Volltext: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

322 
Ncckarkreis. Oberamt Ludwigsburg. 
in einer Mittelnische nns Gips geformte lebensgroße Gruppen von Gefangenen, 
z. T. mit mongolischem Typus, paarweise sitzend in wildbewegter Haltung, voit Tro 
phäen überragt. (X.) Zwischen den Fenstern und Thüren Büsten von Griechen und 
Gliedern römischer Kaiserfamilien. Reichste Stuckornamentik. Die mit Anfang dieses 
Jahrhunderts dem Geschniack Napoleons I. zu lieb übertünchten Wandmalereien 
begann man kurz vor 1866 freizulegen, als der Krieg dazwischentrat. Der (öst 
liche) „Spiel-Pavillon" zeigt einen ganz eigenartigen Einbau: ein rundes Sälchen 
in der Mitte, mit welchem vier Eckkabinette und drei Fensternischen zusammen 
hängen. — Der anstoßende Riesenbau hat seinen Namen von dem in den 
derbsten Barockformen gehaltenen Treppenaufgang mit vier übertünchten Atlanten; 
Sphinxe sind ihnen vorgelagert, hinten in der Nische des Podests hält eine Pallas 
das Medusenhaupt. 
Die hervorragendste Innenarchitektur der ganzen Baugruppe bewundert man in 
der Schlvßkapelle, jetzt kath. Kirche. Das Ganze hat, wie Gurlitt treffend be 
merkt, die Grundform eines gestielten Dreipasses: „ein von flacher Kuppel überspannter 
Kreisbau wird mittels Gurtgesims von vier Paaren gekuppelter und verkröpfter korin 
thischer Säulen getragen, zwischen welchen sich nach drei Richtungen ovale, überwölbte 
Kapellen ausbuchten", während in der vierten ein viereckiger Raum liegt, zu dessen 
Seiten Wendeltreppen auf den „Fürstenstand" führen. In der dem letzteren gegenüber 
liegenden östlichen Nische befindet sich der Altar, weiter rechts die Kanzel, in den 
andern Nischen die Empore. Das Altarblatt ist eine Copie nach Dürer. Das treff 
liche mittlere Deckengemälde von Carlo Cartone, die übrigen Fresken aus dem 
alten und neuen Testament von L. A. Colomba, die „Figuren von glänzendem 
Alabaster-Gips" von Diego Cartone, das reiche Material und die freilich fast zu 
schweren Vergoldungen erzeugen einen eigentümlich stimmungsvollen Eindruck. — Außen 
an der Kapelle das „Gruftbrünnele" von 1783. Fürstengruft unter der Kirche mit 
protestantischer und katholischer Abteilung; in jener ruhen u. a. Herzog Eberhard Ludwig 
(ff 1733), König Friedrich (ff 1816) und seine Gemahlin Charlotte Mathilde (ff 1828), 
in dieser Herzog Karl Alexander (ff 1737) und Herzog Karl Eugen (ff 1793). — 
Der östliche Kavalierbau vermittelt einerseits den Zugang zu dem rückwärts liegenden 
Theater, das mit seinem Einbau in Lyraform für tausend Personen noch unter 
König Friedrich viel benützt wurde, andererseits zur Familicngalerie; dieselbe 
enthält die lebensgroßen, mitunter trefflich ausgeführten Regentenbilder von Herzog 
Eberhard im Bart bis auf König Wilhelm, zum Teil auch die ihrer Gemahlinnen, 
zusammen 28 Gemälde. Der Saal ist mit buntem poliertem Gipsmarmor von 
Corbellini ausgekleidet und von „C. Carlone 1733" — so liest man in der Nordostecke 
des Plafonds — mit Deckenfresken geschmückt, welche, von täuschend gemalter Archi 
tektur umschlossen, in reichster Erfindung, flott perspektivischer Zeichnung und reizend 
lichtvoller Färbung die das nienschliche Leben verschönernden Künste darstellen. Siehe 
auch im Knnstatlas die Nachbildung nach dem schönen Aquarell von Professor 
Paul Kraft in Stuttgart. Auch in den beiden kleinen Vorsälen der Galerie sind 
Deckengemälde angebracht, nördlich die Opferung der Iphigenie, südlich Virginia. 
Das neue Oorps äs Logi8 hat auf der Hofseite ziemlich nüchterne Barock 
formen, doch die Arkadenreihen des Erdgeschosses und ihre Vereinigung in dem bogen
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.