Full text: Die Kunst- und Altertums-Denkmale im Königreich Württemberg. Inventar. Neckarkreis (1889)

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2q Neckarkrcis. Stuttgart Stadt. 
Konrad^ von Würzburg in seinem neunzigsten Jahre (1455) schrieb. — Die Ltists- 
kirche in Stuttgart ist keilt einheitliches Werk und keinem der Münster vergleichbar, 
aber durch ihre malerischen Massen und Räume und die vielen darin seit Jahr 
hunderten ansgesammelten, die Schicksale der Stadt und des edlen Fürstenhauses ab 
spiegelnden Denkmale wirkt sie nachhaltig und weihevoll. 
Die Hospitalkirche, 
in der ehemaligen oberen Vorstadt erbaut, an Stelle der schon 1391 erwähnten Lieb- 
frauenkapelle, 1471 — 1493 zu unsrer Lieben Frauen und St. Ulrich; seit 1473 
Dominikanerkirche, mit hübschem, innen, netzgewölbtem Chor, aus dessen östlichstem 
Schlußstein der Meisterschild des Albrecht Georg. 
Das dreischiffige Langhaus erhielt 1821/22 statt der glatten Decken hölzerne 
Kreuzgewölbe. Im nördlichen Seitenschiff die steinerne Empore, die Graf Ulrich der 
Vielgeliebte im Jahre 1479 sich hatte erbauen lassen, ein Werk von hoher künstlerischer 
Ausbildung. Es sind drei ans Spitzbogen ruhende, mit Schlußsteinen gezierte 
Netzgewölbe, die an der Wand auf Tragsteinen mit Engelsfignren, an den Frei 
pfeilern ans solchen mit den lebhaft bewegten Gestalten der beim Bau beschäftigten 
Steinmetzen aufsitzen. Außen an den Pfeilern auf Prophetenbrustbildern 
standen die vier jetzt verschwundenen Evangelisten unter reichen Baldachinen. 
Endlich aber entdeckte man vor zehn Jahren an der Rückwand unter der 
Tünche ein großes auch spätgotisches Gemälde, den Stammbaum Christi; 
dabei, aus Papier und aufgeklebt, nebenstehendes Schildchen: Grund rot, 
das übrige weiß. Das Gemälde wurde wiederhergestellt von Georg Loosen. An 
einem der Baldachine steht die Jahreszahl 1479. 
Ein Lettner trennte einst das Langhaus vom Chor, der schöne Chorstühle ent 
hält: 1493 . habend . dis; . werck . gmacht. bruder . cunrad . zolner . und . Hans . haß . 
Und links: 1490 . hat. Hanns; . ernst. von . beblingen . diß . werck . gmacht. Unter 
den figürlichen Darstellungen sieht mau in halberhabener Arbeit: Maria mit dem Kinde, 
zu Seiten Johannes und Barbara, zu Füßen kniet der Stifter: .Uns . Albertus . 
Ludvig . vicarius . eccles . s . Crucis. Im Chor zahlreiche und schöne Grabmäler 
der v. Stein, v. Plieningen, v. Hallweil, v. Leiningen, v. Göllnitz, v. Bouwinghausen, 
v. Varnbüler, v. Schafelitzky (jetzt im Kreuzgang), Burckhard, Löffler, Jäger von 
Jägersbcrg, zum Teil in prachtvoller Renaissance. 
All der Südwand des südlichen Seitenschiffes das reiche gotische Wandgrab 
(um 1489) des Georg von Sachsenheim. Er kniet vor der Madonna, über der zwei 
Engel die Krone halten. Die Kirche hatte nur einen Dachreiter, 1730 ff. wird an 
der Südseite des Chors der schlichte Turm gebaut. 
An die Nordseite der Kirche stößt das ehcinalige, 1473 von Graf Ulrich ge 
gründete Dominikanerkloster, mit noch in drei Flügeln erhaltenem großem Kreuz- 
gang; schöne Maßwerksfenster, reiche Rippenansätze; die Gewölbe selbst herausgebrochen 
1839. Unter den Denkmälern: das mit dem Standbild des Gestorbenen geschmückte 
deL? Juncker Dietrich von Wyler, 1507, und die Grabplatte des berühmten Humanisten 
vNih. Reuchlin, f 1522, von ihm selbst 1501 gestiftet und verfaßt. Zahlreiche gemalte
	        

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