Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

Magenheini. 
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Teile des Ortes (in Neu-Cleebronn) liegt das sog. Schlößle, ein altes zerfallendes 
Gebäude mit steinernem erstem Stock, der Jahreszahl 1500, einer reich gehaltenen 
steinernen Schneckentreppe und einer schönen mit Wappen geschmückten Steintafel im 
Frührenaissancestil; an den Bauernhäusern trifft man zuweilen hübsch geschnitztes 
Balkenwerk, eines mit der Jahreszahl 1594. 
Kauni eine Viertelstunde südlich vom Ort thront auf einem schroffen Ansläufer 
des Michaelsberges die (untere) Burg Magenheim. Schon im 13. Jahrhundert 
bestanden zwei der Familie Magenheim, einst dem bedeutendsten Geschlechte des 
Zabergäus, gehörige Burgen, die untere, das jetzige Schloß Magenheim, und die 
obere Burg, auf dem Michaelsberge selbst; von letzterer wird schon im Jahre 1535 
als von dem „alten gar abgegangenen Schlosse Monheim" berichtet. Das untere 
Schloß wird noch heute bewohnt, es ist an der allein zugänglichen Ostseite durch 
zwei künstliche Gräben geschützt; auf der Südseite zieht eine tiefe wildverwachsene 
felsige Schlucht vom Stromberg herab, gegen Westen und Norden blickt das Schloß 
weit in das gesegnete Zabergäu hinein. Über den inneren, 40 Fuß tief aus dem 
Felsen gebrochenen Graben führt eine steinerne Brücke zu der uralten Ringmauer, 
auf der gegen Norden das eigentliche Steinhaus ruht; es ist 90 Fuß hoch »ud noch 
unter dem Dach mit 6 Fuß dicken Mauern; an seinen Buckelsteinen sind zahlreiche 
ronianische Steinmetzzeichen angebracht, darunter der Magenheim'sche Wappenschild 
mit den zwei von einander abgekehrten Halbmonden. Gegen den Burghof heraus liegt 
ini Erdgeschoß eine Reihe hoher, mit edlem Maßwerk ausgegliederter, srühgotischer 
Fenster; hier war die Schlvßkapelle. (K.) 
Von der oberen Burg Magenheim, einst aus der westlichen Höhe des Michaels 
berges gelegen, sind nur noch die Gräben sichtbar, dagegen steht ans der östlichen 
die merkwürdige kath. Kirche z. h. Michael, und neben ihr das ehemalige, im Jahr 
1739 auf Kosten des Grasen Stadion von Maurermeister Banhard aus Ludwigs 
burg unter Aufsicht des Frater Aegidius erbaute Kapuziner-Hospiz. Die Kirche 
stammt mit ihrem Turm aus dem zwölften Jahrhundert, mit dem jetzt stark ver 
änderten Schiff aus frühgotischer Zeit (etwa ums Jahr 1300). 
Im ersten Geschoß des Turmes, das den Chor bildet, ruht ein starkes dia- 
mantiertes romanisches Rippenkrcuzgewölbe aus Ecksäulen mit Zierknäufen; vor dein 
Chor spannen sich drei gotische Kreuzgewölbe, und stützen sich auf jene zwei romani 
schen Säulen, die man lange Zeit für heidnisch (römisch) erklärte; ihre Kapitäle sind 
jedoch entschieden spätromanischen Stils, eines davon ist mit verschlungenen Drachen, 
das andere mit Adlern und Köpfen geziert. (K.) Noch in den Anfang des drei 
zehnten Jahrhunderts deuten zwei im Hausgang des Hospizes gelegene Grabplatten, 
die eine inschriftlos, nur mit dem eingeritzten Magenheim'schen Wappenschild und 
einem kleinen Kreuz darüber, die andere mit dem lebensgroßen Flachbild der Ver 
storbenen und folgender Umschrift in sehr großen altertümlichen Majuskeln: ANNA 
VOM STEIN VXOR DNI CVNRADI DE SAHSENHEIN. XPISTOS 
Über dem Eingang ins Hospiz ein sehr alter Christuskopf. 
Der Michaelsberg hieß in der ältesten Zeit Runigenburc (793), Ruhelberg 
(1267), Ruleberg (1279), Rulibcrg (1286); sein heutiger Name hängt mit der auf 
ihm schon in grauer Vorzeit erbauten Michaelskirchc zusammen. Schon im Jahr 793 
Paulus, Denkm, aus Württemb. 8
	        

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