Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

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Neckarkreis. Oberamt Eßlingen. 
aus Elfenbein geschnitztes Reliquienkästchen aus dem vorigen Jahrtausend, mir 
klassisch gewandeten Figuren und mit Ornamenten, noch ganz int antiken Stil. 
Daselbst befindet sich auch ■ eine alte Ansicht der Stadt Eßlingen auf Solenhofer 
Stein gemalt: M. Pfister fec. 1650. Keller in seiner Beschreibung der Reichsstadt 
Eßlingen und ihres Gebietes, 1798, sagt: „Die St. Dionysiuskirche stand ursprüng 
lich ans einer schönen freien Anhöhe, neben welcher der Beutenbach, damals wahr 
scheinlich noch nicht unter Gewölben, sondern offen vorbeifloß und hier seinen 
stilleren Weg durchs flache Thal dem Flusse zu antrat. In der Folge ward 
die Stadtmauer hart am Hügel vorbeigeführt, der Bach unter hohe Mauern und 
Reliquicnkästchen im Archiv, ‘/a n. Gr. 
Gewölbe verschlossen, und der Platz geebnet, so daß die tief stehende Stadtmauer 
jetzt ein Grundpfeiler dieses großen Kirchengebäudes", — sagen wir mit Einschluß 
der Allerheiligen-Kapelle — „zu sein scheint". Hier ist jedenfalls der urälteste 
Kern der Stadt. 
Die ev. Frauenkirche, an der westlichen Stadtmauer. Dreischiffige Hallen- 
kirche mit gotischem Westturm mit durchbrochenem Helm, eine der schönsten Kirchen 
gotischen Stils. An der Südwand öffnen sich zwei mit Konsolen, Spitzsäulen und 
Bildhauereien bedeckte Prachtpfortcu; die westlichere zeigt im Kleeblattbogenfeld das 
jüngste Gericht (vergleiche die beiden Lichtdruckblätter im Kunstatlas), ein Werk groß 
und dabei reichbewegt, wie selten eines. Das östlichere Portal trägt, auch in 
erhabener Arbeit, die Anbetung der Weisen, den Tod Mariä, und ganz oben die 
Krönung Mariä. Es ist älter, steht aber weit unter dem eben beschriebenen. Im Bogen- 
felde des Westportals erblickt man den heiligen Georg, den Drachen tötend und die 
Jungfrau erlösend.. Um den Chor stehen unter Schutztürmchen die runden Standbilder 
der zwölf Apostel, von trefflicher spätgotischer Arbeit. In den Chorfenstern leuchten 
alte Glasgemälde (K) auch teppichartig, mit verschiedenen heiligen Darstellungen. Der
	        

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