Volltext: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

Ludwigsburg. 
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mit 16 Gebäuden und 452 Gelassen. Vollendung des innern Ausbaues durch Herzog 
Karl, teilweise Umgestaltung unter König Friedrich. 
Im einzelnen fällt zunächst das alte Oorps de Logis ins Auge, dessen Fassade 
über einem gequaderten Erdgeschoß zwei durch glatte Pfeiler zusammengefaßte, durch 
die üppigen Fensterverdachungen auffallende obere Stockwerke zeigt, über welchen sich 
das kräftige Hauptgesims mit einer von allegorischen Figuren belebten Attika erhebt. 
Über den korinthischen Pilastern zu beiden Seiten des Bkittelfensters verkröpft sich das 
Hauptgesimse, um einer von Engeln umschwebten, von einem kleinen Rundgiebel über 
deckten Kartusche mit Namenszug Raum zu geben. Eine spätere Zuthat ist der turm 
artig mit einem Walm-Mansartdach über der Mitte der Plattform sich erhebende, in 
einen kleinen Dachreiter endende Aufbau. Von der bizarren Eigenart der deutschen 
Barockkunst giebt Nettes gewölbte Unterfahrt einen Begriff, „mit ihren Vorsprüngen, 
Nücksprüngen und Verkröpfungen, den wunderlichen Vasen am Beginn der Auffahrt 
und oben auf der Brüstung des Altans"*). Frisoni wollte hier einen dreifachen 
Eingang herstellen, begnügte sich aber zuletzt damit, in die dorische Säulenordnung 
mit ihrem Triglyphengebälk rechts und links das benachbarte Fenster hineinzuziehen. 
Die Terrasse, von welcher die hochragende, durch die Galerien und Pavillonc verlängerte 
Außenseite umgeben ist, trägt an den Ecken steinerne Wachhäuschen; breite Treppen 
führen an den Nebenseiten ins Freie hinab, wo einst ein wohlgepflegter, mit schönen 
Wasserkünsten ausgestatteter Garten sich befand. (K.) 
Ans dem geräumigen dreischiffigen Vestibül, in welchem am 30/ Oktober 1793 
Herzog Karl Eugen aufgebahrt lag, führt eine einseitige Treppenanlage in die mit 
Balkon nach Norden gekehrte Vorhalle des korridorlosen Hanptstocks. Stuckornamentik; 
ait. der Kaminwand flankieren zwei sitzende nackte Mänuergestalten, gewaltsam be 
wegt, unter einem Rundgiebel einen Schild mit den drei Hirschstangen, während die 
übrigen Teile des altwirtcmbergischcn Wappens in den Ecken der Halle über barocken 
Hermen angebracht sind, welche die Decke stützen; an letzterer al fresco ein von 
Amoretten mit den Attributen der Herrschaft umschwebtes, fürstlich angethanes Weib, 
dessen Gesichtszüge für diejenigen der Grävenitz gelten. In einem der mäßig großen, 
nach der Hofseite gelegenen Wohnräume (Napoleonszimmer 1805) gewahren wir die 
„Weibertreue", ein Ölgemälde von Guibal. In der Nordwesteckc des Hauptbaues be- 
sindet sich das in schnörkelhaften Formen ganz mit kleinen Spiegeln verkleidete „Spiegel- 
kabinct", wo Herzog Karl Alexander am 12. Mürz 1737 verschied. Im westlichen 
Pavillon („Jagdpavillon") ist außer einem kleinen Vorsaäl mit barockem Kamin und 
dem Jagdzinnner, wo Malerei und Vergoldung prachtvoll zusammenwirken und an 
der Decke im prangenden Jagdorden gipfeln, in erster Linie beachtenswert das Maser 
zimmer in der Nordwestecke, mit reichster Holzmosaik an Fußboden, Decken und Wänden, 
eingelegten Ornamenten von unerschöpflicher Erfindung. Von den Verbindungsgalerien 
fällt schon die westliche durch sprudelnden Überschwang in der Wahl der Dekorations 
mittel auf; die zum Ostpavillon führende sucht hierin ihresgleichen: in den Ecken und 
*) Dr. C. F. v. LeinS: Die Hoflager und Landsitze des Württembergischen Regentcn- 
hanseS. Stuttgart, Verlag von Greiner & Pfeiffer, 1889. Diesem trefflichen Werk verdanken 
wir manche wertvolle Winke, sowie mit gütiger Erlaubnis deS Verlegers eine Anzahl wichtiger 
Abbildungen. 
Paulus, Denkmäler aus Württemb. 
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