne Wohnung 26 000 Mark erforderlich gegenüher dem empfehlen. W. C. B.
Verlag von Wilh. Ernst & Sohn, Berlin. — Verantwortlicher Schriftleiter: Dr.-Ing. W. CC. Behrendt. Berlin,
Bnehdruckerai Gahrüder Ernat Rarlin